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Neujahrsempfang des Landkreises - Hans Dieter Brenner hielt Festvortrag über die Finanz- und Bankenkrise
(Pressemeldung 7/2010 vom 11.01.2010)

Marburg-Biedenkopf – Vor knapp 300 Gästen auf dem Neujahrsempfang des Landkreises erläuterte zuerst Landrat Robert Fischbach die Situation im Landkreis Marburg-Biedenkopf einerseits rückblickend auf 2009 aber auch vorausschauend auf 2010. Anschließend referierte der Festredner Hans Dieter Brenner (Vorstandsvorsitzende der Landesbank Hessen-Thüringen) über das Thema: “Hat Deutschland die Finanz- und Bankenkrise bereits bewältigt?“

Der Neujahrsempfang stand in diesem Jahr auch im Zeichen des 50. Hessentages, der 2010 in Stadtallendorf stattfindet. Sowohl die sehr gelungene musikalische Umrahmung mit dem Collegium Musicum aus Stadtallendorf und seinem Leiter Georgi Kalaidjiev als auch das Hessentagspaar Mona-Lorena Monzien und Fabian Gies machten damit auch erfolgreich Werbung für den Hessentag. 
Auch vor uns in unserem Landkreis habe die Wirtschaftskrise nicht halt gemacht – weder vor den Unternehmen noch vor Städten und Gemeinden und dem Landkreis. Das verrate spätestens der Blick in unsere Haushaltskassen, so der Landrat.

Er zeigte den Besuchern eine Reihe von wichtigen Punkten aus dem Jahr 2009 auf, die hier nur kurz aufgezählt werden können. Die Umsetzung des Sonderinvestitionsprogramms war eine große Herausforderung für den Landkreis. 32,4 Millionen Euro zusätzlich mussten verplant und verausgabt werden, eine gewaltige Aufgabe in dieser engen Zeitvorgabe. Der Kreis investierte zielgerichtet und mit wirtschaftlicher Vernunft und Nachhaltigkeit. Ende des Jahres 2009 waren bereits 66 % der Summe beauftragt und davon wiederum rund 70 % an heimische Unternehmen.

Das KreisJobCenter habe im fünften Jahr seines Bestehens erneut hervorragende Arbeit geleistet und sich am Arbeitsmarkt sprichwörtlich behauptet. Die Arbeitgeber im Landkreis hätten mit dem KreisJobCenter einen zuverlässigen Partner an der Hand.
„2009 war auch ein Jahr, in dem uns die Schweinegrippe in Atem gehalten hat. Sie ist - Gott sei Dank – glimpflicher abgelaufen als befürchtet und wir wollen hoffen, dass das auch in den nächsten Wochen des Winters so bleibt“, so Landrat Fischbach.
Beim Bau des neuen Gefahrenabwehrzentrums ist es für den Kämmerer wichtig, dass die Kostenschätzung eingehalten wurde. Am 1. April wird es planmäßig in Betrieb genommen.
Darüber hinaus verwies der Landrat auf den Ersten Spatenstich der K 92, der so genannten Ferreroumgehung, die den Standort Stadtallendorf weiter stärke.

Eine wichtige Botschaft des Landrats an die Bürger war auch die Modernisierung der Rettungswachen im Landkreis. Kirchhain wurde bereits eingeweiht, in Stadtallendorf konnte der Grundstein gelegt werden und in Biedenkopf sind die Vorraussetzungen für einen Neubau geschaffen worden.
Im Bereich Klimaschutz und Energie gehe der Landkreis bereits seit ein paar Jahren erfolgreich seinen Weg: Die Erstellung eines Klimaschutzkonzeptes sei auf den Weg gebracht. Der Kreis sei sehr zuversichtlich, dass dieses in Kürze vom Bundesministerium genehmigt wird. Ein großes Ziel bleibt es, bis zum Jahr 2040, die Energiemenge, die im Kreis verbraucht wird, hier selbst zu produzieren. Danach sollen in einem ersten Teilschritt 2010 zehn Prozent erreicht werden, was am Ende des Jahres überprüft werden kann.
Ein anderes wichtiges Thema, das im Jahr 2010 weiter an Fahrt aufnehme, sei die Entwicklung des Landkreises zur Gesundheitsregion.

