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Pressemitteilung 047/2019

22.02.2019

Kreis und bipoli bauen Hausaufgabenhilfe in Biedenkopf aus – Individuelle Förderung für Flüchtlingskinder

Die bipoli Hausaufgabenhilfe ist ein freiwilliges Bildungsangebot für den Nachmittag. Dort wird in Kleingruppen von bis zu acht Schülerinnen und Schülern gelernt. Auf dem Plan stehen dabei auch Übungen zur Lernorganisation für Schülerinnen und Schüler der 1. bis 4. Klasse. Hier bespricht Kazim Kutooglu mit den Kindern, was alles in den Schulranzen gehört.

Marburg-Biedenkopf – Wegen eines erhöhten Förderbedarfs für Kinder aus geflüchteten Familien haben der Landkreis Marburg-Biedenkopf und der Verein Bildungspolitische Initiative (bipoli) das Angebot der Hausaufgabenhilfe am Standort Grundschule Biedenkopf von zwei auf vier Wochentagen ausgebaut. Dort stehen jetzt drei Gruppen zur Verfügung, die derzeit von 27 Kindern besucht werden.

Am Dienstag, 19. Januar 2019, besuchten der Erste Kreisbeigeordnete Marian Zachow, die Leiterin des Büros für Integration (BfI) Dr. Franziska Engelhardt und der Rektor der Grundschule Biedenkopf Frank Dilling das Förderangebot der Hausaufgabenhilfe.

Die bipoli Hausaufgabenhilfe stellte den Gästen eine Übung zur Lernorganisation mit Schülerinnen und Schüler der 1. bis 4. Klasse vor. Es handelt sich um ein freiwilliges Bildungsangebot für den Nachmittag. Dort wird in Kleingruppen von acht Schülerinnen und Schülern gelernt.

Derzeit fördern das Büro für Integration und der Verein bipoli in 34 Gruppen im Landkreis über 300 Kinder. Die Förderung findet mit acht bis zehn Kindern pro Gruppe in den Klassenräumen am Schulstandort statt. Das Angebot umfasst die Klassen 1 bis 5 und wird zwei- bis viermal für eine Gruppe pro Woche angeboten.

Das Besondere an dem Angebot der bipoli ist, dass die Betreuungskräfte überwiegend Studierende aus dem pädagogischen Bereich wie Deutsch als Fremdsprache, Lehramt an Grundschulen, Bildungs- und Erziehungswissenschaften sind. Sie werden intern eingearbeitet und fortgebildet. Auch besitzen mehr als die Hälfe der Betreuerinnen einen Migrationshintergrund. Dadurch sind sie in der Lage, leicht Kontakt zu den Familien der Flüchtlingskinder herzustellen und den Unterrichtsstoff besser zu vermitteln. Um insbesondere syrische Eltern und Kinder anzusprechen und zu informieren, arbeitet bipoli mit Dolmetscherinnen und Dolmetschern des BfI zusammen. Die Hausaufgabenhilfe orientiert sich am tatsächlichen Unterrichtsstoff in den Klassen. Die Kinder erhalten Anleitung und individuelle Hilfe bei der selbständigen Erledigung ihrer Hausaufgaben.

„Gesellschaftliche Teilhabe und Spracherwerb sind unteilbar miteinander verbunden. Hier in der Grundschule legen wir das Fundament dafür, dass junge Menschen ihre Zukunft eigenständig aufbauen können“, erläuterte der Erste Kreisbeigeordnete. Ihm sei es wichtig, dass der Landkreis einen Teil dazu beitragen kann, dass alle Schülerinnen und Schüler individuell nach ihren Bedürfnissen gefördert werden, denn „Deutschland ist kein Land das reich an Bodenschätzen ist. Unser Reichtum steckt in den Köpfen der Menschen. Es sind ihre innovativen Ideen, die unser Land zu dem machen was es ist. Und Kinder sind die Ideengeber von morgen. Ich bin daher sehr gespannt, welche Lösungen diese Kinder für die Herausforderungen von morgen einmal entwickeln werden“, betonte der Erste Kreisbeigeordnete.

