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Pressemitteilung 328/2019

06.09.2019

Bei Pegasus dürfen Kinder unbeschwert Kind sein – Projekt mit Naturpädagogischen Angeboten für Kinder psychisch erkrankter Eltern

Freuen sich über den gelungenen Projektstart und dass bereits viele Kinder und Eltern Unterstützung erfahren haben: (v.li.) Marco Ackermann (Fachbereich Familie, Jugend und Soziales), Sabine Loosen (sie setzt das Projekt beim Verein bsj praktisch um), Anika Mund (Projektleitung beim Verein bsj), Monika Stein (Geschäftsführung beim Verein bsj), Landrätin Kirsten Fründt und Siegfried Heppner (Fachbereich Familie, Jugend und Soziales). (Foto: Landkreis Marburg-Biedenkopf)

Marburg-Biedenkopf – Seit gut einem Jahr läuft das Modellprojekt „Pegasus“ mit naturpädagogischen Angeboten für Kinder psychisch erkrankter Eltern. Jetzt zogen die Verantwortlichen eine erste, positive Zwischenbilanz. Rund 50 Kinder besuchten bisher die Angebote, daneben fanden etwa 180 Beratungskontakte mit Eltern statt. 

Das Modellprojekt Pegasus wird vom Verein zu Förderung bewegungs- und sportorientierter Jugendsozialarbeit (bsj Marburg), einem im Landkreis Marburg-Biedenkopf mit vielfältigen pädagogischen Projekten und Angeboten tätigen freien Jugendhilfeträger durchgeführt. „Wir können auf eine sehr erfolgreiche erste Planungs- und Durchführungsphase zurückblicken“, sagte Monika Stein von der Geschäftsführung des bsj Marburg bei der Vorstellung der Zwischenbilanz im Marburger Landratsamt. 

Das zentrale Ziel des präventiv ausgerichteten Modellprojektes Pegasus ist eine nachhaltige Stärkung von Kindern psychisch erkrankter Eltern im Alter zwischen acht und zwölf Jahren, die im Landkreis Marburg-Biedenkopf wohnen. Unter der Trägerschaft des bsj Marburg e.V. ermöglicht das Projekt mit naturpädagogischen Angeboten eine Förderung der Kinder. 

„Wir haben die bereits bestehenden Vernetzungen im Landkreis Marburg-Biedenkopf sehr gut nutzen und schnell tragfähige Kooperationen aufbauen können. Diese ermöglichen eine gute Erreichbarkeit von Familien und Kindern im Landkreis“, erläuterte Monika Stein. Durch die sehr gute Zusammenarbeit mit dem Allgemeinen Sozialen Dienst des Kreises könnten Kinder, bei denen die Mitarbeitenden des ASD einen hohen Bedarf feststellten, in unterschiedlicher, bedarfsgerechter Weise an dem Modellprojekt teilhaben. 

Die bisher angebotenen Wochenenden seien von Beginn an sehr stark nachgefragt und stets ausgebucht gewesen. Auch die beiden Waldgruppen würden gut angenommen, sodass die Verantwortlichen insgesamt sehr zufrieden mit dem Projektstart seien, sagten Projektleiterin Anika Mund und Sabine Losen, die mit der praktischen Umsetzung betraut ist. Die Nachfrage bestätige aber auch deutlich den Bedarf alltagsintegrierter pädagogischer Angebote für Kinder psychisch erkrankter Eltern. 

Die Projekt-Verantwortlichen haben auch festgestellt, dass Eltern, denen teilweise sehr bewusst ist, welche enormen Herausforderungen durch die Erkrankung für ihre Kinder entstehen, dem Modellprojekt mit großer Hoffnung und Dankbarkeit begegnen. 

Niedrigschwellige offene Wochenend- und Ferienfreizeiten bieten den teilnehmenden Mädchen und Jungen acht bis zehn Mal pro Jahr die Möglichkeit, eine Auszeit von ihrem gewohnten und belasteten Umfeld zu erfahren. Spielerische und erlebnisreiche Aktivitäten in der Natur eröffnen den Kindern neue Erfahrungsmöglichkeiten und Chancen der Selbstwertsteigerung. 

