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Vom Altenclub zum Treffpunkt - Seniorenbildung im Landkreis Marburg-Biedenkopf
(Pressemeldung 15/2003 vom 20.01.2003) Landrat Robert Fischbach machte deutlich, dass der Landkreis auf nunmehr über 30 Jahre erfolgreiche "Seniorenbildung" zurückblicken könne. Bereits im Jahr 1972 begann die Volkshochschule im Auftrag des Kreistages im ehemaligen Landkreis Marburg die ersten 15 Altenclubs zu gründen. Man hatte damals erkannt, dass sich die älteren Menschen zunehmend mit völlig neuen Entwicklungen auseinandersetzen mussten. Die vielfältigen gesellschaftlichen Veränderungen gerade auf dem Land erforderten von den Älteren ein Umdenken, dem sie aus eigener Kraft kaum gewachsen waren. Die jungen Menschen überwanden die Enge des Dorfes oder verließen es sogar, deren Eltern spürten, dass die Überschaubarkeit und die damit verbundene Geborgenheit ihres täglichen Lebens verloren ging.

Freizeit zu gestalten, war jedoch etwas, was diese älteren Menschen nach zwei Weltkriegen und dem anschließenden Wiederaufbau nicht gelernt hatten, weil sie ein Leben ohne Arbeit gar nicht kannten. Jahre später, als den Seniorinnen und Senioren des Landkreises das Reisen schon liebgewordene Gewohnheit war, äußerte sich eine Teilnehmerin auf einer mehrtägigen Fahrt an die Ostsee: "Wie schön, dass wir das alles sehen können. Unsere Eltern haben das doch alles nicht gehabt. Die haben gearbeitet, bis sie umfielen, und dann hat man sie zum Friedhof getragen."

Die Auswirkungen der Gebietsreform trafen gerade die ältere Bevölkerung in besonderem Maße: Der Zusammenschluss der Dörfer zu Großgemeinden und die damit verbundene Verlegung der Verwaltungen war für sie oft nicht mehr überschaubar; der fortlaufende Abbau des öffentlichen Nahverkehrs erschwerte die Neuorientierung; vielerorts schlossen die letzten Geschäfte.

Zunächst einmal mussten die Älteren erreicht werden. Das geschah in enger Zusammenarbeit mit den Bürgermeistern, ihren Stadt- und Gemeindeverwaltungen, den Kirchen und Verbänden, um die bereits bestehenden Aktivitäten zu koordinieren. Für Viele waren da Barrieren zu überwinden Die zunächst 15 Gruppen der Volkshochschule trafen sich im "Altenclub", um sich im monatlichen Rhythmus zu treffen.

Die Volkshochschule sorgte für die Beförderung und für ein Vortragsprogramm, das sich an den Interessen der Teilnehmerinnen und Teilnehmer orientierte. Auch auf dem Lande galt und gilt es zunehmend, der Vereinsamung entgegenzuwirken. Heute hat jeder Ältere im gesamten Landkreis die Möglichkeit, an diesen Veranstaltungen teilzunehmen. Die Besucherinnen und Besucher der meisten Altenclubs – unter ihnen vor allem die "Jüngeren" – haben sich 1990 für die Umbenennung von "Altenclubs" in "Treffpunkte" ausgesprochen. In den letzten Jahren haben pro Jahr durchschnittlich circa 14.000 Seniorinnen und Senioren in über 60 Treffpunkten an etwa 420 Veranstaltungen teilgenommen.

Vor Ort fanden sich ehrenamtliche Helferinnen, die die Organisation der Nachmittage übernahmen. Hunderte sind es inzwischen im gesamten Landkreis, von denen mehr als 600 über zehn Jahre dabei waren oder noch sind und zahlreiche Helferinnen bereits auf eine zwanzigjährige ehrenamtliche Mitarbeit zurückblicken können.


Über diese Nachmittage hinaus entstand in den folgenden Jahren ein umfangreiches Fahrtenprogramm, mit dessen Verschiedenartigkeit die Volkshochschule den unterschiedlichen Wünschen und Kräften der Seniorinnen und Senioren gerecht werden möchte. Von Anfang an wurden Halbtagesfahrten unternommen, um die nähere Heimat kennen zu lernen. Zwei Jahre später folgten die Tagesfahrten mit Sonderzügen, die über Hessen hinausführten und in den ersten Jahren einen geradezu überwältigenden Zuspruch fanden und damit offensichtlich ein ganz besonderes Bedürfnis befriedigten.

Die Seniorenbildung im Landkreis Marburg-Biedenkopf wäre ohne die ehrenamtlichen Helferinnen nicht zu verwirklichen, erläuterte Landrat Fischbach. Der Dank für ihren Einsatz bedeutet für den Landkreis auch die Verpflichtung, ihnen das Helfen so leicht wie möglich zu machen. Seit 1974 werden von der Volkshochschule Altenhelferkurse angeboten, in denen die Teilnehmerinnen an 24 Abenden nützliche Kenntnisse aus den verschiedensten Bereichen erwerben: Unter anderem sind dies Alterskrankheiten, Arzneimittelkunde, Alterspsychologie, Diät, Sozialrecht, Erb- und Testamentsrecht, häusliche Krankenpflege. Mehr als 900 Helferinnen und Helfer haben diese Kurse mit dem "Altenhelferbrief" abgeschlossen. Seit einigen Jahren ist es der Volkshochschule aus verschiedenen Gründen nicht mehr gelungen, diese sehr gefragten Weiterbildungskurse anzubieten.

Großen Zuspruch fanden zudem die seit dem Jahr 2000 von der Volkshochschule organisierten Kreisseniorennachmittage. In den zwei Veranstaltungen konnten über 1750 ältere Mitbürgerinnen und Mitbürger einen attraktiven und abwechslungsreichen Nachmittag erleben.
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