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Informationen zum Equal-Pay Day, dem Tag der Lohngerechtigkeit – Abgeschnittene „Equal-Pay-Day-Geldscheine“ als Symbol für „rote Zahlen“ beim Frauenlohn

Pressemitteilung Nr. 110/2012 vom 16.03.2012
Marburg-Biedenkopf - Eine Woche vor dem eigentlichen Aktionstag informierten die Frauenkommission und das Frauenbüro des Landkreises Marburg-Biedenkopf im Landratsamt am Freitag, 16. März Politikerinnen und Politiker, Besucherinnen und Besucher und Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter über die gravierenden Lohnunterschiede bei Frauen und Männern im Foyer des Landratsamtes.

Um das Ausmaß der erheblichen Mindereinnahmen im Portemonnaie von Frauen zu veranschaulichen, wurden „Equal-Pay-Day-Geldscheine“ verteilt, bei denen ein knappes Viertel abgeschnitten war. Neben Infomaterialien mit Hintergrundinformationen wurden auch rote Taschen überreicht, die seit Jahren als Symbol für die „roten Zahlen“ beim Frauenlohn stehen. Aktuell verdienen Frauen in Deutschland im Durchschnitt 23 Prozent weniger als Männer. Der Termin des „Equal-Pay-Day“ am 23. März steht symbolisch für die Zeit, die Frauen über den Jahreswechsel hinaus länger arbeiten müssten, um an den Vorjahresverdienst der Männer heranzukommen. Deutschland ist damit im europäischen Vergleich der Entgeltlücke seit vielen Jahren unter den Schlusslichtern. Die Rentenlücke zwischen Frauen und Männern beträgt gar 59 Prozent zu Ungunsten der Frauen und ist eine logische Konsequenz der Lohnlücke, die sich übrigens mit zunehmendem Alter immer mehr vergrößert, da die Stundenlöhne von Frauen ab 30 Jahren wesentlich geringer ansteigen als die der gleichaltrigen Männer.

Die Ursachen und der Handlungsbedarf sind vielfältig. Rund zwei Drittel der Stundenlohnunterschiede der Geschlechter (sog. „Gender Pay Gap“) lassen sich strukturell erklären. Im Klartext: Zu einem großen Teil verdienen Frauen weniger, weil sie niedrigere Positionen innehaben oder in einem Beruf oder einer Branche mit geringeren Verdienstaussichten tätig sind. Einen bedeutenden Faktor dafür stellt die nach wie vor weitgehend geschlechterstereotype familiäre Aufgabenteilung dar: Meist ist es immer noch die Frau, die die Hauptverantwortung für Haushalt und Kindererziehung oder auch für die Pflege eines bedürftigen Familienmitgliedes übernimmt. Frauen haben seltener Führungspositionen und unterbrechen ihre Erwerbstätigkeit zu Lasten ihrer Karriere häufiger für Kinderbetreuung und Pflege. Während Männer also die Rolle der Hauptverdiener einnehmen, neigen Frauen zu familienbedingten Unterbrechungen der Berufstätigkeit und zu flexiblen Teilzeitjobs, die ein Erklimmen der Karriereleiter nur bedingt möglich machen. Führungspositionen sind sehr selten weiblich besetzt. Nicht zuletzt stützen das Steuer- und Sozialversicherungssystem eine klassische Rollenverteilung.

Doch was ist mit dem restlichen Drittel männlichen Mehrverdienstes, der sich nicht durch den geschlechterspezifischen Berufsweg erklären lässt? Selbst bei gleicher Qualifikation und Tätigkeit gibt es deutliche Entgeltunterschiede von statistisch 8 bis 10 Prozent zu Ungunsten der Frauen. Frauen werden also auch unmittelbar diskriminiert – und je höher ihre Stellung ist, desto stärker wird dies auf dem Gehaltszettel sichtbar. Ein Blick in den „Führungskräfte-Monitor“ 2010 des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) verrät, dass Frauen in Führungspositionen sogar durchschnittlich 28 Prozent weniger bekommen als ihre männlichen Kollegen.

„Chancengleichheit bedeutet das Prinzip „Gleicher Lohn für gleiche Arbeit“ für Frauen und Männer umzusetzen und die Entgelt-Ungleichheit mit vielfältigen Maßnahmen zu überwinden. Deshalb setzen wir uns beispielsweise für den Girls’Day ein, um das Berufswahlverhalten von Mädchen und jungen Frauen zu erweitern und unterstützen Frauen bei ihrem beruflichen Wiedereinstieg und ihrer beruflichen Weiterentwicklung in unserer Verwaltung und im gesamten Landkreis“, erklärte Landrat Robert Fischbach.

„Dazu bieten wir unter anderem ein umfangreiches Fortbildungsprogramm zur Schulung von beruflichen Schlüsselqualifikationen an“, erklärte die Frauenbeauftragte des Landkreises Claudia Schäfer und Ingrid Balzer, die Vorsitzende der Frauenkommission wies darauf hin, dass ein flächendeckender Ausbau von Kindertagesstätten und von Betreuungsangeboten für Kleinkinder, Müttern und auch Vätern eine bessere Vereinbarung von Familie und Beruf ermögliche und deshalb eine wichtige strukturelle Rahmenbedingung zur Verbesserung der Situation darstelle.

Was Unternehmen tun können? Solange es noch keine gesetzlichen Verpflichtungen gibt, ist zu hoffen, dass mehr Unternehmen sich eigenständig um die Tilgung ihres firmeneigenen „Gender Pay Gap kümmern“. Mittlerweile gibt es einige Programme, die ihnen helfen, den ersten Schritt zu tun, um herauszufinden, wie es um die Entgeltgleichheit in ihrem Betrieb bestellt ist. Als Prüfinstrumente stehen die Lohntests „eg-check“ oder „Logib-D: Lohngleichheit im Betrieb – Deutschland“ vom Bundesministerium zur Verfügung, die beide kostenlos im Internet abrufbar sind.

Nähere Informationen erhalten Interessierte unter www.equalpayday.de oder im Frauenbüro, Claudia Schäfer, Frauenbeauftragte des Landkreises, Tel. 06421 405-1310.
 

  Die Frauenkommission und das Frauenbüro des Landkreises informierten im Foyer des Landratsamtes während der Kreistagssitzung über den "Equal-Pay-Day". Foto: Landkreis
Die Frauenkommission und das Frauenbüro des Landkreises informierten im Foyer des Landratsamtes während der Kreistagssitzung sowohl Besucherinnen und Besucher als auch Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Verwaltung sowie Politikerinnen und Politiker über den "Equal-Pay-Day" (v.l.n.r.): Katharina Schulze (Bündes 90/Grüne), Rosemarie Lecher (CDU) Claudia Schäfer (Frauenbeauftragte des Landkreises), Bundestagsabgeordneter Sören Bartol (SPD) und Ingrid Balzer (Vorsitzende der Frauenkommission, CDU)
Foto: Landkreis

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