Marburg-Biedenkopf – Das Exponat des Monats November im Hinterlandmuseum im Schloss Biedenkopf ist eine historische Schwarz-Weiß-Fotografie. Es zeigt den Güterschuppen des Bahnhofs in Biedenkopf. Zu sehen ist das Exponat ab kommenden Sonntag, 1. November, bis Sonntag, 15. November 2026, zu den Öffnungszeiten des Museums. Danach geht das Museum in die Winterpause.
Das Foto wurde auf eine feste Pappe geklebt, auf der bereits ein dekorativer Rahmen im Jugendstil aufgedruckt war. Dieser Stil war besonders um 1900 beliebt und zeichnet sich oft durch geschwungene Linien, florale Muster und dekorative Verzierungen aus. Das historische Foto kam als Schenkung in den Bestand des Museums.
1883 wurde die Nebenbahn Cölbe-Erndtebrück in Betrieb genommen, wodurch auch Biedenkopf einen Bahnanschluss erhielt. Anfangs gab es nur provisorische Baulichkeiten, erst 1892 wurde ein Empfangsgebäude errichtet. Dieses erwies sich bald mitsamt dem Güterschuppen als unzureichend. Die Inbetriebnahme der Nebenbahn Dillenburg-Wallau 1911 machte schließlich eine Erweiterung des Bahnhofs inklusive des Empfangsgebäudes und des Güterschuppens unerlässlich, die 1911 bis 1912 erfolgte. In diesem Zustand überstanden die Gebäude mehr als ein Jahrhundert. 2022 wurde der Güterschuppen jedoch abgerissen, um Platz für einen Busbahnhof zu machen. Das Empfangsgebäude blieb erhalten und soll umgebaut werden.
Das Foto zeigt eine Szene auf der Straßenseite des Güterschuppens. Anhand der erkennbaren Schneeresten ist erkennbar, dass das Foto im Winter entstand. Vor dem Gebäude ist eine Gruppe von Kindern und älteren Frauen mit drei Ziehwagen zu sehen. Auf der Rampe stehen vier Männer. Einer von ihnen trägt Arbeitskleidung und Schirmmütze und ist gerade dabei, auf einer Landwirtschafts-Waage einen gefüllten Sack abzuwiegen. Der mit Hut und Mantel gut gekleidete Herr daneben macht sich offenbar über diesen Vorgang Notizen.
Leider ist nicht bekannt, was genau in dieser Szene vor sich geht und vor welchem historischen Hintergrund das Geschehen zu verstehen ist. Denkbar ist, dass es sich um die An- oder Ablieferung von Lebensmittelmitteln vor oder nach dem Ende des Ersten Weltkrieges 1918 handelt.
Zu sehen ist das Exponat des Monats bis einschließlich 15. November während der Öffnungszeiten des Museums: dienstags bis sonntags jeweils von 10 bis 18 Uhr. Der Eintritt kostet für Erwachsene vier Euro, für Kinder bis 14 Jahre 2,50 Euro. Am Montag, 16. November, geht das Hinterlandmuseum in die Winterpause. Für Gruppen ab zehn Personen ist nach Voranmeldung in der Regel auch während der Schließzeit ein Besuch möglich.