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Pressemitteilung 168/2018

09.05.2018

Hinterlandmuseum: Zurückgegebene Siegel sind Exponat des Monats Mai

Marburg-Biedenkopf – Für den Monat Mai hat das Hinterlandmuseum Schloss Biedenkopf drei Stempel der großherzoglich-hessische Bürgermeistereien Erdhausen, Fronhausen und Oberhörlen ausgewählt, die zu einem größeren Konvolut gehören.

Insgesamt fast 90 solcher großherzoglichen Stempel von Gemeinden des bis 1866 bestehenden Hessen-Darmstädtischen Hinterlandes finden sich auf einer Inventarliste aus dem Jahr 1929. Von denen waren 1999 bei einer Inventarisierung nur noch 59 Stempel vorhanden. Wie es in den dazwischenliegenden siebzig Jahren zu dem Verlust kam, konnte bisher nicht geklärt werden. Zumindest nicht alle Verluste: erst vor einigen Wochen wurde bekannt, dass 1959 ein Schüler aus Norddeutschland auf Klassenfahrt drei der Stempel mitgehen ließ. Vor kurzem gab er die drei Exemplare an den Schlossverein Biedenkopf zurück. Diese drei „neuen“ alten Stempel stellt das Hinterlandmuseum Schloss Biedenkopf nun als Exponate des Monats Mai der Öffentlichkeit vor.

Bürgermeistereien wurden im Großherzogtum erstmals im Jahre 1821 im Zuge einer Gemeindereform für Gemeinden von mindestens 400 bis 500 Einwohnern eingerichtet. Zudem wurde, modern ausgedrückt, die Bildung von Großgemeinden angeregt. In der Folge wurden 1821 zunächst Frohnhausen der Bürgermeisterei Sinkershausen und Oberhörlen der Bürgermeisterei Roth zugeschlagen. Erst später erhielten auch diese Orte eine eigene Bürgermeisterei. Allein Erdhausen war von Anfang an Sitz einer eigenen Bürgermeisterei.

Wann die Bürgermeistereien im Hinterland auch entsprechende Dienstsiegel erhielten ist unklar. Bekannt ist allerdings, dass der Kreisrat  im Jahr 1843 „neue Dienstsiegel für schwarzen Druck“ für die Bürgermeistereien im Bezirk Vöhl anschaffen wollte. Hofgraveur  Ottensosser in Darmstadt sandte ihm Muster „wie ich sie in der Provinz Starkenburg fertige“. Darauf zu sehen war die Umschrift „Großherzogthum Hessen“ sowie im zentralen Feld „Bürgermeisterei“ mit ihrem jeweiligen Namen. Ottensosser weiter: „für Oberhessen füge ich öfters d. hess. Löwen bei mit der blosen Umschrift ‚Gr. Hess. Bürgermeisterei etc.’“. Daraufhin wurde eine erste Version, nur mit Schrift, bestellt und von Ottensosser auch geliefert.

Offenbar waren zu jener Zeit beide Siegelformen gleichzeitig möglich – und auch so im Hinterland im Gebrauch, wie erhaltene Beispiele zeigen. Die Stempel von Erdhausen und Frohnhausen etwa gehören zu der Version mit Löwen. Das Staatsarchiv Darmstadt datiert sie um 1830. Ob sie auch von Ottensosser stammen, ist nicht geklärt.

Im Januar 1852 forderte das Ministerium des Innern einen Abdruck sämtlicher Dienstsiegel an. Nachdem dabei die Vielfalt der Ausführungen zutage trat, wurde seitens des Ministeriums bestimmt, dass die Bürgermeister ein einheitliches Dienstsiegel nach einem vorgeschriebenen Muster führen und die alten Siegel vernichtet werden sollten. Dem kam der damalige Kreisrat Trapp allerdings nicht nach. Auch erneuerten in den nächsten Jahren viele der Bürgermeister im Hinterland ihre Dienstsiegel nicht – bis das Ministerium sechs Jahre später die Geduld verlor und bei den „rückständigen“ die Erneuerung binnen drei Monaten anordnete – was dann auch umgesetzt wurde.

Oft kamen diese neuen Siegel dann aber nicht mehr zum Einsatz, denn schon bald darauf kam das Hinterland zum Königreich Preußen - und somit gab es für alle Bürgermeisterämter wieder neue Siegel.

 

Hinterlandmuseum Schloss Biedenkopf:

Die wechselnden Exponate des Monats können im Rahmen der Dauerausstellung im Hinterlandmuseum im kreiseigenen Schloss Biedenkopf bis 15. November 2018 dienstags bis sonntags von 10:00 bis 18:00 Uhr besucht werden. Weitere Informationen sind beim Hinterlandmuseum unter der Telefonnummer  06461 924651, per E-Mail an Hinterlandmuseummarburg-biedenkopfde oder online unter https://tinyurl.com/landkreis-hinterlandmuseum erhältlich.

Eintrittspreise: Erwachsene: 2,50 Euro; Kinder bis 14 Jahre: 1,30 Euro; Gruppen pro Person jeweils: 2,00 Euro; Schulgruppen pro Person: 1,00 Euro; Inhaber der Ehrenamtscard: frei.

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