Marburg-Biedenkopf – Zur Saisoneröffnung am Mittwoch, 1. April, zeigt das Hinterlandmuseum im kreiseigenen Schloss Biedenkopf passend zu den Osterfeiertagen den Kinderbuch-Klassiker „Die Häschenschule“ als Exponat des Monats. Eine Bürgerin aus Biedenkopf hat dem Hinterlandmuseum das Buch gestiftet.
Die Texte wurden von Albert Sixtus im Jahr 1922 in Reimform geschrieben. Albert Sixtus (1892-1960) war ein deutscher Kinder- und Jugendbuchautor der unter anderem die Texte zu zahlreichen erfolgreichen Bilderbüchern, Märchenbüchern, Erzählungen und Abenteuerromanen schrieb. Außerdem verfasste er regelmäßig Beiträge für Kinderzeitschriften. Die untrennbar mit dem Werk verbundenen Illustrationen lieferte Fritz Koch-Gotha (1877-1956) zwei Jahre später, zum erstmaligen Erscheinen des Buches im Jahr 1924. Koch-Gotha war deutscher Grafiker, Karikaturist, Illustrator und Schriftsteller. Sein Nachname lautete eigentlich nur Koch, doch da er fürchtete mit dem Namen nicht im Gedächtnis zu bleiben, legte er sich den Zusatz „Gotha“ nach der Stadt seiner Kindheit und Jugend zu.
Die Geschichte um „Hasengretchen“, „Hasenhans“ sowie weitere Mitschüler wie etwa „Hasenlieschen“ und „Hasenmax“ und natürlich dem Lehrer geben, wie der Buchtitel verrät, Einblick in einen Schultag der Hasen. Die Tiere des Büchleins sind vermenschlicht und zeittypisch für den Beginn der 1920er Jahre dargestellt. Das Thema Schule erscheint heute ausgerechnet zu Ostern ungewöhnlich. Bis 1941 fingen allerdings die Schuljahre zu Ostern an, und so lag die Kombination von Hasen und Schulalltag für ein Kinderbuch nahe. Pflanzenkunde und Gartenarbeit stehen für Häschen angepasst auf dem Stundenplan, vor dem Fuchs wird gewarnt und Hakenschlagen geübt. Die Hasen beginnen den Tag mit dem Morgengebet und danach musizieren sie. Auf jeder Bilderbuchseite wird zur Disziplin ermahnt. Selbstverständlich bemalen die Hasen auch Ostereier.
Mit der ersten Ausgabe war „Die Häschenschule“ sehr beliebt. Viele Haushalte bewahren sie immer noch von Generation zu Generation auf. So ergänzen sie alljährlich, auch international, das Osterfest. Denn inzwischen wurde das Büchlein in zahlreiche Sprachen übersetzt. Es gibt sogar zwei Kinofilme, die sich an das Kinderbuch anlehnen, sowie eine Neufassung des Klassikers. Zudem entstanden kleine Figuren nach den Original-Charakteren, die häufig zum festen Bestandteil von Osterdekorationen wurden.
Der Einband war nur bei der Erstausgabe schwarz, die Buchdeckel aller weiteren Ausgaben sind hellblau gestaltet. Der Schrifttyp und die Verlagsorte änderten sich jedoch im Laufe der Zeit. Das vorliegende Buch lässt sich nicht nur durch eine inhaltliche Anpassung – das Weglassen des Rohrstocks des Lehrers und eines Kohl- anstelle des Blumenbeetes – nach 1949 datieren. Eine Bürgerin aus Biedenkopf stiftete das Buch dem Hinterlandmuseum. Mit dieser Stiftung gelangten auch weitere Kinderbücher und Spiele aus den 1950er Jahren in den Besitz des Museums.
Das Exponat des Monats April ist während der Öffnungszeiten des Museums zu sehen: dienstags bis sonntags und an Feiertagen jeweils von 10 bis 18 Uhr. Der Eintritt kostet für Erwachsene vier Euro, für Kinder bis 14 Jahre 2,50 Euro.