Marburg-Biedenkopf – Als Exponate des Monats Juli zeigt das Hinterlandmuseum Schloss Biedenkopf zwei Auszeichnungen des Landesjagdverbandes (LJV) Hessen. Es handelt sich um ein silbernes Eichenlaub mit den rückseitigen Prägungen „LJV Hessen“ und „16.4.87“ sowie um eine goldene Medaille. Diese zeigt auf der Vorderseite einen röhrenden Hirsch und auf der Rückseite das Signet des „LJV“ sowie die Umschrift „Landestrophäenschau Hessen / 1988“. Diese Schau findet jährlich im Rahmen des Hessischen Landjägertages statt und zeigt die stärksten Trophäen der im entsprechenden Jagdjahr erlegten Rothirsche, Damhirsche, Muffelwidder, Keiler und Rehböcke.
Das Geweih, dem die beiden Auszeichnungen verliehen wurde, kam kürzlich zusammen mit den beiden Medaillen als Schenkung ins Hinterlandmuseum. Es ist eines der Glanzlichter der aktuellen Sonderausstellung des Museums im kreiseigenen Schloss in Biedenkopf. Diese Sonderausstellung trägt den Titel „Der Wald. Lebensraum – Wirtschaftsfaktor – Sehnsuchtsort?“ mit zahlreichen Ausstellungsstücken von Leihgebern und aus dem eigenen Bestand.
Geschossen wurde der kapitale Hirsch am 24. September 1986 im Revier Wallau. Der 16-Ender wurde in einem Zeitungsartikel seinerzeit bezeichnet als „der stärkste Hirsch, der seit Jahrzehnten im Hinterland erlegt wurde.“ Der Schütze schreibt hierzu: „Zu einem solchen jagdlichen Erfolg gehört das Glück für den Jäger zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein und mit sicherem Schuss den Hirsch zu treffen.“ Der Hirsch hatte vermutlich nicht im Hinterland gelebt, sondern kam wohl als Einzelgänger aus dem Rothaargebirge oder dem Sauerland in die Region. Die gleich doppelte Auszeichnung durch den Landesjagdverband unterstreicht die Besonderheit des Geweihs.
Wegen des Waldreichtums hatte die Jagd im Hinterland von jeher große Bedeutung. Das zeigt sich auch in der Sammlung des Hinterlandmuseums, die auch zahlreiche Gehörne und Geweihe umfasst. Erst nach 1848 jedoch war die Jagd auf Hochwild nicht mehr allein dem Adel vorbehalten, dessen Jagdleidenschaft von der Mitte des 17. bis zur Mitte des 18. Jahrhunderts ihren Höhepunkt fand. In dieser Zeit wurden durch die Landgrafen von Hessen-Darmstadt im nördlichen Hinterland einige Jagdschlösser errichtet. Drei der heute zerstörten Anwesen sind in der Sonderausstellung in Darstellungen präsent.
Zu sehen sind die Exponate des Monats Juli während der Öffnungszeiten des Museums: dienstags bis sonntags und an Feiertagen jeweils von 10 bis 18 Uhr. Der Eintritt kostet für Erwachsene 4 Euro, für Kinder bis 14 Jahre 2,50 Euro.