Gemeinsame Pressemitteilung des Landkreises Marburg-Biedenkopf und des Landschaftspflegeverbandes Marburg-Biedenkopf e.V.
Marburg-Biedenkopf – Um besonders artenreiche Mähwiesen zu würdigen, haben der Landkreis Marburg-Biedenkopf und der Landschaftspflegeverband Marburg-Biedenkopf e.V. (LPV) zum ersten Mal eine Mähwiesen-Meisterschaft im Kreis veranstaltet. Gewinner mit der artenreichsten Wiese ist der Betrieb „Landdau“ aus Dautphetal. Zweiter wurde die BUND-Ortsgruppe Biedenkopf mit ihrem landwirtschaftlichen Betrieb, den dritten Platz belegt der Caspersch Hof aus Lohra.
Als Mähwiesen werden Wiesen bezeichnet, die ein- bis zweimal im Jahr gemäht werden. Sie zählen zu den artenreichsten, aber auch gefährdetsten Lebensräumen für Tiere und Pflanzen in Mitteleuropa. Gemäht werden sie meist später im Jahr sowie nicht oder kaum gedüngt. Die regelmäßige Mahd der Wiesen und die fehlende Düngung führen zum einen dazu, dass dem Boden langfristig Nährstoffe entzogen werden. Zum anderen kann durch die Mahd Licht besser bis zum Boden durchdringen. Dadurch haben seltene, blütenreiche Wildpflanzen – die magere Nährstoffverhältnisse benötigen – die Chance, zu wachsen. Durch diese traditionelle Bewirtschaftungsweise, bei der der Aufwuchs als Heu geerntet und im Winter an Tiere verfüttert wird, haben sich die artenreichen Wiesen über Jahrhunderte entwickelt und bleiben nur erhalten, wenn sie weiterhin in dieser Form bewirtschaftet werden.
„Mit der ersten Mähwiesen-Meisterschaft haben wir als Kreis mit unserem Fachdienst Agrarförderung/Agrarumwelt gemeinsam mit dem LPV die Leistungen von Landwirtinnen und Landwirten gewürdigt, die solche Flächen mit viel Engagement bewirtschaften. Sie leisten damit einen wichtigen Beitrag für die Artenvielfalt, da viele Tiere und Pflanzen auf den Mähwiesen eine Heimat finden“, so Landrat Jens Womelsdorf. Damit der Fortbestand solcher Wiesen gewährleistet wird, sei eine nachhaltige und sorgsame Bewirtschaftung durch lokale landwirtschaftliche Betriebe wichtig.
Der Kreis betreut das Hessische Programm für Agrarumwelt- und Landschaftspflegemaßnahmen („HALM 2“), welches einen finanziellen Anreiz zur Bewirtschaftung von Wiesen bietet.
„Die Mähwiesen-Meisterschaft zeigt vorbildliche Beispiele, die einen wichtigen Beitrag zur Stärkung der biologischen Vielfalt leisten“, ergänzt Olaf Hausmann. Er ist Vorsitzender des LPV und Bürgermeister der Stadt Kirchhain. „Diese Arbeit konnte mit der Mähwiesen-Meisterschaft durch die Expertise des LPV sehr gut ausgewertet und gemeinsam mit dem Kreis sichtbar gemacht werden.“
Für den ersten Platz gab es im Rahmen der Meisterschaft ein Preisgeld in Höhe von 500 Euro, für den zweiten Platz 300 Euro und für den dritten Platz 200 Euro.
Expertinnen und Experten untersuchen und bewerten Flächen
An der Meisterschaft konnten landwirtschaftliche Betriebe mit Sitz im Landkreis Marburg-Biedenkopf teilnehmen. Insgesamt 26 landwirtschaftliche Betriebe gingen mit je einer Wiese ins Rennen. Johanna Wiedemann, Mitarbeiterin des LPV, untersuchte alle Flächen im Hinblick auf das Vorkommen von bestimmten heimischen Pflanzenarten. Die besten zehn Flächen hat im Anschluss Dr. Jan-Niklas Nuppenau, ebenfalls Mitarbeiter beim LPV und Botaniker, nochmal intensiver auf alle vorkommenden Pflanzenarten untersucht. Insgesamt wurden 128 verschiedene Wildpflanzen-Arten auf den zehn Flächen gefunden. Punkte gab es grundsätzlich für jede vorkommende Pflanzenart. Extrapunkte gab es für Arten, die für artenreiche Grünland-Lebensräume wie Wiesen und Weiden typisch sind. Aber auch für Arten, die als besonders gefährdet gelten. Abzüge gab es wiederum für sogenannte Störarten auf den Flächen. Also beispielsweise Giftpflanzen oder Arten, die sich besonders schnell vermehren, sich in Lücken ausbreiten und so anderen Pflanzen den Platz zum Wachsen wegnehmen können.
Die Gewinnerwiese des Landwirtschaftsbetriebes „Landdau“ aus Dautphetal ist ein herausragendes Beispiel, wie artenreich eine heimische Wiese sein kann: Hier wurden insgesamt 71 Pflanzen-Arten erfasst. Davon alleine fünf auf Roten Listen und Vorwarnlisten – also gefährdete Arten sowie zahlreiche weitere seltene Arten, die besonders artenreiche Wiese charakterisieren.
Die Mähwiesen-Meisterschaft kommt auch dem Projekt „Wildsaatgut in der Landwirtschaft“ des LPV zugute. Ziel des Projektes ist es, die Verfügbarkeit von regionalem Wildsaatgut durch lokale landwirtschaftliche Betriebe zu verbessern. Dafür soll Wildsaatgut von bereits bestehenden artenreichen Wiesen genutzt werden. Dr. Jan-Niklas Nuppenau, verantwortlich für das Projekt, erläutert: „Die Meisterschaft hat gezeigt, dass sich noch viele Schätze der Artenvielfalt im Kreis befinden, darunter auch einige Flächen, die sich für eine Samenernte eignen, um neue artenreiche Flächen anzulegen. Dass es solche Wiesen noch gibt, ist vor allem den bewirtschaftenden Betrieben zu verdanken und macht deutlich, dass sich die Pflege solcher artenreichen Wiesen lohnt.“
Details zur enormen Artenvielfalt von Mähwiesen und deren historischen Entwicklung sowie dem starken Zusammenhang zwischen Bewirtschaftungsweise und Artenvielfalt erläuterte eingebettet in die Siegerehrung Dr. Bernd Nowak. Er ist Biologe und Fachmann für Grünland-Lebensräume.