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Pressemitteilung 089/2018

09.03.2018

Für die Rechte der Frauen und die Gleichbehandlung der Geschlechter – Über 300 Menschen demonstrieren am Internationalen Frauentag in Marburg

„Wir sind viele! Wir sind stark!“ Unter diesem Motto haben über 300 Menschen am Donnerstag in Marburg für die Rechte der Frauen und die Gleichbehandlung der Geschlechter demonstriert. (Foto: Landkreis Marburg-Biedenkopf)

GEMEINSAME PRESSEMITTEILUNG DER UNIVERSITÄTSSTADT MARBURG UND DES LANDKREISES MARBURG-BIEDENKOPF

Marburg-Biedenkopf – „Wir sind viele! Wir sind stark!“ Unter diesem Motto haben über 300 Menschen demonstriert. Aufgerufen hatten das Frauenbüro des Landkreis Marburg-Biedenkopf, das Gleichberechtigungsreferat der Universitätsstadt Marburg und die Frauenbeauftragte der Philipps-Universität Marburg mit einem breiten Bündnis von Initiativen). 

Zahlreiche Frauen und Männer trafen sich auf dem Marburger Bahnhofsvorplatz, bevor der Frauen-Kammerchor Marburg die Teilnehmenden mit dem Lied „The March of the Women“ auf die Kundgebung einstimmte. Claudia Schäfer, Leiterin des Frauenbüros vom Kreis, freute sich zusammen mit der Moderatorin Marianne Wölk von ver.di Bezirk Mittelhessen über die Größe und Vielfalt des Bündnisses. Dr. Nina Schumacher, Frauenbeauftrage der Philipps-Universität und Dr. Christine Armend-Wegmann, Leiterin des Gleichstellungsreferates der Stadt Marburg, lobten die gelungene organisatorische Fortführung der Zusammenarbeit zum Internationalen Frauentag.

Schäfer, Dr. Amend-Wegmann und Dr. Schumacher verlasen zu Beginn die gemeinsame Erklärung, die die Forderungen der Teilnehmenden zusammenfasste. „Auf dem Papier sind alle Menschen in Deutschland gleichberechtigt, gleichgültig welchen Geschlechtes“, erklärt Schäfer. „Die Wirklichkeit sieht aber auch nach hundert Jahren Frauenwahlrecht in Deutschland für sehr viele Frauen ganz anders aus“, so Schäfer. „Sexismus ist immer noch alltäglich. Zahlreiche Formen der Diskriminierung und Ausschlüsse sind Alltag. Auch Institutionen und die Sprache unserer Gesellschaft sind davon betroffen“, erläutert Schäfer.

„Frauen haben immer noch erhebliche Nachteile“, führte Dr. Amend-Wegmann aus. „Mit einem Blick in ihren Geldbeutel merken sie es. Frauen verdienen in Deutschland durchschnittlich immer noch über 21 Prozent weniger als Männer. Wer weniger verdient, erhält auch weniger Rente. Altersarmut ist oft weiblich“, kritisierte Dr. Amend-Wegmann.

Kritisiert wurde ebenfalls die immer noch unzureichende Vereinbarkeit von Familie und Beruf. „Vor allem alleinerziehende Frauen spüren das besonders deutlich und leben mit ihren Kindern in unserem reichen Land sehr oft an der Armutsgrenze“, so Dr. Amend-Wegmann. „Frauen wollen von ihrer Arbeit gut leben können und eigenständig abgesichert sein“, ergänzte Schäfer - auch wenn sie beispielsweise in der Pflege, im Einzelhandel oder als Hebamme arbeiten. „Sie wollen gleichberechtigt in Führungspositionen, Vorstandsetagen und politischen Ämtern vertreten sein.“

Auch gegen Gewalt gegen Frauen wurde demonstriert. „Jede dritte Frau habe bereits körperliche oder sexualisierte Gewalt erlebt hat“, erklärt Dr. Schumacher. Frauen wollen sich zu Hause und im öffentlichen Raum angstfrei bewegen und ein selbstbestimmtes Leben ohne jegliche Diskriminierung und Gewalt führen. „Gewalt gegen Frauen darf nicht geduldet werden. Nicht gegen die eigene Ehefrau, nicht gegen Kolleginnen, nicht gegen geflüchtete Frauen und auch nicht gegen Frauen in der Prostitution. Es darf keine Ausnahmen geben“, so die Organisatorinnen.

