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Windpocken (Varizellen) und Gürtelrose (Herpes Zoster)

Beide Erkrankungen werden durch das weltweit verbreitete Varizella-Zoster-Virus verursacht.

Übertragung

Windpocken

Windpocken sind hoch ansteckend. Fast jeder Kontakt mit einem Erkrankten führt bei einer ungeschützten Person zu einer Ansteckung. Als ungeschützte Personen bezeichnet man Personen, die nicht gegen Windpocken geimpft sind und auch noch nie an Windpocken erkrankt waren.
Die Übertragung erfolgt meistens auf dem Luftweg durch Einatmen virushaltiger Tröpfchen, die Erkrankte beim Atmen oder Husten ausscheiden. Unter Umständen ist auch eine Ansteckung im Umkreis von mehreren Metern möglich (sozusagen „mit dem Wind“). Ebenfalls möglich ist eine Übertragung durch Kontakt mit virushaltigem Bläscheninhalt oder Krusten als sog. Schmierinfektion.
Bei einer Windpocken-Erkrankung der Mutter im ersten oder zweiten Schwangerschaftsdrittel ist in seltenen Fällen eine Übertragung auf das ungeborene Kind über die Blutbahn möglich. Eine Erkrankung der Mutter kurz vor oder nach der Geburt kann mit einer Gefährdung des Neugeborenen einhergehen.

Gürtelrose

Gürtelrose ist weitaus weniger ansteckend. Da nur die virushaltige Bläschenflüssigkeit infektiös ist, ist der Hauptübertragungsweg die Schmierinfektion. Von einer Gürtelrose-Erkrankung der Schwangeren geht keine Gefahr für das ungeborene Kind aus.

Dauer der Ansteckungsfähigkeit

Windpocken: Erkrankte sind 1-2 Tage vor Auftreten des Ausschlags bis 5-7 Tage nach Verschwinden des Ausschlags ansteckend.

Gürtelrose: Der Bläscheninhalt ist bis zur Verkrustung der Bläschen ansteckend.

Krankheitszeichen

Das Zeitintervall zwischen Infektion und Erkrankung (sog. Inkubationszeit) beträgt bei Windpocken 8-28 Tage, im Durchschnitt 14 Tage.

Windpocken

Meist besteht für 1-2 Tage ein leichtes Krankheitsgefühl. Dann folgen ein juckender Hautausschlag und Fieber (selten über 39°C). Der Ausschlag besteht zunächst aus Papeln („Pöckchen“), die sich zu flüssigkeitsgefüllten Bläschen entwickeln und dann als Krusten austrocknen. Beginnend an Kopf und Rumpf breitet er sich über den gesamten Körper aus. Auch die Schleimhäute und der behaarte Kopf können betroffen sein. Typisches Merkmal ist das Nebeneinander der unterschiedlichen Entwicklungsstadien („Sternenhimmel“). Normalerweise heilen die Bläschen nach 3-5 Tagen narbenlos aus. Starkes Kratzen oder eine zusätzliche bakterielle Infektion können zu Narben führen.

Bei gesunden Personen haben Windpocken in der Regel einen gutartigen Verlauf. Schwere Verläufe können vor allem bei Neugeborenen oder Personen mit geschwächter Immunabwehr auftreten.

Mögliche Komplikationen bei Windpocken
Relativ häufig ist eine Lungenentzündung, die insbesondere bei Erwachsenen und Schwangeren einen schweren Verlauf nehmen kann. Eine durch Windpocken verursachte Entzündung des Gehirns oder der Hirnhäute ist dagegen selten.

Gürtelrose

Der Hautausschlag besteht typischerweise aus flüssigkeitsgefüllten Bläschen und ist teilweise sehr schmerzhaft. In der Regel ist er auf einen Hautabschnitt einer Körperhälfte begrenzt, häufig gürtelförmig am Rumpf. Normalerweise heilen die Bläschen nach 1-2 Wochen unter Krustenbildung ab. Schwere Verläufe sind selten und betreffen insbesondere Personen mit Immunschwäche.

Behandlung

Bei Windpocken ist nur eine Linderung der Beschwerden möglich, z.B. durch tägliche Bäder oder Juckreiz stillende Medikamente. Antibiotika sind bei viralen Erkrankungen wirkungslos.

Bei Gürtelrose ist neben der Hautpflege unter Umständen eine medikamentöse Behandlung nötig. Hierüber entscheidet der behandelnde Arzt.

Maßnahmen für Erkrankte

  • Erkrankte sollten sich während der akuten Erkrankungsphase von anderen Menschen fernhalten und insbesondere den Kontakt zu Schwangeren, Neugeborenen und Personen mit Abwehrschwäche meiden.

  • Bei Verdacht auf eine Windpocken-Erkrankung sollte vor Aufsuchen des Arztes die Praxis informiert werden.

