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Pressemitteilung 366/2019

01.10.2019

Hochzeitszeitungen von 1896 sind Exponate des Monats – Humorvolle Rückblende ins 19. Jahrhundert im Hinterlandmuseum

Beim Exponat des Monats Oktober des Hinterlandmuseums im kreiseigenen Schloss Biedenkopf handelt es sich um zwei Hochzeitszeitungen aus dem ausgehenden 19. Jahrhundert.

Marburg-Biedenkopf – Beim Exponat des Monats Oktober des Hinterlandmuseums im kreiseigenen Schloss Biedenkopf handelt es sich um zwei Hochzeitszeitungen aus dem ausgehenden 19. Jahrhundert. Gestiftet wurden sie dem Museum von Fritz und Peter Weigel. 

Die Hochzeitszeitungen der Bräutigame Heinrich Ruppersberger und Friedrich Banss, sind datiert auf den 12. Januar und den 14. Oktober jeweils des Jahres 1896. Das Layout ist angelehnt an die von Justus Heinzerling erstmals im Jahre 1837 unter dem Titel „Anzeigenblatt“ veröffentlichte und 1877 schließlich in „Hinterländer Anzeiger“ umbenannte „Biedenkopfer Zeitung“, unter welchem Namen sie bis zum heutigen Tag als regionale Tageszeitung im Landkreis Marburg-Biedenkopf herausgegeben wird. 

Heinrich Ruppersberger, seinerzeit ein Metzgermeister in Biedenkopf und mit neunzehn Jahren Burschenreiter beim Grenzgang des Jahres 1886, ehelichte Marie Lony im Januar 1896. Er lernte seine Braut, wie die Hochzeitszeitung mitteilt, „zu Braun’s“ kennen, in dem Restaurant, das zu jenem Zeitpunkt vermutlich von August Wilhelm Braun in der Hospitalstraße 8 geführt wurde. Über Marie selbst ist kaum etwas bekannt, der Zeitung zufolge schwärmte sie für Dichter, insbesondere für Heine. 

Mit Heinrich befreundet war offensichtlich „de[r] dritte[…] Kumpane[…] des berüchtigten Kleeblattes“, Fritz Banss, der Lina Schmidt im Oktober 1896 heiratete. Denn dieser kündigte schon in der Ruppersberger‘schen Hochzeitszeitung in einer kurzen Notiz an, Heinrichs Beispiel „baldigst“ zu folgen. In einer Anzeige ebendort offenbarte er sich ferner als Schlossermeister, „im Volksmunde unter dem Namen ‚Der schöne Schlosser’ bekannt“. Bereits Friedrichs Vater, Louis Banss, war Schmied und Schlosser. 1868 gründete er in Biedenkopf das Unternehmen Banss KG, das Friedrich nach dem Tod seines Vaters übernahm und ausweitete. Daneben bekleidete Friedrich lange Zeit zahlreiche Stadtämter und engagierte sich zudem für das Grenzgangfest. Im Jahre 1894 war er Burschenhauptmann und 1907 Mitglied des Grenzgangkomitees. 

Im Gegensatz dazu sind die Mitteilungen über seine Frau Lina eher spärlich. Wie aus ihrer Hochzeitszeitung hervorgeht, erlernte sie in Bad Nauheim „Bücherführen und Verkaufen / Kochen und noch viel dazu.“

Die beiden Hochzeitszeitungen sind eine humoristische Hommage an das jeweilige Brautpaar und bestehen aus einem doppelten DIN A4 Blatt. Das Deckblatt ziert, analog zum „Hinterländer Anzeiger“, das Biedenkopfer Stadtwappen. Die Banss‘sche Zeitung zeigt zusätzlich ein Foto von Fritz und Lina. 

Eingeleitet werden die Hochzeitszeitungen mittels eines Liedes, das über die einzelnen Persönlichkeiten, ihren Werdegang und ihre Verdienste sowie das Kennenlernen der Brautpaare informiert. So war Fritz etwa „schon als kleines Bübchen, / Sehr bekannt als kluges Kind, / Und besonders mathematisch / Rechnete er sehr geschwind.“ 

Auf den nächsten beiden Seiten, dem Mittelteil, geht die Zeitung sodann in „Nachrichten“ jedweder Natur über. Berichtet wird dort unter anderem von zwei gefundenen Herzen, zugelaufenen Hochzeitsgästen und verlorener Freiheit: „Verloren hat Herr Heinrich Ruppersberger seine Freiheit; der ehrliche Finder weigert sich mit Recht sie heraus zu geben.“ Ebenfalls werden das Ende der Junggesellenzeit, die künftigen Leiden des Bräutigams sowie Ratschläge für das Eheleben thematisiert: „Furchtbares Unglück. Heute ist […] ein junger Mann unter einen – Pantoffel gekommen.“ 

Mit Anzeigen vornehmlich der Brautpaare, durch die sie endlich selbst zu Wort kommen konnten, aber auch vereinzelter solcher, die von den Hochzeitsgästen herrührten, beschließen die Zeitungen: „Warnung. Da mein Mann nun verheirathet, bitte demselben nichts mehr auf seinen Namen zu borgen oder anzuvertrauen, am allerwenigsten aber Herzen und Hausschlüssel.“ Allerdings nicht ohne vorher die beiden Brautpaare seitens ihrer Nächsten auf die Erwartung der baldigen Geburt eines Kindes hinzuweisen: „Bestellungen auf Stammhalter […] nimmt von heute ab entgegen H. Storch aus Klappernhain.“


Das Hinterlandmuseum Schloss Biedenkopf:

Das Hinterlandmuseum im kreiseigenen Schloss Biedenkopf hat bis zum 15. November dienstags bis sonntags zwischen 10:00 und 18:00 Uhr geöffnet.

Eintrittspreise: Erwachsene: 2,50 Euro; Kinder bis 14 Jahre: 1,30 Euro; Gruppen pro Person jeweils: 2,00 Euro; Schulgruppen pro Person: 1,00 Euro. Für Inhaber der Ehrenamtscard ist der Eintritt frei.

Weitere Informationen beim Hinterlandmuseum im Landgrafenschloss in Biedenkopf; Telefon: 06461 924651, per E-Mail: hinterlandmuseummarburg-biedenkopfde oder online unter www.marburg-biedenkopf.de.

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