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Neujahrsempfang 2021: Rede der Landrätin

Die Rede der Landrätin im Wortlaut. Es gilt das gesprochene Wort.

Liebe Gäste,

zunächst möchte ich Sie bei diesem erstmals vollständig digitalen Neujahrsempfang des Landkreises Marburg-Biedenkopf aus dem Landgrafenschloss in Biedenkopf begrüßen und mich herzlich für die musikalische Einleitung bedanken.

Meine sehr geehrten Damen und Herren,

nicht wirklich erklären muss ich, dass ich mich in meiner heutigen Rede natürlich mit dem Thema „Corona“ auseinandersetzen werde. Die Corona-Pandemie hat bereits heute unser aller Leben verändert – und wird dies weiter tun, nicht nur zeitlich begrenzt, nicht nur für die nächsten Monate oder bis zum Abschluss der begonnenen Impfungen, sondern wohl auch auf Dauer.

Helmut Schmidt wurde in den letzten Wochen und Monaten besonders oft mit den Worten „In der Krise beweist sich der Charakter“ zitiert. Ich habe – wie sicher viele von Ihnen – die Erfahrung gemacht, dass diese Wahrheit nicht nur für die einzelnen Menschen, sondern auch für unsere Gesellschaft, die bundesdeutsche wie unsere Kreisgesellschaft, gilt. Lassen Sie mich bitte noch einen Augenblick bei diesem Gedanken verweilen.

Wir haben in den letzten Monaten tatsächlich alles gesehen und erlebt, was die menschliche Persönlichkeit und Psyche an Eigenschaften und Besonderem so zur Verfügung stellt.

Wir haben erlebt, dass Menschen die Realität leugnen, weil ihnen weit über einhundert an oder mit Corona verstorbene Mitmenschen allein im Landkreis Marburg-Biedenkopf als Nachweis einer Pandemie offensichtlich nicht ausreichen.

Wir haben erlebt, wie Rechtsextreme die Verunsicherung durch die Pandemie nutzen, um selbst politisch Gewinn daraus zu ziehen. Bis hin zu Angriffen auf die Symbole unserer Demokratie, auf unsere Demokratie selbst.

Der Marburger Oberbürgermeister Dr. Thomas Spies, dem ich für die kollegiale und sehr gute Zusammenarbeit der letzten Jahre sehr dankbar bin, hat verschiedentlich darauf hingewiesen, dass wir hauptamtlichen Kommunalpolitiker*innen allein schon durch unseren Diensteid auf das Grundgesetz und die Hessische Verfassung verpflichtet sind, gegen Rechtsextremismus einzustehen. Denn in der Hessischen Verfassung ist unter anderem der Auftrag formuliert, dazu beizutragen, die verfassungsmäßige Ordnung des Gemeinwesens aufrechtzuerhalten.

Daher will ich sehr deutlich machen, dass ich sowohl in meiner Arbeit als Landrätin als auch in meiner sonstigen politischen Tätigkeit entschieden gegen die rechten Feinde unserer Demokratie streiten werde.

Wir haben aber auch gesehen, dass diejenigen, die unsere Demokratie verachten, in den Umfragen zur politischen Einstellung der Deutschen an Zustimmung verloren haben – weil die Menschen das rechtsextreme Geschrei während der Pandemie weniger hören wollen, und weil die einfachen Antworten der rechtsextremen Bauernfänger in der Pandemie weder helfen noch unser Gemeinwesen weiterbringen. Ich bin froh, dass diese politischen Krisengewinnler von der Corona-Pandemie nicht profitieren.

Wir haben darüber hinaus gesehen, wie Menschen versuchten, für sich persönlich finanzielle Vorteile aus der Pandemie zu ziehen, und wir haben erlebt, wie andere bei der Inanspruchnahme staatlicher Unterstützung zur Überwindung von Corona-Folgen betrogen haben. Ein Betrug, der zu unser aller Lasten geht.

Vor allem haben wir aber in den letzten Monaten vieles gesehen und erlebt, was wir uns auch klar machen müssen, wenn wir die Corona-Pandemie und ihre Folgen richtig auswerten und beurteilen wollen – auch, um daraus Nutzen zu ziehen für die Zukunft.

Die Corona-Pandemie hat uns eben auch und vor allem gezeigt, wozu die Menschen im positiven Sinne fähig sind. Wir alle haben viel Gemeinsinn erlebt, nicht als theoretische politische Forderung, sondern ganz praktisch im Alltag.

