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Meningokokken-Erkrankungen (invasiv)

Eine Infektion mit invasiven Meningokokken kann in seltenen Fällen zu den schweren Krankheitsbildern einer Hirnhautentzündung (sog. Meningitis) und/oder Blutvergiftung (sog. Sepsis) führen.

Übertragung
Da die Erreger außerhalb des Körpers gewöhnlich rasch absterben, ist für eine Infektion ein enger Kontakt zum Erkrankten mit Übertragung von Nasen-Rachen-Sekreten erforderlich.
Am häufigsten ist die sog. Tröpfchenübertragung, auch eine Übertragung durch Kontakt mit dem Nasen-Rachen-Sekret eines Erkrankten ist möglich (s. unten).

Ansteckungsfähigkeit
Erkrankte sind bis zu sieben Tage vor Beginn der Erkrankung und bis 24 h nach Beginn einer wirksamen Therapie ansteckend.

Krankheitszeichen
Das Zeitintervall zwischen Infektion und Ausbruch der Erkrankung (sog. Inkubationszeit) beträgt im Durchschnitt vier Tage (zwei bis zehn Tage).
Die Erkrankung beginnt meist sehr plötzlich und kann innerhalb weniger Stunden lebensbedrohlich werden. Zwei Verlaufsformen sind möglich, die einzeln oder auch zusammen auftreten können.

Hirnhautentzündung (ca. zwei Drittel der Fälle): Akuter Beginn meist mit Fieber, Schüttelfrost und schwerem Krankheitsgefühl. In der Folge i.d.R. Kopfschmerzen, Erbrechen, getrübte Bewusstseinslage (z.B. starke Schläfrigkeit oder Benommenheit). Typisches Zeichen ist eine schmerzhafte Nackensteife. Auch Krampfanfälle können auftreten.

Blutvergiftung (ca. ein Drittel der Fälle): Akuter Beginn vor allem mit Fieber und Schüttelfrost. Herzrasen, schnelle Atmung und Bewusstseinstrübung können Zeichen eines Kreislaufschocks sein. In ca. 10-15 % entwickelt sich ein besonders schwerer Verlauf (sog. Waterhouse-Friderichsen-Syndrom), der mit einer hohen Sterblichkeit einhergehen kann.
Die charakteristischen Hauteinblutungen können bei beiden Verläufen vor-kommen und sind bei einer Blutvergiftung meist sehr ausgeprägt.

Bei Säuglingen und Kleinkindern sind die Krankheitszeichen oft weniger charakteristisch. Neben Fieber und Erbrechen können Reizbarkeit oder Schläfrigkeit, Krampfanfälle sowie eine hoch gewölbte Fontanelle (Knochenlücke am kindlichen Schädel) auftreten. Die für Hirnhautentzündung typische Nackensteifigkeit kann fehlen!

Bei dem Verdacht auf eine invasive Meningokokken-Erkrankung ist schnelles Handeln entscheidend.

Meningokokken

Das Bakterium Neisseria meningitidis (sog. Meningokokken) siedelt sich im Nasen-Rachen-Raum des Menschen an und ist bei ca. 10% der Bevölkerung nachweisbar, ohne dass Krankheitszeichen auftreten. In seltenen Fällen treten Varianten auf (sog. invasive Meningokokken). Diese können zu schweren Erkrankungen führen.
Aufgrund der Zusammensetzung der Bakterien-Kapsel werden 12 Meningokokken-Gruppen (u.a. A, B, C, W, Y) unterschieden. Dies ist unter anderem für die Möglichkeit einer Schutzimpfung von Bedeutung.

Vorkommen
Meningokokken-Erkrankungen treten weltweit auf.
In Deutschland sind Meningokokken-Erkrankungen selten und werden dann überwiegend durch Erreger der Gruppe B (ca. 65-70 %) oder C (ca. 25-30 %) verursacht.
Die Erkrankung kommt in jedem Lebensalter vor, bevorzugt betroffen sind aber Säuglinge und Kleinkinder sowie Jugendliche zwischen 15 und 19 Jahren.

Übertragungswege
Tröpfchenübertragung: Erregerhaltige Tröpfchen, die Erkrankte z.B. beim Husten, Niesen oder Sprechen in die Luft abgeben, gelangen auf die Schleimhäute (Mund, Nase, Rachen oder Augen) anderer Personen. Die Übertragung ist i.d.R. auf eine geringe Entfernung begrenzt.
Kontaktübertragung: Die Erreger werden durch direkten Kontakt (z.B. Küssen) oder indirekten Kontakt (z.B. Berühren von Nasen-Rachen-Sekret des Erkrankten mit den Händen und danach eigenes Berühren von Mund oder Nase mit den Händen) übertragen.

