Marburg-Biedenkopf – Mit dem „Ehrenamtsforum – Engagiert im Dialog“ hat Marburg-Biedenkopf als einer der ersten Landkreise ein Beteiligungsformat nach dem Vorbild eines Bürgerrats umgesetzt. Beim abschließenden Treffen im Landratsamt überreichte die Gruppe ihr Empfehlungspapier an Landrat Jens Womelsdorf und blickte gemeinsam auf den Beteiligungsprozess zurück. An drei Sitzungstagen im Mai und Juni erarbeiteten die 19 teilnehmenden Bürgerinnen und Bürger insgesamt zehn Handlungsempfehlungen. Inhalt der Empfehlungen ist, wie Engagement von jungen Menschen gestärkt und die generationsübergreifende Zusammenarbeit im Ehrenamt zukunftsfähig gestaltet werden kann.
„Danke, dass Sie sich auf die Mitarbeit im Ehrenamtsforum eingelassen und Ihre Ideen zur Zukunft des Engagements so zielstrebig eingebracht haben“, begrüßte Landrat Jens Womelsdorf die Teilnehmenden. „Sie haben dazu beigetragen, dieses Beteiligungsformat mit Leben zu füllen.“ Die Mitarbeit sei keineswegs selbstverständlich gewesen, da die Teilnahme mit einem durchaus hohen zeitlichen Aufwand verbunden war, so der Landrat.
Drei Mitglieder des Ehrenamtsforums stellten stellvertretend für die gesamte Gruppe die zehn Empfehlungen vor und erläuterten die Hintergründe ihrer Vorschläge. Die Empfehlungen setzen unter anderem bei der Sichtbarkeit des Ehrenamts, der Bereitstellung von Informationen sowie bei zeitgemäßen Vereins- und Engagement-Strukturen an. Mit der Übergabe des Empfehlungspapiers endet die Arbeit des Ehrenamtsforums. Im nächsten Schritt wird die Kreisverwaltung die zehn Empfehlungen prüfen, priorisieren und eine Umsetzungsstrategie entwickeln. Diese Strategie soll voraussichtlich Anfang 2027 den politischen Gremien des Landkreises vorgestellt werden.
Im Mittelpunkt des abschließenden Austauschs standen die persönlichen Erfahrungen der Teilnehmenden mit dem für sie neuen Beteiligungsformat. Landrat Womelsdorf interessierte besonders, wie die Gruppe die übergeordnete Organisation, den Ablauf der Sitzungstage sowie die gemeinsame Erarbeitung der Empfehlungen erlebt hatte. Die Rückmeldungen fielen durchweg positiv aus. Die gute Organisation durch den Landkreis und die professionelle Begleitung durch Moderatorin Marina Leibfried hätten optimale Rahmenbedingungen für die gemeinsame Arbeit geschaffen. Schnell sei eine vertrauensvolle Arbeitsatmosphäre entstanden, in der alle ihre unterschiedlichen Perspektiven und Meinungen einbringen konnten. Besonders positiv bewerteten die Teilnehmenden die Einbindung von Fachexpertinnen und -experten: Diese hätten der Gruppe notwendiges Hintergrundwissen vermittelt und dabei geholfen, eigene Ideen fachlich einzuordnen und weiterzuentwickeln. Auch die Bedeutung des Formats für die Bürgerbeteiligung und die Demokratie haben die Teilnehmenden hervorgehoben. Der Austausch mit Menschen unterschiedlicher Hintergründe, neue Einblicke und die Möglichkeit, gemeinsam an einem konkreten Thema zu arbeiten, wurden als bereichernd erlebt. Einigkeit bestand darin, dass ein solches Beteiligungsformat dazu beitragen könne, Menschen stärker in die Gestaltung ihres unmittelbaren Lebensumfelds einzubeziehen.
Die 10 Empfehlungen des „Ehrenamtsforums – Engagiert im Dialog“ im Überblick:
1. Plattform „Transparenz – Info – Netzwerk“ aufbauen
Auf einer übergeordneten Plattform (web- und app-basiert) sollen alle für das ehrenamtliche Engagement relevanten Informationen an einem zentralen Ort zur Verfügung gestellt werden.
2. Fördermöglichkeiten sichtbar machen
Eine umfassende Sammlung von Fördermöglichkeiten für Vereine und Engagierte soll digital zur Verfügung gestellt werden, um mehr Transparenz zu schaffen.
3. Sichtbarkeit von Ehrenamt durch Werbung erhöhen
Es soll insbesondere die Werbung für die Ehrenamts-Internetseite des Kreises erhöht werden, zum Beispiel über eine stärkere Verbreitung von QR-Codes in der Öffentlichkeit oder durch Plakate und Flyer. Zur Website geht es unter https://ehrenamt.marburg-biedenkopf.de/ (Öffnet in einem neuen Tab)
4. Digitales Coaching für zeitgemäße und zielgruppenorientierte Ansprache anbieten
Vereine sollen Anregungen erhalten, wie sie sich mithilfe von interessanten Videos besser in der Öffentlichkeit präsentieren können.
5. Materialien zur Würdigung des Ehrenamts zur Verfügung stellen
Materialien wie Dankeskarten, Anstecker, Magnete oder kreative Give-aways sollen Vereinen zur Verfügung gestellt werden, damit sie das Engagement ihrer Engagierten würdigen können.
6. Öffentlichkeitsarbeit für Ehrenamtscard verstärken
Um die Ehrenamtscard noch bekannter zu machen, soll die Öffentlichkeitsarbeit dafür verstärkt werden.
7. Kinder-Ehrenamtscard einführen
Die Einführung einer „Superhelden-Karte“ soll dazu beitragen, Kinder frühzeitig an ehrenamtliches Engagement heranzuführen.
8. Projekt-/Kurzzeitengagement fördern
Kurzzeit-Engagements sollen stärker in den Blick gerückt und dazu entsprechende Beratungsangebote für Vereine entwickelt werden.
9. Weiterentwicklung von Vereinsstrukturen unterstützen
Zur Unterstützung der Vereine im Hinblick auf die Weiterentwicklung ihrer Strukturen sollen entsprechende Mustersatzungen oder Arbeitshilfen zur Verfügung gestellt werden.
10. Vereinbarkeit von Zeiten optimieren
Um ehrenamtlich Engagierten die Teilnahme an Sitzungen und Veranstaltungen zu ermöglichen, sollen Termine besser an die Bedarfe der Zielgruppen angepasst werden.
Hintergrund: Wie der Bürgerrat für Marburg-Biedenkopf entstanden ist
Die Teilnehmenden des Bürgerrates hat der Kreis nach einer zufälligen Auslosung, kombiniert mit einem öffentlichen Aufruf zur Teilnahme, aus dem Pool der interessierten Rückmeldungen zusammengestellt. Dabei wurde auf Kriterien wie Alter, Geschlecht, Ausbildung, Herkunft, Wohnort im Landkreis und ehrenamtlich engagiert/nicht engagiert geachtet, um einen möglichst breit aufgestellten Teilnehmenden-Kreis zu gewährleisten.