  • Für Personen, die eine Gemeinschaftseinrichtung besuchen oder dort tätig sind, sind bereits bei Verdacht auf eine Windpocken-Erkrankung die Regeln des Infektionsschutzgesetztes zu beachten (s. unten)

Maßnahmen für Kontaktpersonen

  • Für Personen, in deren Wohngemeinschaft eine Windpocken-Erkrankung oder der Verdacht darauf aufgetreten ist, gilt ein Besuchs- bzw. Tätigkeitsverbot von / in Gemeinschaftseinrichtungen (siehe unten)
  • Folgende Personen sollten sich nach einem ansteckungsfähigen Kontakt (s.u.) unverzüglich einem Arzt vorstellen:
    1. Schwangere, Neugeborene und Personen mit Abwehrschwäche: ggf. ist die Gabe einer sog. Postexpositionsprophylaxe ratsam. Dadurch kann eine Erkrankung verhindert oder der Verlauf deutlich abgeschwächt werden.
    2. Ungeschützte Personen (keine Impfung, keine Windpocken-Erkrankung in der Vorgeschichte), wenn diese Kontakt zu Schwangeren, Neugeborenen oder Personen mit Abwehrschwäche haben: unter Umständen ist eine sog. postexpositionelle Impfung zu erwägen. Unabhängig davon sollte der Kontakt zu Schwangeren, Neugeborenen oder Personen mit Abwehrschwäche vermieden werden.


Als ansteckungsfähiger Kontakt gilt:

  • Aufenthalt eine Stunde oder länger mit einer infektiösen Person in einem Raum
  • Jeder enge „Gesicht-zu-Gesicht“-Kontakt
  • Alle Kontakte im Haushalt der infektiösen Person

Varizella-Zoster-Virus

Das Varizella-Zoster-Virus kann zwei unterschiedliche Krankheitsbilder verursachen. Die Infektion mit dem Virus erfolgt meist schon in der Kindheit und führt zum Krankheitsbild der Windpocken. Sie hinterlässt schützende Antikörper, so dass der Mensch nicht ein zweites mal an Windpocken erkranken kann. Dies gilt auch für die wenigen Fälle, in denen die Infektion ohne Krankheitszeichen verläuft (sog. „stille Feiung“). Die Viren bleiben aber im Körper, können nach Jahren wieder aktiv werden und zum Krankheitsbild der Gürtelrose führen.

Seit Einführung der Impfung sind Windpocken seltener geworden. Sie zählen aber immer noch zu den häufigsten sog. Kinderkrankheiten. Von einer Gürtelrose sind meist ältere Menschen betroffen. Auch Geimpfte können an Gürtelrose erkranken. Sie erkranken jedoch seltener und der Verlauf ist meist milder.

Was gilt für Gemeinschaftseinrichtungen?

Gesetzliche Regelungen gemäß Infektionsschutzgesetzes (IfSG)

Bei Windpocken gilt für dort Betreute

  • Für Kinder, die an Windpocken erkrankt oder dessen verdächtig sind, gilt ein Besuchsverbot für Gemeinschaftseinrichtungen.
  • Eltern sind verpflichtet, die Einrichtung bereits bei Verdacht auf eine Erkrankung zu informieren
  • Die Leitung der Gemeinschaftseinrichtung ist zur unverzüglichen namentlichen Meldung an das Gesundheitsamt verpflichtet
  • Bei unkompliziertem Verlauf ist ein Ausschluss für eine Woche aus der Gemeinschaftseinrichtung in der Regel ausreichend. Für die Wiederzulassung ist kein ärztliches Attest erforderlich


Bei Windpocken gilt für dort tätige Personen

  • Personen, die an Windpocken erkrankt oder dessen verdächtig sind, dürfen keine Lehr-, Erziehung-, Pflege-, Aufsichts- oder sonstige Tätigkeiten ausüben, bei denen sie Kontakt zu den dort Betreuten haben, bis nach ärztlichem Urteil eine Weiterverbreitung der Krankheit nicht mehr zu befürchten ist.

Ein Besuchs-/Tätigkeitsverbot gilt auch für Personen, in deren Wohngemeinschaft eine Windpocken-Erkrankung oder der Verdacht darauf aufgetreten ist. Das Besuchs-/Tätigkeitsverbot gilt so lange, bis nach ärztlichem Urteil mit einer Weiterverbreitung nicht mehr zu rechnen ist. Dies ist in jedem Einzelfall anhand verschiedener Faktoren durch den behandelnden Arzt auf Basis der entsprechenden Empfehlungen des Robert-Koch-Institutes (RKI) zu entscheiden.

Wie kann ich mich schützen?

Am besten durch eine Impfung (s. unten)

Schutzimpfung

Die ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt eine Impfung gegen Windpocken für alle Kinder (der Aufbau des Impfschutzes sollte i.d.R. ab dem 11.-14. Lebensmonat erfolgen). Bei ungeimpften Kindern und Jugendlichen sollte die Impfung möglichst bald nachgeholt werden.

Bei ungeimpften Erwachsene ohne durchgemachte Windpocken-Erkrankung wird eine Impfung für folgende Personen empfohlen

  • Frauen mit Kinderwunsch
  • Personen, die im Gesundheitsdienst arbeiten oder vor Neueinstellungen in Gemeinschaftseinrichtungen für das Vorschulalter
  • Personen mit schwerer Neurodermitis, vor einer Organtransplantation oder einer geplanten Therapie, die das Immunsystem schwächt sowie deren Kontaktpersonen

Rür Rückfragen stehen wir Ihnen gerne zur Verfügung!

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