„Unser Ziel ist es, die deutschen Sprachkenntnisse der Kinder nachhaltig zu verbessern, sie bei der Bewältigung von schulischen Anforderungen zu unterstützen sowie das soziale Miteinander zu fördern“, sagte Geschäftsführer Peter Thoene von bipoli. „Gemeinsam mit dem Lehrerkollegium wählen wir die teilnehmenden Kinder zielgruppengenau aus.“ Zum Konzept gehöre es, dass die Schulen bestimmte Voraussetzungen erfüllen müssen. So ist die Hausaufgabenhilfe in die Struktur der schulischen Ganztagsangebote integriert und konzeptioneller Bestandteil der schulinternen Fördermaßnahmen für zugewanderte Schülerinnen und Schüler. Die Entwicklung selbstständiger Arbeitsstrukturen ist für Schülerinnen und Schüler ein wichtiges Förderziel der Hausaufgabenhilfe. „Spätestens ab dem Besuch der weiterführenden Schulen in der fünften Klasse müssen sie eine gute Grundlage im Selbstmanagement besitzen, um der Vielzahl schulischer Aufgaben gerecht werden zu können“, erläuterte Thoene die Ziele der Hausaufgabenhilfe.

Zur Unterstützung einer guten Lernorganisation bildet bipoli Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zum Thema „Schulranzen-Führerschein“ weiter, die diese mehrere Sitzungen umfassenden Inhalte in ihren Gruppen mit den Kindern erarbeiten. Zu diesem Thema arbeiten derzeit auch die vier Mitarbeiterinnen in der Hausaufgabenhilfe in Biedenkopf. Der „Schulranzen-Führerschein“ gehört zur Arbeit an kleineren Projekten innerhalb der Hausaufgabenhilfe wie „Waldwochen“, „Experimente mit Karl“ oder „Lesewochen“.

Dr. Franziska Engelhardt begrüßt als neue Leiterin des BfI, dass die Förderung nachmittags auch vor Ort in den Räumen der beteiligten Schulen stattfindet. „Die Schulen haben eine entscheidende Rolle in der gesellschaftlichen Integration der Kinder“, betonte Dr. Engelhardt. Darum sei es richtig und wichtig, dass das Angebot für die Familien kostenlos ist. „Die Hausaufgabenhilfe ist ein bedeutender Arbeitsbereich, der im Büro für Integration angelegt ist“, sagte Dr. Engelhardt. Der Landkreis stellt Personal- und Sachmittel für die Hausaufgabenhilfe zur Verfügung. Das Angebot wird zudem durch den Landkreis Marburg-Biedenkopf und das Hessische Kultusministerium finanziert, ergänzt durch Eigenmittel, wie zum Beispiel Spenden der bipoli.

Die verstärkte Zuwanderung von Geflüchteten in den vergangenen Jahren hat auch in den Schulen zu einer größeren Anzahl von Kindern ohne deutsche Muttersprache und zu einer größeren Vielfalt geführt. Nachdem die Kinder anfangs fast ausschließlich in den Sprachklassen oder Intensivklassen unterrichtet wurden, kommen sie jetzt zunehmend in Regelklassen und damit auch in Fördermaßnahmen wie der Hausaufgabehilfe und Lernförderung an. Die Kinder mit türkischem Migrationshintergrund sind aber in Landkreis Marburg-Biedenkopf weiterhin die mit Abstand größte Gruppe.

Hintergrund

Die Kooperation mit dem Büro für Integration besteht seit mehreren Jahrzehnten, durch die es ermöglicht wurde für Schulen, Eltern und Kinder ein kontinuierliches Regelangebot zu schaffen. Diese sind mittlerweile in den Ganztagsstrukturen der Schulen als fester Baustein integriert. Die Hausaufgabenhilfe ist eines der ältesten Integrationsangebote (seit 1971) des Landkreises. In den achtziger Jahren wurde dieser Bereich deutlich ausgebaut, damals noch in der Trägerschaft der Kreisvolkshochschule. Seit 1994 arbeitet bipoli als Dienstleister in der Organisation der Hausaufgabenhilfe zusammen mit dem Landkreis.

047-Hausaufgabehilfe Biedenkopf_02: Der Erste Kreisbeigeordnete Marian Zachow besuchte die Hausaufgabenhilfe in Biedenkopf und machte sich ein Bild von diesem wichtigen Bildungsangebot, das jetzt erweitert wurde.

Kontakt

Kreisausschuss Marburg-Biedenkopf, Fachdienst Presse- und Medienarbeit, Im Lichtenholz 60, 35043 Marburg, E-Mail: pressestellemarburg-biedenkopfde. Tel.: 06421 405-1350, Fax.: 06421 405-921350. www.facebook.com/landkreis.marburg.biedenkopf, alle Pressemitteilungen unter www.marburg-biedenkopf.de. Pressesprecher: Stephan Schienbein.

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