Wir haben gesehen, dass junge Menschen für die Seniorin in der Nachbarschaft eingekauft haben, Enkelinnen und Enkel tatsächlich wieder einmal Briefe an die Oma geschrieben oder den Opa einmal mehr angerufen haben.

Ich selbst habe in der Nachbarschaft erlebt, wie eine Familie das gemeinsame Weihnachtsfest in den Vorgarten des Hauses der älteren Verwandten verlegt hat – mit Abstand untereinander und der Seniorin auf dem Balkon, von dem aus sie alles miterleben, dabei sein konnte.

Wir haben gesehen, dass Freunde einmal mehr beim Favoriten-Italiener Pizza geholt oder das Abendessen bei der Gaststätte im Ort zum Abholen bestellt haben. Und viele von Ihnen haben Gutscheine gekauft, die Ihrem Lieblingsladen in der Krise zu Gute kamen.

Und ich habe meine, die Kreisverwaltung, erlebt als ein Team, das gemeinsam dafür gesorgt hat, dass die Bürgerinnen und Bürger eine zuverlässige Dienstleisterin an ihrer Seite hatten und haben. Dafür möchte den Mitarbeitenden der Kreisverwaltung auch an dieser Stelle ausdrücklich danken.

Das, was wir hier in den letzten Monaten erlebt haben, nennt man Solidarität. Und ich bin wirklich dankbar dafür, zu sehen, wie stark unser Gemeinwesen sein kann, wenn es darauf ankommt. Unsere Gesellschaft ist eben mehr als die Summe ihrer einzelnen Teile, weil uns Gemeinsamkeit verbindet. Und ich hoffe, dass wir uns an diese Erfahrung, diesen Geist und unsere Leistungen miteinander und füreinander auch nach der Pandemie erinnern werden.

Danken möchte ich heute aber auch noch denjenigen, denen die Solidarität sozusagen in Fleisch und Blut übergegangen ist, die aus Überzeugung für andere, für uns, da sind und sich engagieren: die vielen Ehrenamtlichen in Initiativen und Vereinen, die Mitglieder der Glaubensgemeinschaften, der Rettungsdienste und karitativen Organisationen.

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Liebe Gäste,

neben unterhaltenden Elementen wie Musik aus dem Kreis und einem Bilderspiel finden Sie auf unserer Neujahrsempfangs-Website auch einen Jahresrückblick 2020 sowie den Text meiner Rede zum Nachlesen. Und wenn Sie möchten, können Sie im Anschluss an diese Rede auch noch mit dem Ersten Kreisbeigeordneten Marian Zachow über Verkehrspolitik und mit mir zum Thema Regionale Produkte chatten.

Da Sie den Jahresrückblick selbst anschauen können, möchte ich mich im Wesentlichen auf den Ausblick auf das Jahr 2021 konzentrieren, auf das ich trotz oder gerade wegen der Herausforderungen und Erfahrungen der Pandemie zuversichtlich schaue.

Weil wir gezeigt haben, was wir gemeinsam schaffen können – denn jede und jeder ist system- und zukunftsrelevant. Und diese Kraft müssen wir nun auch aufbringen, wenn wir die großen Herausforderungen bewältigen wollen, vor die unsere Gegenwart und Zukunft uns stellt.

Der Klimawandel ist eine solche Herausforderung der Gegenwart und der Zukunft, die uns bereits heute zu entschlossenem Handeln zwingt. Die kommunale Ebene entscheidet auch beim Klimaschutz nicht über die großen Themen, zum Beispiel den Kohleausstieg oder über Abgasnormen.

Aber die Städte, Gemeinden und die Menschen im Landkreis entscheiden darüber, wie sie ihre Arbeit, ihr eigenes Handeln klimafreundlich gestalten. Und dies tut auch der Landkreis Marburg-Biedenkopf, mit dem übergeordneten Beschluss, Masterplankommune 100 Prozent Klimaschutz zu werden, und konkret mit dem Klimaschutz-Aktions-Programm, dessen Aufträge wir weiterhin konsequent umsetzen. Diesen wichtigen Schritten müssen aber weitere folgen.

Deshalb werde ich dafür sorgen, dass wir das Klimaschutz-Aktions-Programm fortschreiben und den aktuellen Schwung für die Formulierung weiterer, neuer Klimaschutz-Aktivitäten nutzen, also parallel zur Umsetzung der beschlossenen Aktivitäten bereits neue entwickeln.

