Ein weiterer Verdachtsfall von Hasenpest im Landkreis Marburg-Biedenkopf wurde nicht bestätigt.
Die Hasenpest (Tularämie) ist eine Erkrankung aus der Tierwelt, die auf den Menschen übertragbar ist und damit zu den Zoonosen zählt. Sie ist eine zwar seltene, aber ernstzunehmende Infektionskrankheit.
Ausgelöst wird Tularämie durch das Bakterium Francisella tularensis. In der Natur sind vor allem Wildtiere von der Erkrankung betroffen - insbesondere Kleinsäuger-Arten wie Hasen, Kaninchen und Nagetiere. Diese werden meist von Insekten wie Zecken, Milben und Mücken infiziert, die den Erreger mit dem Blut eines anderen Tieres aufgenommen haben. Bei erkrankten Tieren führt die Infektion in vielen Fällen innerhalb weniger Tage zum Tod durch eine Sepsis. Verdächtige Symptome eines infizierten Tieres können ein schwankender Gang, mangelndes Fluchtverhalten, gesträubtes Fell und schnelle Atmung sein.
Bekannter Fall im Landkreis Marburg-Biedenkopf
Im laufenden Jahr wurden bereits mehrere Fälle von Tularämie in Hessen nachgewiesen. Der Erreger wurde bei toten Tieren im Main-Kinzig-Kreis, im Landkreis Gießen und bereits auch im April im Landkreis Marburg-Biedenkopf einmalig festgestellt. Am 26.07.2025 wurde im Landkreis Marburg-Biedenkopf ein Hase wegen auffälligen Verhaltens erlegt und für die genauere Untersuchung zur Todesursache an das Hessische Landeslabor übergeben. Das Untersuchungsergebnis fiel jedoch negativ aus.
Haustiere ebenfalls gefährdet
Hunde und Katzen können an Tularämie erkranken, wenn sie mit einem erkrankten oder toten Tier in Berührung kommen (z.B. bei der Jagd oder Spaziergängen). Auch eine indirekte Übertragung des Erregers durch kontaminiertes Wasser oder Ausscheidungen ist möglich. Besonders beim Waldspaziergang und bei der Führung von Jagdhunden ist daher absolute Vorsicht geboten.
Tularämie bei Menschen
Eine Ansteckung mit Tularämie beim Menschen kann auf mehreren Wegen erfolgen:
- Beim Berühren oder Häuten infizierter Tiere und deren Ausscheidungen
- Beim Verzehr von nicht ausreichend erhitztem Fleisch
- Über den Kontakt mit kontaminiertem Wasser, Boden oder Staub (z.B. bei landwirtschaftlichen Arbeiten)
- Auch eine Übertragung durch Zeckenstiche ist möglich
Eine Infektion von Mensch zu Mensch ist nicht bekannt.
Krankheitsverlauf und Behandlung
Die Dauer von der Ansteckung bis zu den ersten Symptomen (Inkubationszeit) kann bis zu 14 Tage dauern. In der Regel beträgt sie aber nur drei bis fünf Tage. Typische Symptome nach einer Infektion mit Tularämie sind plötzlich hohes Fieber, Schüttelfrost, Kopf- und Gliederschmerzen und Unwohlsein. Im Verlauf können weitere Symptome, wie Geschwüre an der Eintrittsstelle, Lymphknotenschwellungen und Brustschmerzen auftreten.
Wenn Sie Kontakt mit einem Wildtier hatten und anschließend erkranken, informieren Sie ihre Hausärztin oder ihren Hausarzt und verweisen auf den Kontakt.
Wenn die Erkrankung frühzeitig diagnostiziert und behandelt wird, ist sie in der Regel gut mit aufeinander abgestimmten Antibiotika heilbar. Dennoch kann die Tularämie auch beim Menschen im schlimmsten Fall lebensbedrohlich werden, wenn sie nicht rechtzeitig erkannt und therapiert wird oder eine Vorschädigung der infizierten Person vorliegt. Eine Impfung gegen Tularämie gibt es nicht.
Wie können Sie sich und andere vor einer Infektion schützen?
- Tote Tiere nicht berühren, Fundstelle merken und bei dem/der Pächter*in des Jagdgebietes, Förster*in oder beim Veterinäramt melden. Landkreis Marburg-Biedenkopf: 06421 405-6601 oder per E-Mail an fdvuvmarburg-biedenkopfde
- Nach dem Infektionsschutzgesetz und Veterinärrecht ist die Erkrankung bei Menschen, Hasen und Kaninchen meldepflichtig, um das Krankheitsgeschehen zu erfassen und kontrollieren zu können
- Haut- und Schleimhautkontakt (bspw. bei der Jagd und beim Schlachten) mit infizierten Tieren ist zu meiden, dies gilt auch für den Verzehr von nicht ausreichend erhitztem Fleisch und kontaminiertem Wasser
- Der Kontakt von Hunden und Katzen zu Wildhasen und -kaninchen sollte vermieden werden
- Beim Abbalgen und Zerlegen ist auf Handschuhe, Atemschutz und Schutzbrille zu achten
- Herkömmliches Desinfektionsmittel und ausreichende Hitze töten Bakterien zuverlässig
Weiterführende Informationen zur Erkrankung:
Informationen für Fachpersonal
Letzte Aktualisierung: 05.08.2025