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Sichertshausen in Dorferneuerungsprogramm aufgenommen
(Pressemeldung 8/2004 vom 15.01.2004) Landrat Robert Fischbach freute sich, dass als weitere Gemeinde im Landkreis Marburg-Biedenkopf der Ortsteil Sichertshausen in das Dorferneuerungsprogramm aufgenommen werden konnte. Er überreichte bei einem Besuch das Anerkennungsschreiben der Hessischen Landesregierung. Sichertshausen ist mit 452 Einwohnern ein Ortsteil von Fronhausen. Durch seine Lage im Lahntal zwischen Marburg und Gießen ist Sichertshausen verkehrsgünstig und doch landschaftlich reizvoll gelegen.

Vor Fertigstellung der B 3 a im Jahr 1994 war Sichertshausen sehr stark geprägt durch den starken Durchgangsverkehr mitten durch die alte Ortslage. Die alte Ortsstraße ist auch immer noch gezeichnet von ihrem auf hohes Verkehrsaufkommen ausgerichteten Charakter, obwohl schon Rückbaumaßnahmen durchgeführt wurden. Auch für private Bauherren war die Belastung durch den Durchgangsverkehr investitionshemmend.

Bereits im Jahr 1988 ersuchte die Gemeinde Fronhausen aufgrund von Aussagen der agrarstrukturellen Vorplanung um die Aufnahme von Sichertshausen in das Dorferneuerungsprogramm. Nach Auslaufen des Dorferneuerungsschwerpunktes Bellnhausen und Holzhausen fiel die Entscheidung dann jedoch zugunsten der Kerngemeinde Fronhausen. Im Rahmen des laufenden Flurneuordnungsverfahrens konnten erste dorferneuernde Maßnahmen in Sichertshausen durchgeführt werden. In diesem Zusammenhang wurde auch im Jahr 1997 durch das Büro für Umweltkommunikation, Herrn Dr. Smolka, eine Klärungsphase durchgeführt.

Der Ortsteil hat sich durch aktive Mitarbeit an der Klärungsphase sowie durch die erfolgreiche Teilnahme am Wettbewerb „Unser Dorf“ in 1999 qualifiziert. Die intakte und aktive Dorfgemeinschaft bietet gute Ansatzpunkte für die Projektarbeit.

Der alte Ortskern ist geprägt durch eine schöne historische Bausubstanz, überwiegend in Fachwerk-Bauweise. Insbesondere die rund 40 leerstehenden oder untergenutzten Wirtschaftsgebäude verlangen nach neuen Nutzungskonzepten. Dazu kommen noch fünf leerstehende Wohngebäude. Für ungefähr 25 historische Gebäude wird Sanierungsbedarf angemeldet. Für kommunale Vorhaben wurden seitens der Bevölkerung Wünsche und Ideen für die Weiterentwicklung des Ortes genannt. Im öffentlichen Raum geht es insbesondere um Gestaltung von Treffpunkten in der Ortsmitte. Zu nennen ist hier der Platz um das Backhaus, der auch für Vereinsfeste gut genutzt wird.

Zu betonen ist insgesamt das rege Vereinsleben und die gute Dorfgemeinschaft. In diesem Zusammenhang werden auch kleinere Baumaßnahmen am Dorfgemeinschaftshaus gewünscht; insbesondere ist hier an den Anbau eines Jugendraumes gedacht, den es bisher nicht gibt. Die Sanierung des alten Feuerwehrhäuschens, Spielplatzoptimierung, Sanierung des Backhauses, Sanierung der Friedhofsmauer sowie grünordnerische Maßnahmen sind weitere Gedanken der Ortsbevölkerung zur Dorferneuerung.

Überdacht werden sollten im Rahmen der Konzeptentwicklung auch touristische Ansätze, da Sichertshausen unweit des Lahnradweges durchaus ein interessanter Haltepunkt für Touristen aus der näheren und ferneren Umgebung sein kann.

Im Rahmen der Erarbeitung des Dorfentwicklungskonzeptes sind auch die nachfolgenden Inhalte an die Bürger des Ortes mit methodischer Kompetenz heranzutragen und über einen Diskussionsprozess zu nachvollziehbaren Ergebnissen zu führen.

1. Die Einbindung des Ortes in die gemeindliche und regionale Entwicklung
Hierbei sind zum Beispiel die Auswirkungen der demographischen Entwicklung unserer Gesellschaft für den Ort abzuschätzen. Das innerörtliche Potential für Wohnraum ist zu erarbeiten, daraus eine Abschätzung der Umsetzungsmöglichkeiten sowie Maßnahmenvorschläge zur Aktivierung des Potentials. Die Tourismusaktivitäten in der Destination Lahntal sind als Entwicklungschancen zu diskutieren, dabei sind auch die zur Zeit laufenden Bestrebungen, einen „Zwester-Ohm-Radweg“ zu installieren, einzubeziehen.

2. Erhaltung und Entwicklung standortgerechter Arbeitsplätze
Die Arbeitsplatzsituation im Ort und in der Region ist darzustellen, dabei Potentiale im Rahmen der Dorferneuerung aufzuzeigen.

3. Entwicklung der Landwirtschaft
In Zusammenarbeit mit der Abteilung Landwirtschaft des Staatlichen Landrates Marburg-Biedenkopf ist die Situation der Landwirtschaft im Ort aufzuarbeiten und die unter den zukünftigen Rahmenbedingungen möglichen Entwicklungsmöglichkeiten aufzuzeigen.

4. Aktivierungspotentiale in der Bürgerschaft
Die Aktivitäten der Bürgerschaft im Ort sind darzustellen. Die derzeitige Auslastung des Bürgerhauses sowie zukünftige Nutzungsmöglichkeiten sollten Grundlage für dortige Erweiterungsabsichten sein. Bei Veränderungen sind neben den Investitionskosten auch die Folgekosten abzuschätzen und die Investitionskosten- als auch eine Folgekostenentlastung für die Kommune zu prüfen. Es ist zu prüfen, welche zusätzlichen Aktivierungspotentiale für soziale, kulturelle und ökologische Themenstellung vorhanden sind.

Ebenso ist zu diskutieren, ob und gegebenenfalls wie aus dem Ort heraus Aktivitäten im kommunalen und regionalen Interesse entwickelt werden können.

Zur Einführung in die Phase des Dorfentwicklungskonzeptes ist seitens des Amtes für den ländlichen Raum ein eintägiges Seminar und eine Tagesexkursion zu verschiedenen Projekten geplant. Der Moderator ist gehalten, an diesen Veranstaltungen teilzunehmen. Der Aufwand für die Konzeptentwicklung wird als hoch eingestuft. Trotz der bereits in 1997 erfolgten Vorklärung wird aufgrund des dazwischenliegenden Zeitraumes und neuer Problemstellungen eine Konzeptentwicklung im üblichen Rahmen gewünscht.
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