Eines der wichtigsten Tätigkeitsfelder beim Klimaschutz ist unsere Mobilität. Hier haben wir uns zum Beispiel im Radverkehr ehrgeizige Ziele gesetzt. Der Öffentliche Personen Nahverkehr hat im Jahr 2020 sehr unter der Corona-Pandemie gelitten. Trotzdem haben wir im Landkreis mit dem Fahrplanwechsel Mitte Dezember deutliche Verbesserungen im ÖPNV auf den Weg gebracht, unter anderem mit neuen Schnellbuslinien und Taktverbesserungen auf der Schiene.

2021 nun geht es weiter mit den Machbarkeitsstudien für die Salzböde- und die Ohmtalbahn, den Railport Hinterland und das Güterverkehrszentrum Osthessen. Auch der Umbau zahlreicher Bahnhöfe ist im Gang oder in Planung, dasselbe gilt für insgesamt über 70 barrierefreie Bushaltestellen im Landkreis.

Und zum Fahrplanwechsel im Dezember 2021 wird es eine weitere Schnellbuslinie von Marburg nach Alsfeld, eine neue Busverbindung von Kirchhain nach Frankenberg und im Mai 2022 dann den Radwanderbus vom Bahnhof Niederwalgern nach Bad Endbach geben. Alles Themen, für die sich der Erste Kreisbeigeordnete Marian Zachow als zuständiger Dezernent sehr engagiert einsetzt.

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Meine sehr geehrten Damen und Herren,

beim Klimaschutz ist es von großer Bedeutung, dass alle Bevölkerungsschichten unserer Kreisgesellschaft mitmachen, beitragen können zum Schutz von Klima und Umwelt. Klimaschutz darf nicht nur für diejenigen selbstverständlich sein, die sich das leisten können. Darum ist sozial-gerechter Klimaschutz so wichtig.

Und deshalb werden wir die Förderung von energetischen Sanierungen im Wohnungsbestand der Baugenossenschaften, an denen der Kreis beteiligt ist, fortsetzen. Damit die Genossenschaften mehr für den Klimaschutz tun und die Mieter*innen sich die dadurch entstehenden Mehrkosten leisten können, weil die notwendigen Mieterhöhungen durch unsere Förderung niedriger ausfallen. Beim Thema Wohnungsbau lässt sich besonders gut darstellen, was sozial-gerechter Klimaschutz meint.

Neben der dargestellten Förderung des Wohnungsbaus werden wir dieses Jahr mit den Vorbereitungen für den Bau von Wohnungen auf dem Grundstück des Kreises an der Beltershäuser Straße beginnen. Hier werden klimafreundliche Wohnungen entstehen, die sowohl für Normalverdienende als auch für Menschen, die über weniger Geld verfügen, bezahlbar sein werden. Das ist konkreter sozial-gerechter Klimaschutz.

Und wir wollen einen weiteren wichtigen Schritt bei der Wohnraumentwicklung gehen. Der Kreistag hat den Kreisausschuss beauftragt, mit der Universitätsstadt Marburg in Verhandlungen darüber einzutreten, wie und in welcher Form sich der Kreis an der Gemeinnützigen Wohnungsbaugesellschaft beteiligen könnte.

Zu diesem Schritt haben wir uns entschlossen, weil wir zum einen eine Einladung der Universitätsstadt Marburg, des Oberbürgermeisters Dr. Thomas Spies, dafür erhalten haben.

Und zum anderen, weil auch Kommunen aus dem Landkreis Interesse haben, dass sich die GeWoBau nicht nur in der Stadt Marburg, sondern verstärkt auch in den Kommunen des Landkreises engagieren möge. Dies wollen wir aktiv und auch an entscheidender Stelle in der GeWoBau unterstützen. Ich gehe sehr stark davon aus, dass wir – wie in vielen anderen Fragen – hier zu einer pragmatischen und guten Lösung mit der Universitätsstadt Marburg kommen werden.

Begleitet werden all diese Aktivitäten auch 2021 vom im letzten Jahr erfolgreich gestarteten Bündnis für Wohnen.

Und nach der erfolgreichen Erarbeitung unseres Nachhaltigkeitskonzepts werde ich dem Kreistag darüber hinaus vorschlagen, durch weitere Beschlüsse unsere Selbstverpflichtung auf die Nachhaltigkeitsziele der Vereinten Nationen zu dokumentieren.