Maßnahmen für enge Kontaktpersonen

Das Risiko für Folge-Erkrankungen ist insgesamt gering und betrifft vor allem enge Kontaktpersonen.
Als enge Kontaktpersonen gelten z.B. Haushaltsmitglieder, feste Sitznachbarn in der Schule, Kindergartenfreunde oder andere enge Bezugspersonen.
Für diesen Personenkreis wird eine vorbeugende (prophylaktische) Antibiotikagabe empfohlen, wenn Kontakt zum Erkrankten im Zeitraum 7 Tage vor Erkrankungsbeginn bis 24 Stunden nach Einleitung der Behandlung bestand.
Die Verabreichung sollte schnellstmöglich erfolgen, ist aber noch bis zu 10 Tage nach dem letzten Kontakt sinnvoll.
Darüber hinaus kann für ungeimpfte enge Haushaltskontaktpersonen zusätzlich eine Impfung sinnvoll sein.

Weiterhin ist zu beachten:

  • Für Personen, in deren Wohngemeinschaft eine Erkrankung an einer Meningokokken-Infektion oder der Verdacht darauf aufgetreten ist gilt ein Besuchs- bzw. Tätigkeitsverbot von/in Gemeinschaftseinrichtungen (s. unten).
  • Sollten im Zeitraum bis 10 Tage nach dem letzten Kontakt zum Erkrankten Krankheitszeichen wie Fieber, Schüttelfrost, Kopfschmerzen auftreten, ist eine umgehende ärztliche Vorstellung erforderlich. Der behandelnde Arzt sollte möglichst schon vorab telefonisch über den Meningokokken-Kontakt informiert werden.

Prophylaxe

Mittel der Wahl bei Kindern ist Rifampicin (2x1 Tablette über 2 Tage, Dosierung in Abhängigkeit vom Körpergewicht bzw. Alter). Bitte geben Sie daher unbedingt das aktuelle Körpergewicht Ihres Kindes auf der Einverständniserklärung an!
Durch Rifampicin können sich Urin und Tränenflüssigkeit orange-rot verfärben, für die Dauer der Prophylaxe sollten daher keine Kontaktlinsen getragen werden.
Bei Personen über 18 Jahren kann auch Ciprofloxacin (1x500 mg) als Einzeldosis gegeben werden. Bei Schwangeren kann Ceftriaxon intramuskulär zur Anwendung kommen.

Schutzimpfung
Gegen Meningokokken steht eine schützende Impfung zur Verfügung. Die Ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt die Impfung gegen Meningokokken für alle Kinder im 2. Lebensjahr zum frühest möglichen Zeitpunkt (gegen Gruppe C) sowie für Personen mit erhöhtem Risiko (z.B. Immundefekt).

Prophylaxe bei minderjährigen engen Kontaktpersonen

An minderjährige enge Kontaktpersonen kann die Prophylaxe nur im Beisein und mit Zustimmung der Erziehungsberechtigten oder gegen Vorlage der unterschriebenen Einverständniserklärung (s.u.) ausgegeben werden.

Bei Nutzung der Einverständniserklärung:
Bitte ausfüllen (unbedingt das aktuelle Körpergewicht ihres Kindes angeben), abtrennen und ihrem Kind zur Ausgabe der Prophylaxe mitgeben.

Einverständniserklärung der Erziehungs-/Sorgeberechtigten
Name der / des Erziehungsberechtigten:
Anschrift:
Telefon:
Ο Ich habe die Information über Meningokokken-Erkrankungen gelesen und bin mit der Durchführung einer Chemoprophylaxe bei meinem Kind einverstanden.

Name des Kindes / Aktuelles Körpergewicht (kg)

Ο Ich habe die Information über Meningokokken-Erkrankungen gelesen und bin mit der Durchführung einer Chemoprophylaxe bei meinem Kind nicht einverstanden
Name des Kindes
Ο Bei meinem Kind ist eine Allergie gegen Antibiotika bekannt.
Präparat:

Wichtige Bemerkungen:

Datum                                    Unterschrift

Gesetzliche Regelungen für Gemeinschaftseinrichtungen gemäß § 34 Infektionsschutzgesetz (IfSG)

  • Besuchsverbot: Personen, die an einer Meningokokken-Infektion erkrankt oder dessen verdächtig sind, dürfen Gemeinschaftseinrichtungen nicht besuchen und an Veranstaltungen der Gemeinschaftseinrichtung nicht teilnehmen.
    Eine Wiederzulassung ist nach Abklingen der klinischen Symptome möglich. Ein schriftliches ärztliches Attest ist nicht erforderlich.
  • Tätigkeitsverbot: Personen, die an einer Meningokokken-Infektion erkrankt oder dessen verdächtig sind, dürfen in Gemeinschaftseinrichtungen keine Lehr-, Erziehungs-, Pflege-, Aufsichts- oder sonstigen Tätigkeiten ausüben, bei denen sie Kontakt zu den dort Betreuten haben, bis nach ärztlichem Urteil eine Weiterverbreitung der Krankheit durch sie nicht mehr zu befürchten ist.

Ein Besuchs-/Tätigkeitsverbot gilt auch für Personen, in deren Wohngemeinschaft nach ärztlichem Urteil eine Erkrankung an einer Meningokokken-Infektion oder der der Verdacht darauf aufgetreten ist. Nach durchgeführter Chemoprophylaxe kann dieses aufgehoben werden.

Rufen Sie uns an, wenn Sie Fragen haben!

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