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PM DigitalPakt Schule

04.12.2020

Digitalisierung als Chance für eine neue Lernkultur – Stadt, Kreis und Schulamt stellen Leitsätze für digitale Bildung vor

Stadträtin Kirsten Dinnebier (Mitte), Ulrich Müller vom Staatlichen Schulamt (links) und Marian Zachow, Erster Kreisbeigeordneter des Landkreises Marburg-Biedenkopf, stellten die Leitsätze für digitale Bildung vor. (Foto: Staatliches Schulamt)

GEMEINSAME PRESSEMITTEILUNG DER UNIVERSITÄTSSTADT MARBURG UND DES LANDKREISES MARBURG-BIEDENKOPF

Marburg. Wie können die Vorteile der Digitalisierung in den Schulen genutzt werden? Wie kann die digitale Bildung chancengleich und barrierefrei sein? Und wie muss die Pädagogik entsprechend weiterentwickelt werden? Die Stadt Marburg, der Landkreis Marburg-Biedenkopf und das Staatliche Schulamt haben Leitsätze für eine digitale Lernkultur entwickelt. Diese Leitsätze sollen die Grundlage für die Weiterentwicklung der Schulen im Landkreis sein. In einer digitalen Konferenz wurden diese nun vorgestellt.  

„Die Digitalisierung ist ein zentrales Thema in der Arbeitswelt und auch im Privatleben. Deswegen gehört Digitalisierung auch in die Schulen. Wir müssen die Digitalkompetenzen unsere Schüler*innen bilden und fördern – damit sie sich sicher und selbstbestimmt in der digitalen Welt bewegen“, erklärt Marburgs Stadträtin und Schuldezernentin Kirsten Dinnebier. „Gleichzeitig bietet die Digitalisierung auch eine Chance für eine neue Lernkultur“, ergänzt Marian Zachow, Erster Kreisbeigeordneter und Schuldezernent des Landkreises Marburg-Biedenkopf. „Mit digitalen Medien eröffnen sich neue Möglichkeiten für die Schüler*innen, beispielsweise durch individuelle, kreative und auch experimentelle Zugänge zum Lernen. Das wollen wir auch für alle nutzbar machen.“ Passend zum Thema hatten sich Dinnebier und Zachow gemeinsam mit Ulrich Müller vom Staatlichen Schulamt zu einer virtuellen Konferenz zusammengefunden, zu der auch Vertreter*innen und Schüler*innen der Adolf-Reichwein-Schule (ARS) zugeschaltet waren. Eine Projektgruppe der ARS hatte für die Leitsätze einen Flyer erstellt. 

Digitalisierung in der Schule ist für die Stadt Marburg, den Landkreis Marburg-Biedenkopf und das Staatliche Schulamt nicht erst seit Corona ein wichtiges Thema. Bereits 2018 gab es die Auftaktveranstaltung der gemeinsamen Steuerungsgruppe „Digitalisierung – DigitalPakt Schule“. In einem zeitintensiven Prozess haben die Beteiligten eine gemeinsame Digitalstrategie entwickelt. „Unser Ziel war es, gemeinsame Mindeststandards für die digitale Ausstattung an Schulen in Marburg und im Landkreis zu erarbeiten und gemeinsame Fortbildungsangebote für Lehrer*innen zu entwickeln“, sagt Ulrich Müller. Er erläutert, dass sowohl die beiden Schulträger als auch das Staatliche Schulamt ab sofort weitere Finanzmittel zur Durchführung von pädagogischen Tagen und Fortbildungsveranstaltungen zur Digitalisierung und Medienbildung an Schulen zur Verfügung stellen. Weil Fortbildung und technische Ausstattung alleine aber noch keinen besseren Unterricht machen, wurden die folgenden Leitsätze entwickelt, die den Rahmen der Digitalisierung und Medienbildung bilden sollen. 