Eine der zentralen Möglichkeiten, als Kreisverwaltung aktiv zum Klimaschutz beizutragen, ist die energetische Sanierung unserer eigenen Gebäude - sowohl unserer Schulen als auch der Verwaltungsliegenschaften. Hier müssen wir mehr tun, als uns in den letzten Jahren aufgrund der Einschränkungen des Haushaltsrechts möglich war. Deshalb habe ich dem Kreistag das vor einem Jahr angekündigte Investitionsprogramm als Entwurf im Umfang von 160 Millionen Euro vorgelegt.

Weil wir in den letzten Jahren gut gewirtschaftet und Schulden abgebaut haben, können wir uns das heute leisten. Ich habe nun alle Kreistagsfraktionen eingeladen, sich aktiv an der Beratung und eventuellen Weiterentwicklung dieses Investitionsprogramms zu beteiligen. Unser Vorschlag lautet, insgesamt 110 Millionen Euro in unsere Schulen zu investieren, sowohl in die Gebäude als auch die Digitalisierung. Wenn wir dann ein Schulgebäude anpacken, wird immer auch energetisch saniert und optimiert werden.

20 Millionen Euro sollen einem Drittel für Radwege und zwei Dritteln für die Kreisstraßen eingesetzt werden, 30 Millionen für die Verwaltungsgebäude, unter anderem für deren energetische Sanierung.

Das Investitionsprogramm soll also sowohl wichtige Impulse im Klimaschutz geben, unsere Verkehrs-Infrastruktur erhalten und den Anteil an Radverkehr im Landkreis erhöhen, als auch die heimische Wirtschaft in der Zeit nach der Corona-Pandemie stärken sowie die Modernisierung und Digitalisierung sowohl der Schulen als auch der Kreisverwaltung voranbringen.

Digitalisierung hört sich erst einmal abstrakt an. Worum geht es dabei aber konkret? Es geht darum, die Effizienz der Arbeit der Kreisverwaltung weiter zu steigern und im Rahmen der Umsetzung des Online-Zugangs-Gesetzes unsere Dienstleistungen digital anzubieten, damit die Bürgerinnen und Bürger jederzeit digital mit ihrer Verwaltung kommunizieren und ihre Anliegen auch digital abwickeln können.

Bei der Umsetzung der Verwaltungsdigitalisierung werden wir zügig die nächsten Schritte gehen. Seit Januar 2021 ist es möglich, Termine in der Zulassungsstelle online zu beantragen. Ein Service, den wir in diesem Jahr auf weitere Bereiche der Verwaltung mit Publikumsverkehr ausweiten werden – inkl. der Buchung von Übungs- und Trainingszeiten in unseren Sporthallen.

Einer der nächsten Digitalisierung-Schritte, der Kundenfreundlichkeit und Digitalisierung verknüpft, wird die Einrichtung eines Chatbots auf der Homepage des Landkreises sein. Was das genau ist, erklären wir Ihnen nun kurz. – VIDEOCLIP - Ein Chatbot sorgt also dafür, dass Bürgerinnen und Bürger jederzeit ihre relevanten Fragen auch online klären können beziehungsweise Informationen erhalten.

Und wir werden zeitnah eine Person einstellen, der oder die als Koordinatorin für die Umsetzung des Online-Zugangs-Gesetzes die Kreiskommunen im Rahmen eines geförderten Modellprojekts dabei unterstützt, ihrerseits die Anforderungen des Online-Zugangs-Gesetzes zu erfüllen.

Als Landrätin stehe ich in der Verantwortung dafür, die Digitalisierung der Verwaltung aktiv und zügig voranzutreiben. In den letzten Jahren haben wir dafür die personellen und organisatorischen Voraussetzungen geschaffen. Und sind in der Corona-Pandemie spontan und pragmatisch viele Digitalisierungsschritte gegangen. Diese Verantwortung werde ich auch weiterhin aktiv und gestaltend wahrnehmen.

Dazu gehört auch, dass wir als Kreisverwaltung unsere digitale Kommunikation ausbauen werden. Wir haben einen neuen Telegram-Kanal, der nach dem Probebetrieb nun abonniert werden kann. Und im Laufe des Jahres werden Sie den Landkreis auch auf Instagram finden.

Marian Zachow, als Erster Kreisbeigeordneter zuständig für unsere Schulen und deren Ausstattung, forciert die Digitalisierung der Schulen auch dort sehr engagiert. Bis 2022 wird WLAN an allen unseren Schulen zu einhundert Prozent zur Verfügung stehen.

