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Pressemitteilung 052/2019

11.03.2019

Landwirtschaft, Naturschutz und die Stadt Gladenbach helfen den Braunkehlchen – Ansitzwarten für den Artenschutz

Das Braunkehlchen, ein Verwandter des Rotkehlchens, ist in Hessen vom Aussterben bedroht und es gibt nur noch Restvorkommen im Lahn-Dill-Bergland, im Vogelsberg und in der Rhön.

Marburg-Biedenkopf – In einem Gemeinschaftsprojekt von Landwirtschaft, Naturschutz, der Stadt Gladenbach und dem Landkreis werden in der Gemarkung Rüchenbach zurzeit Holzpfosten als sogenannte Ansitzwarten für Braunkehlchen gesetzt.

Landwirte, Naturschützer, die Stadt Gladenbach und der Landkreis Marburg-Biedenkopf mit dem Fachbereich Ländlicher Raum und Verbraucherschutz (LRV) und der Unteren Naturschutzbehörde haben sich zusammengetan, um eines der letzten Vorkommen des Braunkehlchens im Landkreis zu erhalten und zu verbessern. Verschiedene Maßnahmen sind  seit 2017 angelaufen, die schon erste Erfolge zeigen. Viola Wege, ehrenamtliche Kreisbeauftrage für den Vogelschutz im Auftrag der staatlichen Vogelschutzwarte Frankfurt, konnte 2018 vier erfolgreiche Bruten im Herzbachtal bei Rüchenbach dokumentieren. Viola Wege hat das Projekt 2017 initiiert und beobachtet die Vögel, sobald sie im April aus dem Winterquartier in Afrika zurückkommen.

Das Braunkehlchen, ein Verwandter des Rotkehlchens, ist in Hessen vom Aussterben bedroht und es gibt nur noch Restvorkommen im Lahn-Dill-Bergland, im Vogelsberg und der Rhön. „Man schätzt, dass in Hessen nur noch weniger als 250 Brutpaare leben. Es besteht daher eine besondere Verantwortung diesen einst häufig vorkommenden Wiesenvögeln zu helfen“, sagte Viola Wege. „Braunkehlen bauen ihre Nester direkt auf dem Boden in spät gemähten Wiesen und benötigen insektenreiche Feuchtwiesen mit Säumen und Hochstaudenfluren“. Die Stauden wie das Mädesüß oder auch Weidepfosten werden gerne als Ansitze für die Jagd nach Insekten genutzt. Flächen oder Gewässerläufe mit dichten Gehölzen würden jedoch gemieden, sodass als Brutgebiete vor allem kleine extensiv genutzte Wiesentäler ohne oder mit wenigen Ufergehölzen angenommen werden. „Dabei ist es wichtig, dass die Wiesen erst ab Juli gemäht werden um die Nester nicht zu zerstören. Auch zu viele Störungen oder freilaufende Hunde und Katzen können zur Aufgabe der Gelege führen“, betonte die Kreis-Vogelschutz-Beauftragte.

„Bevor  nun im April hoffentlich wieder die ersten Braunkehlchen zurückkommen, werden von der Stadt Gladenbach 50 Holzpfosten als Ansitze entlang des oberen Herzbaches  gesetzt um den Lebensraum attraktiver zu machen“, sagte Michael Zerbe, aus dem Fachbereich LRV und zuständig für Agrarförderung und Agrarumwelt. Finanziert wurden die Pfähle vom Landkreis und aus Mitteln der Biodiversitätsstrategie des Landes Hessen. „Die Gräben sollen zukünftig nicht mehr gemulcht werden, damit sich Altgras- und Hochstaudensäume besser entwickeln können“, ergänzte Zerbe. Falls doch ein Bedarf an Pflegemaßnahmen bestünde, muss die Maßnahme vorher mit der Unteren Naturschutzbehörde und dem Fachbereich Ländlicher Raum und Verbraucherschutz abgestimmt werden.

Bürgermeister Peter Kremer lobt die sieben Landwirte aus Rüchenbach, Allna und Friebertshausen, „die einen wesentlichen Beitrag zum Projekt liefern, weil deren Flächen im Brutgebiet liegen oder angrenzen“. Hierzu wurden mit dem Fachbereich Ländlicher Raum und Verbraucherschutz, dem Fachdienst Agrarumwelt Vereinbarungen im HALM (Hessisches Programm für Agrarumwelt und Landschaftspflegemaßnahen) abgeschlossen. „So haben die Landwirte auf über sieben Hektar landwirtschaftlicher Fläche Agrarumweltmaßnahmen umgesetzt“, betonte Bürgermeister Kremer. Ackerflächen wurden in mehrere Blühflächen und Blühstreifen umgewandelt und Wiesen werden erst ab Mitte Juli, teilweise auch erst im August gemäht oder beweidet. Die Landwirte verzichten in dem Projektgebiet generell auf die Düngung und chemischen Pflanzenschutz und entlang des Grabens wird ein Uferschonstreifen aus der Nutzung genommen. Für den Mehraufwand und den Ertragsausfall erhalten die Betriebe eine finanzielle Entschädigung vom Land Hessen und der Europäischen Union.

Von den Maßnahmen profitieren nicht nur die Braunkehlchen oder andere Wiesenbrüter, wie der seltene Wiesenpieper, sondern auch viele andere Tier-und Pflanzenarten. Der Zugewinn an Biotopvielfalt, Blütenangebot und damit an Biodiversität ist gerade auch ein Beitrag gegen den viel diskutierten Rückgang der Insekten.

Katharina Hoffmann (v. li.) von der Unteren Wasserbehörde des Landkreises, Gabrielle Spill-Ebert (Fachdienst Naturschutz des Kreises), Viola Wege (ehrenamtliche Kreisbeauftragte Vogelschutz), Michael Zerbe (Fachdienst Ländlicher Raum), Gladenbachs Bürgermeister Peter Kremer und Volker Glanz (Bauhofleiter der Stadt Gladenbach), setzen eine sogenannte Ansitzwarte für das Braunkehlchen.
Gabrielle Spill-Ebert (v. li.) vom Fachdienst Naturschutz des Landkreises Marburg-Biedenkopf, Michael Zerbe vom Fachdienst Ländlicher Raum und Viola Wege (ehrenamtliche Kreisbeauftragte Vogelschutz) freuen sich über die sieben Hektar Blühflächen und Blühstreifen, die die sieben Landwirte zur Verfügung gestellt haben.

Kontakt

Kreisausschuss Marburg-Biedenkopf, Fachdienst Presse- und Medienarbeit, Im Lichtenholz 60, 35043 Marburg, E-Mail: pressestellemarburg-biedenkopfde. Tel.: 06421 405-1350, Fax.: 06421 405-921350. www.facebook.com/landkreis.marburg.biedenkopf, alle Pressemitteilungen unter www.marburg-biedenkopf.de. Pressesprecher: Stephan Schienbein.

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