Das sind die acht Leitsätze: 

  1. Wir machen Digitalisierung zur Chance für eine neue Lernkultur
    Digitale Infrastruktur und technischer Support werden gewährleistet. Denn: Digitalisierung ist eine Chance für individuelles und vernetztes Bildungsgeschehen. Der Unterricht kann durch die Digitalisierung moderne, neue Möglichkeiten erhalten. Gleichzeitig müssen Schüler*innen den verantwortungsbewussten und kritischen Umgang mit Daten und Inhalten im Netz lernen.
  1. Wir denken zuerst an die Schüler*innen: Technik folgt der Pädagogik
    Digitalisierung ist ein Mittel zur Weiterentwicklung der Lernkultur. Im Mittelpunkt stehen dabei die Lernenden und nicht die Technik. Pädagogik und Didaktik bestimmen, wie investiert wird. Alle Schulen entwickeln daher ein Medienbildungskonzept, das zum Schulprofil passt.
  1. Wir bilden Lehrer*innen fort für die digitale Welt
    Kontinuierliche Aus- und Weiterbildungsangebote für Lehrer*innen müssen angeboten werden. Deswegen entwickeln die Beteiligten anspruchsvolle und für die Praxis möglichst unmittelbar anwendbare Angebote. Bereits versierte Lehrer*innen sollen bei besonders zukunftsweisenden Projektideen unterstützt werden.
  1. Wir schaffen gleiche und gerechte Chancen in der digitalen Bildung
    Das Einkommen der Eltern darf nicht über das digitale Lernen bestimmen. Es sollen neue didaktische Konzepte ermöglicht werden – gleichzeitig muss auch die Teilhabe aller Schüler*innen an der digitalen Bildung gewährleistet sein. Dazu muss es klare Regelungen und Konzepte geben.
  1. Wir digitalisieren ohne Barrieren
    Digitalisierung ist eine Chance, allen Schüler*innen mit körperlichen und geistigen Behinderungen eine gleichberechtigte Möglichkeit auf Bildung zu bieten. Für Schüler*innen mit Handicaps müssen teilweise zusätzliche technische Geräte beschafft werden, um die Nutzung von Medien barrierefrei zu gestalten.
  1. Wir denken Bildung und Schule auch in digitalen Zeiten ganzheitlich
    Digitalisierung ist ein Teilaspekt von Schulentwicklung. Analoges Lernen, kulturelle Bildung, Bewegung und Kreativitätsangebote behalten gerade in der digitalen Welt eine besondere Bedeutung.
  1. Wir setzen auf produktneutrales Lernen statt neutraler Produkte
    Produktneutralität stößt aufgrund technischer Gegebenheiten in den Schulen an Grenzen. Produkte werden aber bewusst abgewogen und ausgewählt. Und Produktneutralität soll Gegenstand des Unterrichts sein – Schüler*innen sollen motiviert werden, ihre privaten Produktentscheidungen im Bewusstsein der vielfältigen Wahlmöglichkeiten zu treffen.
  1. Wir vernetzen Schulen und (Medien-)Pädagogik
    Die Digitalisierung bietet neue Möglichkeiten der Vernetzung – auch schulübergreifend. Lernplattformen und digitale Schulbücher eröffnen neue individuelle Möglichkeiten des Lernens. Digitale Vernetzung ermöglicht außerdem, medienpädagogische Konzepte zwischen Grundschulen und weiterführenden Schulen abzustimmen. Schulträger und Schulamt streben daher auch einheitliche Qualitätsstandards an.

 

Die Leitsätze sollen Diskussionsgrundlage mit Schulen, Politik und Öffentlichkeit sein sowie eine pädagogische Leitlinie. Grafisch und digital aufbereitet haben die Schüler*innen mit dem Schwerpunkt Gestaltungs- und Medientechnik vom Beruflichen Gymnasium der Adolf-Reichwein-Schule diese Leitsätze in Form eines Flyers und interaktiven PDF-Dokuments. Alle Beteiligten dankten der ARS und betonten die Wichtigkeit, auch die Schüler*innen selbst aktiv in die Prozesse einzubeziehen. Der Flyer liegt dieser Pressemitteilung bei. 

„Wir sind mit der Entwicklung der Leitsätze nicht fertig“, so Zachow. „Digitalisierung ist eine Daueraufgabe für die Zukunft“, ergänzt Dinnebier. Die Beteiligten sind sich dabei einig, dass dies finanzielle Mittel – über die bisherigen Ressourcen hinaus – benötigen wird. Hier seien Bund und Land gefragt, die Schulträger bei dieser Aufgabe nicht allein zu lassen.

Stadträtin Kirsten Dinnebier bei der virtuellen Konferenz zu den Leitsätzen für digitale Bildung. (Foto: Thomas Steinforth, Stadt Marburg)
Die Projektgruppe der Adolf-Reichwein-Schule in einer von ihnen erstellten Foto-Montage. (Foto: Adolf-Reichwein-Schule Marburg)

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