Darüber hinaus werden bis dahin alle Schülerinnen und Schüler über mobile Endgeräte verfügen, die sie in den Schulen nutzen können. Wem es schwerfällt, diese selbst anzuschaffen, bekommt unsere Unterstützung. Denn das Einkommen der Eltern darf bei uns nicht über Bildungschancen und -teilhabe entscheiden.

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Liebe Gäste,

Digitalisierung braucht aber auch Infrastruktur. Ich habe bereits verschiedentlich über die Planungen eines Neubaus an der Kreisverwaltung informiert. Und ich habe als Kämmerin immer auch für Haushaltswahrheit und -klarheit gestanden. Deshalb habe ich mit dem von mir eingebrachten Haushalt 2021 auch darüber informiert, dass dieser Anbau teurer werden wird, als bisher kommuniziert.

Dies liegt zum einen an den enorm gestiegenen Preisen am Bau, zum anderen daran, dass erst nach dem durchgeführten Architektenwettbewerb die eigentliche konkrete Berechnung der tatsächlichen Baukosten beginnt. An diesem Punkt sind wir nun.

Wichtiger Bestandteil des Neubaus sind neben Büros und Besprechungsräumen mehr Platz für die IT der Kreisverwaltung sowie größere und bessere Serverräume, die es eben auch braucht, wenn man eine Verwaltung konsequent digitalisieren muss. Unabhängig von den Notwendigkeiten haben wir alle Posten noch einmal überprüft, nicht zwingend notwendiges gestrichen. Und ich gehe davon aus, dass der Kreistag den Haushalt 2021 inklusive dieser Mehrkosten beschließt und das Regierungspräsidium den Haushalt 2021 und das Investitionsprogramm genehmigt, so dass der Spatenstich für den Neubau noch im Frühsommer erfolgen kann und wir mit der Umsetzung des Investitionsprogramm beginnen können.

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Liebe Zuschauerinnen und Zuschauer,

am 14. März 2021 wählen Sie als Bürgerinnen und Bürger des Landkreises Marburg-Biedenkopf einen neuen Kreistag. Ich möchte dies zum Anlass nehmen, erneut all denjenigen, die sich kommunal-politisch engagieren, meinen ausdrücklichen Dank auszusprechen.

Über diese Dankbarkeit hinaus wird der Landkreis die ehrenamtlichen Politiker*innen im Kreistag aber auch mit einem Programm des Fachdienstes Bürgerbeteiligung und Ehrenamtsförderung unterstützen, das ihnen Beratung, Information und Coaching bietet, weil auch die ehrenamtlichen Politiker*innen in unserem Landkreis beschimpft, angefeindet und bedroht werden.

Dies ist für mich absolut nicht hinnehmbar, und auch der Kreistag hat in einem Resolutionsantrag im Dezember klar gemacht, dass er solches Verhalten nicht akzeptieren wird.

Die Mitarbeit in Kommunal-Parlamenten, in Gemeindevorständen und Magistraten ist die traditionelle Form der ehrenamtlichen politischen Beteiligung. Wir haben im Landkreis Marburg-Biedenkopf in den letzten Jahren darüber hinaus viel erreicht beim Thema Bürgerbeteiligung. Diese Arbeit wollen wir 2021 fortsetzen.

Unter anderem wird unser zuständiger Fachdienst aktiv teilnehmen bei der Vorbereitung und Durchführung der Bürger*innen-Beteiligung im Zuge der Rahmenplanung für das Wohnungsbauvorhaben an der Beltershäuser Straße, deren Gesamtrahmen ja über das Vorhaben auf unserem eigenen Grundstück hinausgeht.

Hier werden wir zunächst unsere eigenen Mitarbeitenden einbinden, deren Bedarfe und Anforderungen aufnehmen, und danach gemeinsam mit der GeWoBau und der Universitätsstadt Marburg die Beteiligung der Menschen im Quartier starten.

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Liebe Zuschauerinnen und Zuschauer,

ich habe bereits darauf hingewiesen, dass sich das Thema Digitalisierung immer so abstrakt anhört – auch wenn wir alle nicht nur heute Abend, sondern generell alle bereits mittendrin stecken in dieser Digitalisierung. Und das eigentlich schon seit vielen Jahren.