Landrat Fischbach hob auch das Projekt zum Freiwilligendienst hervor, das sich sehr gut entwickelt habe. und durch das Bundesfamilienministerium auch im nächsten Jahr als Leuchtturmprojekt gefördert wird.
Schließlich verwies Landrat Fischbach darauf, dass noch im Jahr 2008 der Landkreis Defizite abbauen konnte. Derzeit betrage das kumuliertes Defizit 75 Millionen Euro. Nach der jetzt vorliegenden Prognose würde sich das Defizit bis zum Jahr 2013 verdreifachen und 233 Millionen Euro betragen. „Bezogen auf alle 21 hessischen Landkreise ist die Situation vergleichbar dramatisch. Bis 2009 verzeichnen die Kreise kumulierte Defizite von rund 1,8 Milliarden Euro. Schon 2011 droht eine Verdoppelung dieses Betrages und bis 2013 eine Verdreifachung. Die kommunale Familie muss sich im kritischen Dialog mit dem Land offen mit den Handlungsfeldern auseinandersetzen. Das gemeinsame Ziel muss eine Neuausrichtung der kommunalen Finanzausstattung sein und ich hoffe sehr, dass am Ende die Erkenntnis steht, dass die geplante Absenkung des Kommunalen Finanzausgleichs um 400 Millionen seitens des Landes der falsche Weg ist, um diese Neuausrichtung zu erreichen“, erläuterte Fischbach.
Schließlich verwies der Landrat darauf, dass bei einem bundesweiten Ranking im Focus Marburg-Biedenkopf nach den beiden Taunuskreisen auf Rang drei im Hessenvergleich stehe. Auch der Platz 72 von 401 Landkreisen im Bundesvergleich ist ein sehr beachtliches Ergebnis. Damit könnten wir sehr zufrieden sein. Diese Ergebnisse würden deutlich machen, dass Marburg-Biedenkopf ein guter Standort sei.

In einem interessanten Vortrag erläuterte der Vorstandsvorsitzende der Landesbank Hessen-Thüringen, Hans Dieter Brenner, wie der aktuelle Stand der Finanz- und Bankenkrise ist.
Für Deutschland könne man sagen, dass man nach dem starken Konjunktureinbruch wieder Licht am Ende des Tunnel sehen könne. Als exportorientierte Industrienation würden wir sicherlich auch mit als erste von einer verbesserten Konjunktur profitieren. Die Auftragslage habe sich insgesamt gebessert. Während man in Deutschland mit einem Wirtschaftswachstum von circa zwei Prozent rechne, seien es in der Eurozone lediglich 1,4 bis 1,5 Prozent.
Im Landkreis sei die Lage vergleichsweise gut. Die Arbeitslosenquote sei deutlich besser als im Durchschnitt der mittelhessischen Landkreise.
Brenner erläuterte, dass es zwar eine Phase des Aufschwungs geben würde, aber es sei nicht der Moment, um sich jetzt zurückzulegen. Vielmehr sei jetzt Nachhaltigkeit gefordert. Wahrscheinlich werde erst Ende 2012 das Bruttosozialprodukt wieder den Stand von 2008 erreichen.
Das Ende der Bankenkrise sei noch nicht erreicht, wie die Beispiele Dubai und Kärtnerbank deutlich machen würden. Es gelte für die Institute, wieder das Vertrauen zurückzugewinnen. Diese würden aber auch noch Jahre für die Rückzahlung der staatlichen Kredite benötigen. Die Rezession sei noch nicht vollständig verkraftet und die Gefahr einer „neuen Blase“ bestehe (v.a. England, USA).
Beifall erntete Brenner, als er deutlich machte, dass das Bankgeschäft primär ein Kundengeschäft sei. Die Ausrichtung der Banken sollte drei Bereiche berücksichtigen: 1. Ein auf die Kunden orientiertes langfristiges und nachhaltiges Geschäftsmodell. 2. Stabile Geschäftssttrukturen und 3. ein umfangreiches Risiko-Managementsystem.
Notwendige Reformen und verschärfte Regelungen im Bankensektor seien ohne Alternative.
Nach den Vorträgen wurde im Foyer die Gelegenheit von den Besuchern intensiv genutzt, um mit Vertretern aus Wirtschaft, Politik und Verwaltung zu diskutieren.

Beim Eintrag ins Goldene Buch des Landkreises: Das Hessentagspaar Fabian Gies und Mona-Lorena Monzien, Hans Dieter Brenner und Landrat Robert Fischbach. Vorschau - Foto: Landkreis
intrag ins Goldene Buch des Landkreises (v.l.n.r.): das Hessentagspaar Fabian Gies und Mona-Lorena Monzien, Hans Dieter Brenner und Landrat Robert Fischbach. Foto: Landkreis
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