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Pressemitteilung 530/2020

30.10.2020

Folgemeldung 206: Kreis registriert 148 Corona-Neuinfektionen – Umfassendes Infektionsgeschehen in Süd- und Mittelhessen / Bildungsakteure steuern Maßnahmen an Schulen gezielt und maßvoll

Marburg-Biedenkopf – Die Zahl der Corona-Neuinfektionen im Landkreis Marburg-Biedenkopf ist im Vergleich zum Vortag um 148 auf 1.694 Fälle gestiegen. Um einen auf 32 Fälle gestiegen ist die Zahl der Betroffenen, die stationär im Krankenhaus behandelt werden müssen. Acht Personen benötigen jetzt intensivmedizinische Betreuung (+1). Das Gesundheitsamt betreut aktuell 802 aktive Fälle (+89).

Die Zahl der Genesenen ist um 59 auf 884 Fälle gestiegen. Die Zahl der Todesfälle im Zusammenhang mit einer Corona-Infektion beträgt weiterhin acht. Die Zahl der Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner innerhalb der vergangenen sieben Tage (Inzidenz) im Landkreis Marburg-Biedenkopf liegt aktuell bei 232,8 ist also um 12,9 im Vergleich zum Vortag gestiegen. Marburg-Biedenkopf befindet sich damit weiter in der fünften von insgesamt fünf Stufen des Eskalationskonzepts der Landesregierung zur Eindämmung des Corona-Virus. 

Nach Einschätzung des Gesundheitsamtes liegt derzeit ein umfassendes Infektionsgeschehen in Süd- und Mittelhessen vor, so wie es auch in anderen Bundesländern zu sehen ist. „Marburg-Biedenkopf ist kein besonderer Hotspot. Vielmehr werden hier die allgemeinen, sehr diffus auftretenden Fälle besonders zahlreich erkannt und dokumentiert“, erläuterte Dr. Birgit Wollenberg, die Leiterin des Gesundheitsamtes. „Das Gesundheitsamt, die niedergelassenen Ärztinnen und Ärzte, das Test-Center der Kassenärztlichen Vereinigung und die Krankenhäuser arbeiten sehr gründlich und akribisch in der Fallfindung und bei der Dokumentation.“ Die aktuelle Tendenz sei aber landesweit zu beobachten. 

Nach Einschätzung des Gesundheitsamtes kann zudem die Maskenpflicht an Schulen auch im Unterricht die Quarantäne-Situation bei einem Corona-Fall in einer Schulklasse entspannen. Eine erforderliche Quarantäne wird sich im Regelfall nicht mehr auf die gesamte Klasse sondern nur noch auf die direkten Sitznachbarn beziehen. Die Quarantänemaßnahmen, die sich aktuell noch auf ganze Klassen auswirken, beziehen sich auf Infektionen, die vor der Maskenpflicht stattgefunden haben. 

Derzeit kann es wegen der hohen Fallzahlen zu Verzögerungen beim Versand der schriftlichen Quarantäne-Verfügungen für Kontaktpersonen der Kategorie 1 durch das Gesundheitsamt kommen. Durch weitere personelle Verstärkung steuert der Kreis hier aber aktiv gegen. Die Mitteilung über eine erforderliche Quarantäne erfolgt nach wie vor sehr zeitnah, lediglich der Versand der schriftlichen Anordnung verzögert sich derzeit. 

Der Landkreis Marburg-Biedenkopf betont, dass derzeit weder Schließungen des Schulbetriebs noch der Umstieg auf das sogenannte Wechselmodell von Distanz- und Präsenzunterricht geplant seien. „Wir folgen hier der Empfehlung des Landes, das landesweit zunächst die 2. Eskalationsstufe des Hygienekonzeptes angeordnet hat, die in Marburg-Biedenkopf bereits seit Dienstag vergangener Woche umgesetzt worden ist. Die darin beschriebenen Maßnahmen sehen wir in Abstimmung mit dem Staatlichen Schulamt und der Universitätsstadt Marburg als Schulträgerin als ausreichend an. Gleichwohl können wir gezielt dort nachsteuern, wo es nötig ist“, erläuterte der Erste Kreisbeigeordnete Marian Zachow. Ausnahme bilden hier die Beruflichen Schulen, da hier aus verschiedenen Gründen – unter anderem der zum Teil überregionale Einzugsbereich – in Abstimmung zwischen den Schulen, Gesundheitsamt und Schulamt zusätzliche individuelle Maßnahmen derzeit vorbereitet und in der nächsten Woche umgesetzt werden. 

„Die Organisation des Schul- und Unterrichtsbetriebs stellt im Moment eine große Herausforderung für alle Beteiligten dar“, betonte der Erste Kreisbeigeordnete Marian Zachow. Aus fachlichen, pädagogischen, sozialen und psychologischen Gründen sei es wichtig, den schulischen Regelbetrieb im größtmöglichen Maße so normal wie möglich zu gewährleisten. „Schulen sind als Orte auch des sozialen Miteinanders und gemeinsamen Lernens von entscheidender Bedeutung für die Entwicklung von Kindern und Jugendlichen. Auch dieser Aspekt muss bei allen Entscheidungen über einschränkende Maßnahmen bedacht werden“, erklärte Burkhard Schuldt, der Leiter des Staatlichen Schulamtes.

Das Aufrechterhalten des Regelbetriebs erfolge auch aufgrund einer fundierten Einschätzung des Gesundheitsamtes, das nach wie vor beobachte, dass die Schulen kein Infektionsschwerpunkt seien „Tatsächliche Ansteckungen innerhalb der Schule oder eines Klassenverbandes können wir bis jetzt nur sehr selten erkennen, so dass wir weiterhin maßvoll und zielgerichtet agieren. Dabei wird je nach tatsächlicher Infektionslage entschieden“, unterstrich Zachow.

„Schule ist nicht nur ein Ort der Wissensvermittlung. Sie hat auch eine große Bedeutung als strukturgebendes Lebensumfeld für Kinder und Jugendliche sowie als Betreuungsstätte mit verlässlichen Schulzeiten. Diesen Aspekt müssen wir berücksichtigen, wenn wir über die 3. Eskalationsstufe nachdenken, die einen Wechsel von Präsenz- und Distanzunterricht vorsieht. Dabei müssen wir auch an die Eltern denken, die dann unter Umständen eine Betreuung der Kinder in der Zeit organisieren müssen, in der sie nicht in der Schule sind“, sagte Zachow. Das Recht auf Bildung von Kindern und Jugendlichen werde am besten im Präsenzunterricht in der Schule verwirklicht, ist Zachow überzeugt.

„Auch sind für das Lernen zu Hause dort nicht immer optimale Bedingungen vorhanden, ob technisch oder räumlich“, sagte Marburgs Stadträtin Kirsten Dinnebier. Auch deshalb sei es eine Frage von Bildungsgerechtigkeit, nicht vorschnell Schülerinnen und Schüler in das sogenannte Homeschooling zu wechseln.

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