Bereits in unseren Leitsätzen zur Digitalisierung haben wir formuliert, dass Digitalisierung nicht nur für, sondern auch gemeinsam mit den Menschen im Landkreis Marburg-Biedenkopf stattfinden soll und muss. Dazu gehören unser Politik-Ansatz des Open Governments, also des für die Menschen im Kreis offenen Verwaltungshandelns, aber auch Angebote wie unser Digital-Dialog.

Den Digital-Dialog werden wir nach erfolgreichen Veranstaltungen im Jahr 2020 auch in diesem Jahr fortsetzen, unter anderem mit Professorin Melanie Volkamer vom Karlsruher Institut für Technologie, einer der Spitzenforschungseinrichtungen in Deutschland im Bereich der Digitalisierung. Sie wird sich mit dem Thema Datensicherheit und Datenautonomie auseinandersetzen.

Und im Mai gestaltet Professorin Patrizia Nanz den Digital-Dialog und wird sich mit dem Thema Digitalisierung und Nachhaltigkeit befassen. Frau Prof. Nanz forscht und arbeitet mit dem Thema transformative Nachhaltigkeit. 

Ich habe zudem in der Vergangenheit häufiger darüber berichtet, dass weit über den Landkreis hinaus immer wieder hervorgehoben wird, wie gut unser Landkreis beim Thema Digitalisierung und Beteiligung unterwegs ist.

Auch in Anerkennung dieser Tatsache wird der Landkreis Marburg-Biedenkopf am 6. Mai 2021 Gastgeber der 2021 ausschließlich digitalen Jahrestagung der Allianz Vielfältige Demokratie sein, in der sich die Spitzenvertreter*innen der Bürgerbeteiligungsszene Deutschlands zusammengeschlossen haben.

Diese Jahrestagung wird unter dem Thema „Digitalisierung und Open Government“ stehen. Anlässlich dieser Tagung wird es darüber hinaus eine Publikation zum Thema Kommunales Open Government geben, die im Marburger Büchner-Verlag erscheinen wird.

Und nachdem wir im letzten Jahr über 750.000 Euro an Fördergeldern für unsere Digitalisierungsprojekte eingeworben haben, wollen wir in diesem Jahr - gemeinsam mit der Universitätsstadt Marburg und dem Stadtmarketing Marburg - eine Bewerbung für den nächsten Förderaufruf des Smart City-Programms des Bundes vorbereiten.

Und warum das Ganze? Digitalisieren nur weil es unvermeidlich ist? Nein, wir wollen digitalisieren und „damit unser gesellschaftliches Zusammenleben stärken, den Gemeinsinn fördern, den Schutz des Klimas vorantreiben, Menschen zur Selbstorganisation befähigen, kurzum, eine offene Gesellschaft schaffen“, wie es Franz-Reinhard Habbel formuliert hat, der auch schon bei unserem Digital-Dialog dabei war.

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Liebe Zuhörerinnen und Zuhörer,

Marian Zachow als auch für die vhs zuständiger Dezernent und ich sind uns einig darüber, dass eine offene Gesellschaft wie die unsere auch bildungsoffen sein muss, also zum Beispiel lebens-begleitendes Lernen ermöglicht. Dabei spielt unsere Kreis-Volkshochschule eine wichtige Rolle.

Mit der Volkshochschule Marburg-Biedenkopf wollen wir mit einer Elternakademie Mütter und Väter dabei unterstützen, ihre Kinder beim Lernen in der Schule gut begleiten zu können. Wir wollen die vhs mit der Ganztagsschule besser vernetzen. Und wir wollen auch Konzepte dafür entwickeln, dass wir in Zukunft besser diejenigen Menschen erreichen, die bisher die Angebote der vhs noch nicht oder nur wenig nutzen. Dasselbe gilt für das Thema Seniorinnen und Senioren beim Thema Digitalisierung, denn auch hier ist digitale Teilhabe wichtig.

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Meine sehr geehrten Damen und Herren,

fester Bestandteil unserer normalen Neujahrsempfänge ist die Präsentation ausgewählter Direktvermarkter von regionalen Lebensmitteln. Das können wir heute so nicht machen. Trotzdem möchte ich auf einige unserer Aktivitäten in diesem Bereich hinweisen.

Vor kurzen habe ich mit Oberbürgermeister Dr. Thomas Spies in der Marburger Oberstadt einen Shop mit regionalen Produkten eröffnet, der sich in der Kochanow Boutanique am Steinweg befindet. Zeitnah wird ein weiterer Laden am Standort Marburg des UKGM eröffnet werden.

