„Wir feiern 40 Jahre Frauen- und Gleichstellungsarbeit im Landkreis“
„Frauen und Männer sind gleichberechtigt.“
Was im Grundgesetz verankert ist (Art. 3 Abs. 2), braucht in der Praxis viele Schritte, starke Stimmen – und vor allem: Ausdauer. Seit 40 Jahren engagieren sich das Kommunale Frauen- und Gleichstellungsbüro und die Frauenkommission im Landkreis Marburg-Biedenkopf dafür, dass dieser Verfassungsauftrag Realität wird.
Am 1. April 1987 nahm das damalige „Frauenamt“ offiziell seine Arbeit auf – gegründet auf Basis eines Kreistagsbeschlusses von 1985. Damit wurde ein deutliches Zeichen gesetzt: Gleichstellung gehört auf die politische Agenda. Aus einer kleinen Pionierinnen-Gruppe entstand eine tragende Institution innerhalb der Kreisverwaltung. Die Frauenkommission, seit 1987 ein Organ des Kreisausschusses, begleitete von Beginn an die Arbeit des Büros und macht mit dem politischen Erfahrungen und anhaltenden Engagement der Mitglieder zu einer wichtigen politischen Stimme für die Anliegen der Frauen im Landkreis. Zahlreiche Arbeitskreise, Kooperationen mit Vereinen, Verbänden und Initiativen haben die Gleichstellungsarbeit getragen und ermöglicht. Ohne das Engagement vieler – in Politik, Verwaltung und Zivilgesellschaft – wären viele Fortschritte nicht denkbar gewesen.
Doch auch, wenn sich seit 1987 vieles verbessert hat und die kontinuierliche Gleichstellungsarbeit viele Meilensteine erreicht hat, bleiben zentrale Herausforderungen bestehen:
- Frauen sind nach wie vor in Führungspositionen und politischen Ämtern unterrepräsentiert
- Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf bleibt oft „unbezahlte Frauensache“
- Gewalt gegen Frauen und queere Personen steigt nach wie vor an
- Diskriminierung und strukturelle Ungleichheiten bestehen fort
Das Jubiläumsjahr 2026 ist nicht nur Anlass zur Rückschau, sondern vor allem ein Aufruf für die Zukunft: Gleichstellung läuft nicht von selbst. Sie braucht weiterhin Mut, Vernetzung und klare Ziele, die kontinuierlich weitergetragen werden müssen
Auch in Zukunft will das Frauen- und Gleichstellungsbüro:
- Erwerbstätigkeit von Frauen stärken
- Care-Arbeit sichtbar machen und fair verteilen
- Politische und gesellschaftliche Teilhabe von marginalisierten Personen fördern
- Queere und mehrfach marginalisierte Frauen gezielt einbeziehen
- Schutzräume schaffen, digitale Teilhabe sichern
- Intersektionale Diskriminierung erfassen und bekämpfen
Und so ein selbstbestimmtes und diskriminierungsfreien Leben im Landkreis Marburg-Biedenkopf ermöglichen. Das Büro versteht Gleichstellung heute vielfältiger, inklusiver – und bleibt ein verlässlicher Motor für Veränderung, ein Ort für Empowerment und ein Sprachrohr für all jene, die oft überhört werden.“