Die Teilnahme an einer der beiden regelmäßig stattfindenden Waldgruppen bietet Gelegenheiten, die altersspezifischen Bedarfe auf pädagogischer Ebene aufzugreifen und zu bearbeiten, die persönlichen und sozialen Ressourcen der Kinder und Jugendlichen zu stärken sowie einen regelmäßigen Austausch mit Gleichaltrigen in einer stabilen Gruppe zu erfahren, um darüber auch Freundschaften zu schließen. 

Die Arbeit mit den Eltern ermöglicht zudem eine indirekte Begleitung der Kinder in ihren angestoßenen Entwicklungen. Unsicherheiten auch gegenüber Hilfsangeboten können abgebaut und die familiäre Kommunikation verbessert werden. Über eine flankierende fall- und strukturbezogene Schnittstellenarbeit kann auch überprüft werden, ob Anschlussoptionen im vorhandenen Hilfesystem für die Jungen und Mädchen im Anschluss an die Projektteilnahme förderlich sein könnten. 

„Es ist gut und wichtig, dass es dieses Projekt gibt, das Kinder in ihrem Alltag unterstützt, stärkt und fördert“, stellte Landrätin Kirsten Fründt fest. Hier erhielten Kinder die Aufmerksamkeit, die sie brauchen um gesund aufzuwachsen. Auch Marco Ackermann und Siegfried Heppner vom Fachbereich Familie, Jugend und Soziales des Kreises sind von den Stärken des Projekts überzeugt: „Wir sind sehr zufrieden mit dem bisherigen Ablauf und überzeugt von der Notwendigkeit dieses unbürokratischen Angebots.“ 

„Pegasus bietet Kindern psychisch erkrankter Eltern vielfältige Möglichkeiten, sich fortwährend in ihrem Alltag oder situationsbezogen mit erlebnisreichen, spielerischen und abenteuerlichen Naturaktivitäten zu beschäftigen. Die dadurch angestoßenen neuen Erfahrungen treiben die individuellen Entwicklungsprozesse voran“, erläuterte Sabine Loosen. Kinder, die sonst teilweise gezwungen seien die Verpflichtungen und Tätigkeiten ihrer Eltern zu übernehmen, könnten in einem kindgerechten Raum stärkende, stabilisierende und selbstwertsteigernde Erfahrungen sammeln, Unsicherheiten abbauen und so ihre Widerstandsfähigkeit für den belastenden Alltag kräftigen. 

„Da psychische Erkrankungen nach wie vor stark tabuisiert werden, haben diese Kinder häufig wenig Kontakt zu anderen Kindern und können diese selten oder gar nicht zu sich nach Hause einladen. Durch die gemeinsamen Aktivitäten in einer kleinen Gruppe wird der soziale Austausch mit Gleichaltrigen gefördert und eine solche Isolation und Ausgrenzung verhindert“, berichtete Anika Mund. Der Unsicherheit, in welcher Verfassung man seine Eltern zu Hause antreffen könnte, stünde ein beständiges, strukturiertes und damit verlässliches pädagogisches Umfeld Halt gebend gegenüber. „Bei Pegasus können Kinder einfach unbeschwert Kind sein und sich eigenen Themen und Fragestellungen widmen“, sagte Anika Mund. 

Wie Monika Stein berichtete, wurde während der Aufbauphase des Projekts großer Wert auf eine gute Vernetzung gelegt, um Informationen über zahlreiche Kooperationspartner an die Zielgruppe herantragen zu können. Das entstandene Netzwerk umfasst den Allgemeinen Sozialen Dienst, die Beratungsstellen der Universitätsstadt Marburg sowie des Landkreises, freie Jugendhilfeträger sowie Träger sozialpädagogischer Familienhilfen, den Fachbereich Psychologie der Universität Marburg, sozialpsychiatrische Dienste, Psychotherapeuten, die Aus- und Weiterbildungseinrichtung für klinische Verhaltenstherapie AWKV gGmbH, Ärztinnen und Ärzte im Landkreis Marburg-Biedenkopf, die Schulsozialarbeiter sowie Mitarbeitende der offenen Kinder- und Jugendarbeit, Grundeschulen, den schulpsychologischen Dienst, das KreisJobCenter und über den Arbeitskreis Kinder psychisch kranker Eltern auch die vitos-Klinik und die Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie des Universitätsklinikums Marburg. 

Kontakt und Information Modellprojekt Pegasus:
Telefon: 06421 685330; Internet: www.bsj-pegasus.de

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