Um auch den zahlreichen Kundinnen und Kunden der Kreisverwaltung die Möglichkeit zu geben, regionale Produkte direkt vor Ort zu kaufen, werden wir in den nächsten Wochen einen Verkaufsautomaten für diese Produkte am Kreishaus aufstellen.

Wichtig ist mir, dass wir bei all diesen verkaufsfördernden Aktivitäten sowohl ökologisch als auch konventionell hergestellte Produkte fördern. Für unser Förderprojekt Ökomodell-Region haben wir vor kurzem einen aktuellen Flyer erstellt. 

 Die Förderung der regionalen Lebensmittelproduzenten ist ein wichtiges Thema für mich persönlich aber auch für den gesamten Kreisausschuss. Deshalb möchte ich Ihnen auch anbieten, nach meiner Rede mit Ihnen zu diesem Thema zu chatten.

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Liebe Gäste,

wenn vom demographischen Wandel unserer Gesellschaft die Rede ist, dann ist gemeint, dass der Anteil älterer Menschen an der Gesamtbevölkerung in Deutschland größer wird.

Was ja erst einmal auch bedeutet, dass mehr Menschen älter werden, einen längeren Lebensabend und ein aktives Alter haben. Und nicht wie noch vor wenigen Jahrzehnten von harter körperlicher Arbeit gesundheitlich verschlissen nicht viel von ihrer Rente hatten.

Diese im Grundsatz positive Entwicklung bedeutet aber auch, dass etliche Menschen sehr alt werden, mehr Unterstützung und Pflege benötigen. Diese Tatsache interpretiere ich nicht in erster Linie als Problem, sondern vor allem als Herausforderung, als Gestaltungsaufgabe! Und zwar für die Kreispolitik und unsere Kreisverwaltung, aber auch für die Zivilgesellschaft.

Weil die inhaltlichen Schnittmengen groß sind, haben wir im letzten Jahr die Stabsstelle Altenhilfe als neuen Fachdienst im Gesundheitsamt angesiedelt. Eine Entscheidung, die sich in der Corona-Pandemie bereits bewährt hat. Deutlich wird dies unter anderem bei der Umsetzung der Gesundheitsziele für die Lebensphase Alter, die gemeinsam mit der Universitätsstadt Marburg in der Initiative „Gesundheit fördern – Versorgung stärken“ erarbeitet wurden. In diesem Rahmen wird im Landkreis unter anderem erstmals im Juli ein Bildungsurlaub speziell für pflegende Angehörige angeboten werden.

Der Fachdienst Altenhilfe hat darüber hinaus im Jahr 2021 viel vor. Drei Kreiskommunen haben Interesse an der Erstellung von Altenhilfe-Konzepten angemeldet, deren Erstellung vom Fachdienst Altenhilfe koordiniert und begleitet wird. Die Gemeinde Weimar möchte darüber hinaus mit dem Fachdienst Altenhilfe ein Projekt zur Ortskernbelebung und Altenhilfe starten.

Und schließlich wächst im Jahr 2021 das Netzwerk Bürgerhilfen, in dem bürgerschaftlich tätige Vereine zur Unterstützung von Seniorinnen und Senioren zusammenarbeiten und dabei vom Fachdienst Altenhilfe unterstützt werden.

Und zusammen mit den Fraktionen des Kreistags werden die seniorenpolitischen Leitlinien, die Grundlage unserer Altenpolitik sind, überarbeitet und ergänzt. Auch hier wird ein Schwerpunkt das Thema Digitalisierung sein, also die besonderen Herausforderungen und Bedürfnisse der Seniorinnen und Senioren bei der Digitalisierung auch ihrer Lebenswelt. All dies findet statt in enger Zusammenarbeit mit Menschen, die sich bürgerschaftlich engagieren, in der Altenhilfe für die Gemeinschaft einbringen.

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Auch das Archäologische Freilichtmuseum Zeiteninsel lebt vom engagierten Ehrenamt, das aufbaut auf dem umfassenden finanziellen Engagement des Landkreises, der Stadt Marburg und des Landes Hessen, sowie der Gemeinde Weimar. Daher habe ich gerne die Schirmherrschaft für das Projekt „Aus 1 wird 3 – Fundraising mit Hebelwirkung“ übernommen. Dabei wird jeder Euro, den eine Bürgerin, ein Bürger für die Zeiteninsel spendet, verdreifacht, in dem Weimar, Marburg und der Landkreis zusammen einen Euro drauflegen, und das Land den dritten Euro beisteuert. Das ist bürgerschaftliches Engagement, das sich wirklich direkt auszahlt.

