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Pressemitteilung 357/2018

27.09.2018

Landkreis arbeitet am Erhalt einer gefährdeten Pflanzenart –
Aussaat der „Aufrechten Weißmiere“ soll Bestand schützen

Marburg-Biedenkopf – Am Dienstag, 25. September 2018, um 10 Uhr haben Mitarbeiter der Unteren Naturschutzbehörde und der Erste Kreisbeigeordnete Marian Zachow Samen der von Aussterben bedrohten „Aufrechten Weißmiere“ an ausgewählten Stellen im Naturschutzgebiet „Kehnaer Trift“ gepflanzt.

„Nach mehrmonatiger Vorbereitung verbinden wir die Hoffnung mit dem Pflanzen dieser Samen, die Aufrechte Weißmiere im Kehnaer Trift wieder dauerhaft heimisch zu machen“, sagte Zachow. „Sie ist ein gutes Beispiel dafür, dass auch kleine Dinge ihren Wert haben können“, unterstrich er. Die Weißmiere sei als Pflanze mit höchstens drei bis zwölf cm Größe sogar in der Blütezeit auch an bekannten Wuchsorten für Fachleute nicht leicht zu entdecken. 

In Hessen gilt sie als stark gefährdet, weshalb mit finanzieller Unterstützung des Landes durch die „Botanische Vereinigung für Naturschutz in Hessen“ kürzlich die letzten hessischen Vorkommen untersucht wurden. Ergebnis war unter anderem, dass sie im Landkreis Marburg-Biedenkopf zwar noch besser als in anderen Regionen vertreten ist, allerdings auch nur noch an ganz wenigen Stellen. Das Land machte diese Art daher im Rahmen seiner Biodiversitäts-Kampagne zu einer „Kreisart“ und wies dem Landkreis damit eine besondere Verantwortung für ihre Erhaltung zu.

Seit 2017 wurden an bekannten Wuchsorten in Fronhausen Pflanzensamen gesammelt. Mit diesem Samen legte der Botanische Garten der Stadt Frankfurt dann mit eigenen Mitteln sogenannte „Erhaltungskulturen“ an und konnte viele Einzelpflanzen zur Blüte und Samenreife bringen. Vor wenigen Wochen wurde nun von diesen Pflanzen eine deutlich vergrößerte Samenmenge geerntet.

Auch im Naturschutzgebiet am Rande Kehnas kam diese Art bis vor einigen Jahren vor, starb dort aber ebenfalls aus. Die Obere Naturschutzbehörde und das Forstamt Kirchhain organisierten die Pflege für Teile des Gebiets neu. So wurde die Beweidung mit Ziegen intensiviert, um die Bedingungen für die Art zu verbessern. Erst die Beobachtung der Entwicklung in den nächsten Jahren wird allerdings zeigen, ob die Hoffnung auf eine dauerhafte Etablierung der Weißmiere im Naturschutzgebiet berechtigt war.

Die Aufrechte Weißmiere ist darüber hinaus noch auf eine andere Weise mit dem Marburger Raum und seiner Geschichte verbunden: Professor Conrad Moench war - als Ausbilder auf dem Gebiet der Pharmazie – von 1786 bis zu seinem Tode Professor für Botanik in Marburg und erwarb schon zu seinen Lebzeiten als Autor verschiedener botanischer Werke größere Bekanntheit. Ihm zu Ehren benannte ein Zeitgenosse - Jakob Friedrich Ehrhart, ebenfalls Botaniker und zeitweise Leiter der Herrenhäuser Gärten in Hannover – die von ihm erstmals näher beschriebene Pflanzengattung der Weißmieren als „Moenchia“. Der wissenschaftliche Name der Aufrechten Weißmiere – Moenchia erecta – verweist insofern auf diese Marburger Bezüge.

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