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Otto Ubbelohdes Illustrationen zu den Kinder- und Hausmärchen der Brüder Grimm


Die weltberühmten Illustrationen Ubbelohdes zu den Märchen der Brüder Grimm

Die Illustrationen der sehr bekannten Kinder- und Hausmärchen der Brüder Grimm stammen in den erfolgreichsten Auflagen der Märchensammlung von Otto Ubbelohde. Diese liebevoll gestalteten und von zeitloser Schönheit beseelten Illustrationen ziehen den Betrachter schnell in ihren Bann. Die zuerst 1907-1909 im Leipziger Turm-Verlag mit den Illustrationen Ubbelohdes veröffentlichten Kinder- und Hausmärchen, wurden ab 1918 in zahlreichen Auflagen vom Marburger Elwert-Verlag herausgegeben. Inzwischen gibt es auch weitere Veröffentlichungen der Märchen mit den Illustrationen Ubbelohdes von anderen Verlagen (siehe Literaturhinweise).

Ubbelohde-Illustration aus dem Märchen Frau Holle

Als Vorlage diente Ubbelohde oft die unmittelbare Umgebung, so wie hier der Rimberg im Lahntal für das Märchen Frau Holle.


Was ist das Besondere an den Märchenillustrationen Ubbelohdes?

Sie sind von zeitloser Schönheit und erzielen durch die stimmungsvoll dargestellten Landschaften und der „Konturenhaftigkeit“ der Figuren eine beeindruckende Wirkung. „Ubbelohde verstand es,“ so Siegfried Becker in einem Text auf der CD des Kreises, „jenen Freiraum für die Phantasie auch in seinen Federzeichnungen zu erhalten, der für das geschriebene und gesprochene Wort des Märchens so charakteristisch ist.“ Bernd Küster, ebenfalls auf dieser CD, erläutert dazu: „Niemand hat jemals mehr und intensiver für diese Märchen gezeichnet, und kaum ein Illustrator konnte sein Thema so zu seinem eigenen Anliegen machen.

Die große Aufgabe dieser Märchenillustration legte förmlich die Gelegenheit nahe, in die Zeitenthobenheit der Märchen Elemente der eigenen Lebenswelt und Vergangenheit einzubinden, gefördert durch den Umstand, dass sich die Brüder Grimm einmal in dieser Landschaft um Marburg viele ihrer unvergänglichen Märchenstoffe erzählen ließen.“

Was geschah mit den Originalen?

Für Otto Ubbelohde war es selbstverständlich, dass die Märchenillustrationen außerhalb eines kommerziellen Zusammenhangs standen. Sie durften folglich nicht verkauft werden. Als Otto Ubbelohde 1922 starb, übergab seine Frau, Johanna Ubbelohde, die Illustrationen dem damaligen Landkreis Marburg zu treuen Händen. Später wurden sie dann dem Kreis als Schenkung übereignet. Die Rechte an den Zeichnungen lagen bis 1992 beim Elwert-Verlag in Marburg.

Ubbelohde-Illustration des Märchens die SterntalerAuf der CD-ROM sind alle Illustrationen Ubbelohdes zu den Kinder- und Hausmärchen der Brüder Grimm zu sehen. Insgesamt sind es 448 Abbildungen. 2 Abbildungen wurden interessanterweise zwei Mal in unterschiedlichen Märchen verwendet und ebenfalls zwei Illustrationen sind nicht im Besitz des Landkreises Marburg-Biedenkopf. Die beiden fehlenden Illustrationen wurden übrigens den Kinder- und Hausmärchen der Brüder Grimm aus der Veröffentlichung des Elwert Verlages aus dem Jahr 1935 entnommen. So sind die Abbildungen auf der CD-ROM komplett.

Anfangs wurden die Illustrationen im alten Landratsamt des Landkreises Marburg an der Ecke Barfüßerstraße/Am Plan in Marburg ausgestellt. Leider ist nicht mehr feststellbar, ab wann sie dort zu sehen waren.

Als Kreisverwaltung und Landratsamt 1972 in das heutige Kreishaus nach Marburg-Cappel umzogen, wurden auch die Ubbelohde-Illustrationen dort wieder angebracht. Allerdings in anderen Rahmen und in anderer Zusammenstellung. Die Originale wurden im Erdgeschoss, im ersten, zweiten und dritten Geschoss ausgestellt. Erst im November 1987 wurden sie durch gute Kopien ersetzt und die Originale wanderten in einen Safe der Kreisverwaltung. Heute kann man die Kopien nach wie vor im Kreishaus in Marburg während der Öffnungszeiten der Verwaltung besichtigen.

Seit 1980 befindet sich dort auch die Gedenktafel „Otto Ubbelohde“. Sie erinnert an sein Geburtshaus in der Elisabeth-Straße 9 in Marburg, wo die Tafel bis zum Abriss dieses Gebäudes im Jahr 1966 angebracht war.

Im Jahr 2003 konnten die Originale als Dauerleihgabe der Otto-Ubbelohde-Stiftung überlassen werden. Die Illustrationen müssen derzeit nach rund 100 Jahren fast alle restauriert werden, um später dann im Ubbelohde-Haus ausgestellt werden zu können.


Ubbelohde-Illustrationen in Japan

Seit 1987 sind die Originale nur noch selten ausgestellt worden. Interessante Ausnahmen bildeten Ausstellungen in Japan. Dort sind die Märchen der Brüder Grimm mit den Illustrationen Ubbelohdes relativ populär. Das hängt auch damit zusammen, dass man in Japan erst in den letzten Jahren damit begonnen hat, die dortigen mündlich überlieferten Märchen schriftlich festzuhalten, so wie das die Brüder Grimm bei uns bereits im 19. Jahrhundert vollbrachten.

Unter großem Aufwand wurde ein Teil der Originale im Dezember 1987 in Tokyo-Oumida und im Januar 1988 in Osaka gezeigt. Vom Mai bis Oktober 1990 wurden einige Original-Illustrationen im „Glückskönigreich“ (eine Art Freizeitpark) auf Hokkaido der Öffentlichkeit präsentiert. Der Prospekt zum Glückskönigreich zeigt neben einem Mädchen in Schwälmer Tracht (wer denkt da nicht an Rotkäppchen?) deutlich den Bezug zu den Brüdern Grimm und ihren Märchen.

Das seltene Ausstellen der Zeichnungen hat viele Gründe. Die Kosten und der Aufwand sind sehr hoch. Die hohen Kosten bedeuten einen großen versicherungstechnischen Aufwand, einen beträchtlichen Sicherheitsbedarf sowie einen äußerst vorsichtigen Umgang mit den knapp hundert Jahre alten Originalzeichnungen.