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 Marburg, den 02.09.2010
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Pressemeldung 46/2010 05.02.2010
Gemeinsame Pressemitteilung des Landkreises Marburg-Biedenkopf und der Universitätsstadt Marburg * Vortragsreihe: „Wie wir im Alter leben möchten“ - Dorette Deutsch hielt einen Vortrag und eine Lesung im Rathaus Marburg

Gibt es im Alter und bei Pflegebedürftigkeit Alternativen zum Pflegeheim und kann es über den demographischen Wandel eine neue Form des sozialen Miteinanders geben? Die Rundfunkjournalistin und Buchautorin Dorette Deutsch (57) beantwortet diese Frage mit einem klaren: Ja! Warum sie das so sieht, hat sie im Marburger Rathaus ausgeführt.

Dorette Deutsch war auf Einladung des Landkreises Marburg-Biedenkopf und der Arbeitsgemeinschaft der Bürgermeister nach Marburg gekommen. „Frau Deutsch kann anhand von vielen Beispielen aufzeigen, dass die Zukunft im Alter von engagierten Bürgerinnen und Bürgern und Kommunen gestaltbar ist“, erläuterte der Erste Kreisbeigeordnete Dr. Karsten McGovern die Gründe für die Einladung. Auch der Hausherr der Veranstaltung im Rathaus, Oberbürgermeister Egon Vaupel, hatte nach Lektüre ihres Buches „Schöne Aussichten fürs Alter“ spontan gesagt: „Diese Frau muss nach Marburg kommen.“

Die Veranstaltung unter dem Motto „Lebensträume kennen kein Alter. Neue Ideen für das Zusammenwohnen in der Zukunft“ hatte rund 120 Frauen und Männer ins Rathaus gelockt. Dorette Deutsch erfüllte die Erwartung der Besucherinnen und Besucher nach einer kurzweiligen Lesung mit vielen handfesten Anregungen für ein gutes Leben im Alter. „Wir sind die erste Generation, deren Alter keine Vorbilder hat“, so Dorette Deutsch. „Es ist unsere Aufgabe, uns auf die Suche nach neuen Formen des Lebens im Alter zu machen.“

In dem kleinen norditalienischen Dorf Tiedoli lernte Dorette Deutsch 2004 ein Projekt kennen, das ihren Blick aufs Alter grundsätzlich veränderte. Der Bürgermeister bewahrte das Dorf vor dem Aussterben, weil er die im Dorf gebliebenen alten Menschen in den Mittelpunkt des Dorflebens rückte. Um das Wohlergehen der alten Menschen abzusichern, die in ihrem Dorf und ihren Häusern bleiben wollten, entstanden Arbeitsplätze für junge Menschen. Ein neues Miteinander der Generationen hat den gesamten Ort belebt. Für Dorette Deutsch ist Tiedoli ein einmaliges Projekt. Das Dorf hat inzwischen 78 Einwohner, weil die alten Menschen die jungen über neue Arbeitsplätze ins Dorf holen und halten.

Für Deutsch steht Tiedoli für drei grundsätzliche Botschaften: Wo die Alten in die Mitte der Gesellschaft gerückt werden, kann ein neues soziales Miteinander entstehen. Mit den Defiziten des Alters kann man leben, wenn unterstützende Hilfe auf abrufbare Weise bereit steht. Wo der politische Wille da ist, ist alles möglich.

Die Referentin sprach von einer gesellschaftlichen und gesellschaftspolitischen Verantwortung, das Leben im Alter zu gestalten. Generationen übergreifende Wohnprojekte – Deutsch sprach von Hausgemeinschaften – gebe es inzwischen viele. Diese Idee des Wohnens im Alter müsse aber endlich flächendeckend umgesetzt werden. Sie plädierte für Quartierskonzepte. Eine Idee, die auch in der Stadt Marburg und im Landkreis immer mehr Befürworter findet. Quartierskonzepte können sich auf ein Wohnhaus, eine Straße, eine Siedlung oder ein ganzes Dorf beziehen (Beispiel Tiedoli), „und sie funktionieren mit einer lebendigen Nachbarschaft“, betonte die Referentin. „Alle neuen Wohnformen sind mit der Wiederbelebung der Nachbarschaft verbunden. In der Nachbarschaft finden der Austausch und die unmittelbare Beziehung statt, umso mehr bei älteren Menschen, die vier Fünftel des Tages in ihren eigenen Wänden verbringen.“

Als weiteren Baustein für Quartierskonzepte nannte Dorette Deutsch die Verbindung von ehrenamtlicher und professioneller Hilfe: „Die vielleicht wichtigste Voraussetzung ist daher, dass sich die Akteure – Kommunen, Wohlfahrtsverbände, professionelle Helfer und Ehrenamt – an einem Tisch zusammenfinden.“ Aber genau das gestalte sich oft schwierig.

Für die Zukunft wünscht sich Dorette Deutsch ein Angebot, das sich nah an den Bedürfnissen der alten Menschen orientiert. „Wir leben in einer Phase des Übergangs“, fasste sie zusammen. „Wir alle müssen uns Gedanken über neue Konzepte für das Leben im Alter machen.“ Denn das „Versorgtsein im Alter“ könnten sich immer weniger Menschen „kaufen“. Es sei weder bezahlbar, noch ein erstrebenswertes Konzept für die Zukunft. „Wir müssen neue soziale Zusammenhänge in den Kommunen schaffen und Nachbarschaften beleben.“

Der Vortrag ist auch im Internet veröffentlicht unter: http://www.marburg-biedenkopf.de/upload/pdf/dorette_deutsch.pdf.

Die Vortragsreihe „Wie wir im Alter leben möchten“ wird am Mittwoch, 17. Februar, fortgesetzt. Ab 18.30 Uhr im Kreistagssitzungssaal (Landratsamt) Ursula Kremer-Preis über: Gestaltungsmöglichkeiten kommunaler Seniorenpolitik.

 

Die Rundfunkjournalistin und Buchautorin Dorette Deutsch sprach zum Thema ´´Wie wir im Alter leben möchten´´. Vorschau - Foto: Privat
Die Rundfunkjournalistin und Buchautorin Dorette Deutsch sprach zum Thema "Wie wir im Alter leben möchten" (Foto: Peter von Felbert)
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