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Liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger,

wir haben den Neujahrsempfang seit Jahren konzipiert als Fest für die ehrenamtlich engagierten Menschen im Landkreis Marburg-Biedenkopf, die wir versuchen, vielfältig zu unterstützen. Basis dieser Unterstützung ist die Kenntnis der Vereine, das Wissen über deren Struktur, ihre Mitgliedschaft und ihre Arbeit.

Vor diesem Hintergrund haben wir den Sportvereinen im Landkreis in einer umfassenden Befragung um Informationen gebeten. Dabei sind wir zu interessanten Ergebnissen gekommen: knapp 35 Prozent der Menschen im Landkreis sind in einem der insgesamt 417 Sportvereine organisiert. Fußball, Turnen und Schießen sind zwar die am häufigsten vertretenen Sportarten im Landkreis, insgesamt werden von unseren Vereinen aber 49 Sportarten angeboten.

Das ist auch im Vergleich zu anderen Kreisen eine stolze Zahl. Und über 80 Prozent der Vereine haben weniger als 300 Mitglieder. Gut ein Viertel der Vereine haben Angebote entwickelt, mit denen ihre Mitglieder auch unter Corona-Bedingungen Sport treiben können.

Deutlich wird hier, dass auch der Vereinssport im Landkreis Marburg-Biedenkopf intensiv am Thema Digitalisierung wird weiterarbeiten müssen. Die Sportförderung des Landkreises wird dies berücksichtigen und darüber hinaus weitere Schlüsse aus der Befragung ziehen und entsprechende Angebote entwickeln.

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Liebe Gäste,

ich komme nun zum Ende meiner Neujahrsrede, das wie stets mit Danksagungen verbunden ist.

Die Sparkasse Marburg-Biedenkopf ist wie immer unser Sponsor und hat auch dieses digitale Format mitgetragen. Dafür möchte ich mich ausdrücklich bedanken.

Vor kurzem hat der Vorstand zudem kommuniziert, dass demnächst erstmals eine Frau in den Vorstand der Sparkasse Marburg-Biedenkopf einzieht. Der Sparkasse wird die weibliche Perspektive und Kompetenz im Vorstand sicher guttun.

Und gut tut unserer Sparkasse auch, dass sie ihren Auszubildenden die Möglichkeit gegeben hat, einen Werbeclip für das bargeldlose Bezahlen zu erstellen, den ich Ihnen nun als Dank für die Unterstützung der Sparkasse kurz zeigen möchte.

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Bedanken möchte ich mich darüber hinaus herzlich bei unseren Dienstleistern, die die heutige digitale Veranstaltung begleiten, allen voran MR.Media und Flashlight.

Und natürlich bei unserem Vorbereitungs-Team im Haus aus den Fachdiensten Presse- und Medienarbeit, dem Fachdienst IT- und Cybersicherheit sowie Open Government und natürlich dem Zentralen Veranstaltungsmanagement.

Herzlichen Dank auch allen, die musikalisch zum heutigen Abend beigetragen haben.

Bevor Sie nun gleich Marian Zachow und mich in den angekündigten Chats treffen und mit uns diskutieren können, möchte ich Sie um ein kleines Zeichen des Zusammenhalts und der Zuversicht bitten.

Einige von Ihnen haben von uns ein Kerzenlicht geschickt bekommen. Die anderen Teilnehmenden haben wir vorhin gebeten, eine Kerze oder ein anderes Licht bereit zu halten. Daher möchte ich Sie nun bitten, als Symbol der Hoffnung und der Stärke, die aus Solidarität und Gemeinschaft entsteht, gemeinsam mit mir nun dieses Licht zu entzünden.

Dafür, und für Ihre Aufmerksamkeit, möchte ich mich herzlich bei Ihnen bedanken. Ich wünsche Ihnen im Namen auch des Ersten Kreisbeigeordneten Marian Zachow sowie des gesamten Kreisausschusses alles Gute für 2021, vor allem Gesundheit, und uns allen gemeinsam, dass wir die Corona-Pandemie in diesem Jahr überwinden werden.

Herzlich
Ihre Kirsten Fründt

Vielen Dank fürs Teilen

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