"Gender Studies sind weder Ideologie noch Steuerverschwendung, sondern angesichts fortbestehender Ungleichheiten und Probleme im Geschlechterverhältnis bitter nötig", verkündet Dr. Nina Schumacher, die in Vertretung die Position des Zentrums für Gender Studies und feministische Zukunftsforschung verlas.

Auf die besondere Situation von geflüchteten Frauen ging die Vorsitzende des Marburger Ausländerbeirats Goharik Gareyan ein. Insbesondere das Schicksal von Frauen, die nur mit ihren Kindern nach Deutschland gekommen sind, müsse Beachtung finden. „Es erfordert großen Mut, sein Land zu verlassen“, betonte sie, insbesondere, wenn die Sprache in der neuen Heimat unbekannt sei. Umso wichtiger sei die Unterstützung hier. Marburg und seine Bürgerinnen und Bürger lebten eine besondere Willkommenskultur.

Sigrid Reekers, Bezirkslandfrauenverein Marburg, verwies in ihrem Beitrag auf die schwierige Situation von Frauen im ländlichen Raum, die sich häufig mit einer unzureichenden Infrastruktur und schlechten Einkommensmöglichkeiten konfrontiert sähen. Darum fordern sie zukunftsfähige Mobilitätskonzepte und eine Arbeitsmarktpolitik die sich stärker am Potential der Frauen ausrichte.

Naxina Wienstroer vom fib Marburg e. V. erläuterte den Mangel an gleichgeschlechtlicher Pflege von behinderten Mädchen und Frauen, die häufig gegen ihren Willen von Männern gewaschen, angezogen und auf die Toilette setzen lassen müssen. Wienstroer ruft die Teilnehmenden dazu auf, sich dieses Themas auch in ihren politischen Gremien und Organisationen anzunehmen und fib Marburg hier zu unterstützen. 

Nach der Abschlusskundgebung vor dem Erwin-Piscator-Haus fand im Anschluss das Internationale Frauenfest im Kulturladen KFZ statt.

Nach der Begrüßung durch das Vorbereitungsteam (Stefanie Weil von Frauen helfen Frauen e.V., Renate Latsch von der Bewohnernetzwerk für Soziale Fragen BSF e.V., Marianne Wölk von verdi Bezirk Mittelhessen, Mareike Hilbrig vom Frauenkammerchor Marburg und den drei Frauenbeauftragten von Landkreis, Stadt und Universität als Organisatorinnen) hörten die rund 200 Gäste des Frauenfestes zunächst noch einmal zwei Stücke des Frauen-Kammerchors Marburg. Musik ganz anderer Art bot im Anschluss daran die Frauenband „Movementvoices“ unter der Leitung von Francesca Tomeo: die fünf jungen Marburgerinnen sangen englische und deutsche Songs von Swing bis Hip Hop und motivierten das Publikum dazu, auf die Tanzfläche zu kommen und mit zu grooven.

Danach gab es die Möglichkeit einen kleinen Imbiss zu sich zu nehmen, um gestärkt in den zweiten Teil des Abends zu starten. Die beiden DJs Bianka und Susanne legten ab 19:00 Uhr Musik auf und trafen damit den Geschmack der anwesenden Frauen: es wurde von Beginn bis zum Ende des Festes ausgelassen getanzt bei durchweg guter Stimmung. Entsprechend positiv waren dann auch die Rückmeldungen an die Veranstalterinnen und das Team vom KFZ, die versprachen auch in Zukunft Frauenfeste zu organisieren.

„Es freut uns sehr, dass sowohl die Demo als auch das Fest so gut angenommen worden sind. Die gute Kooperation zwischen Landkreis, Stadt, Universität und weiteren Akteurinnen aus der Zivilgesellschaft hat sicher positiv dazu beigetragen. Das bestärkt uns darin, weiterhin gemeinsam solche Angebote für Frauen zu machen“, so Schäfer. Dr. Schumacher ergänzt: „Toll war, dass junge und ältere Frauen erst Schulter an Schulter politische Inhalte bei der Demo vertreten haben und dann viel Spaß beim Tanzen miteinander hatten. Auch dass das Kinderbetreuungsangebot gut genutzt wurde, freut uns“.

„Heute Morgen auf dem Weg zum Rathaus hat mich eine Marburgerin mit den Worten ‚Schönes Fest gestern‘ begrüßt. Das ist doch ein erfreuliches Feedback, das zum Wiederholen motiviert“, fasst Dr. Amend-Wegmann resümierend zusammen.

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