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Pressemitteilung 713/2021

05.11.2021

Geflüchteten Gehör verschaffen – 24 Sprecherinnen und Sprecher von Flüchtlingsunterkünften treten Amt an

Marburg-Biedenkopf – Das 2016 begonnene „Sprecher-Projekt“ für Geflüchtete startet nach Corona-bedingter Zwangspause wieder. In den vergangenen Wochen wurden die ehrenamtlichen Sprecherinnen und Sprecher der Flüchtlingsunterkünfte für ein Jahr gewählt. Nun traten sie ihr Amt im Kreistagssitzungssaal an. Bei dem Auftaktreffen konnten die Sprecherinnen und Sprecher sich kennenlernen und sich über ihre Ideen und Wünsche austauschen. 

„Weil ich anderen helfen will“, „weil ich diejenigen unterstützen will, die Probleme haben“, „weil ich Menschen zusammen bringen will“ – das sind manche der Gründe, warum die Sprechenden der Flüchtlingsunterkünfte im Landkreis Marburg-Biedenkopf diese Rolle annehmen wollten. 

Organisiert und betreut wird das in dieser Form in Deutschland einmalige „Sprecher‑Projekt“ durch das Büro für Integration und dem Fachdienst Teilhabe und Sozialdienst Zuwanderung des Fachbereichs Integration und Arbeit. Für den Ersten Kreisbeigeordneten Marian Zachow ist das Projekt eine Herzensangelegenheit: „In den Jahren nach 2015 haben wir uns darüber geärgert, dass alle immer nur über ‚die Flüchtlinge‘ sprechen, die Menschen, um die es geht, aber selber nicht zu Wort kommen. Das wollten wir ändern. Es ist gut, wenn wir mit den Menschen reden statt über sie“, betonte er bei dem Auftakttreffen. Zudem sei die beste Werbung für Demokratie, diese auszuüben. „Demokratische Strukturen können zwar in Kursen und Vorträgen erklärt werden, aber wirklich begeistern kann man dann, wenn Demokratie ganz praktisch im Lebensumfeld erlebt und aktiv ausgeübt wird.“ Gerade weil viele Geflüchtete aus undemokratischen und totalitären Systemen stammten, sei es wichtig, dass sie ganz selbstverständlich hier in Deutschland selber aktiv in demokratische Strukturen hineinwachsen. „Und dazu gehört auch, dass Geflüchtete ihre Anliegen selber formulieren, in den politischen Diskurs einbringen und damit auch Gehör finden“, so Zachow. Die Flüchtlingssprecher-Projekte seien damit zugleich aktive Bürgerbeteiligung für Neuzugewanderte. 

Die 24 Sprecherinnen und Sprecher sollen für die Bewohnerinnen und Bewohner ihrer Unterkunft sprechen, Verantwortung übernehmen, Neuankömmlinge integrieren und Vertrauensperson sowie Ansprechpartnerin oder -partner sein, auch für die Sozialarbeitenden. Um für ihre neue Rolle gut gerüstet zu sein, können die Sprecherinnen und Sprecher an Fortbildungen teilnehmen, in denen sie beispielsweise lernen, wie man Konflikte löst oder mit Stress umgeht. Was sie dabei erarbeiten, können sie als Multiplikatoren wiederum an andere weitergeben. So etwa im Zuge monatlicher Austauschtreffen. 

Beim offiziellen Start im Kreistagssitzungssaal nannten manche der frisch Gewählten ihre Motivation ihres ehrenamtlichen Engagements. Aygün Hüseynova aus Aserbaidschan spricht schon recht gut Deutsch. Deshalb wolle sie die „Menschen unterstützen, die ihre Probleme noch nicht so gut äußern können“. „Ich habe selbst ein schweres Leben und will andere gerne glücklich sehen, will mit Kopf, Herz und Hand helfen“, sagt Amina Chennouf aus Algerien. Und Majid Sayahpour aus dem Iran will dazu beitragen, dass andere keine Angst haben müssen, wenn sie Probleme haben. 

Gewählt wurden die Flüchtlingssprecher- und sprecherinnen in Gemeinschaftsunterkünften in Weidenhausen, Gladenbach, Ebsdorf, Rauischholzhausen, Kirchhain, Lahntal und Wetter. Der Kreis unterstützt sie in ihrer Funktion: „Wir begleiten die Gewählten in ihrem Amt. Es ist bewundernswert, dass sie sich ehrenamtlich engagieren, obwohl sie sich selbst in einer herausfordernden Situation befinden“, betont Felicitas Menges vom Büro für Integration. Woher die Sprechenden kommen, welchen Glauben oder welches Geschlecht sie haben, sei nicht wichtig. „Es geht um die Begegnung von Mensch zu Mensch“, so Menges. Ziel ist es, das Projekt in Zukunft auszuweiten und eine flächendeckende Struktur von Flüchtlingssprecherinnen und -sprechern im Landkreis zu haben.

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