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Landkreis Marburg-Biedenkopf sucht Schulterschluss im Kampf gegen gefährliche Erreger – Fachbereich Gesundheit des Kreises engagiert sich in regionalem Netzwerk / Aufruf an Akteure im Pflege- und Gesundheitsbereich zur Mitarbeit

(Pressemitteilung Nr. 066/2012 vom 28.02.2012)
Marburg-Biedenkopf – Multiresistente Erreger (MRE) stellen eine zunehmende gesundheitliche Bedrohung in ambulanter wie stationärer medizinischer Versorgung dar. Die effektive Bekämpfung setzt eine koordinierte, überregionale Vorgehensweise der Akteure im Gesundheits- und Pflegewesen sowie einen zielgerichteten Austausch von Wissen und Erkenntnissen voraus. „Durch seine aktive Mitgliedschaft im MRE-Netz Mittelhessen nimmt der Landkreis Marburg-Biedenkopf seine Verantwortung wahr und weitet sein Engagement in diesem Bereich aus“, erklärt der Erste Kreisbeigeordnete und Gesundheitsdezernent Dr. Karsten McGovern.

„Antibiotika sind zweifellos einer der wesentlichen Fortschritte der modernen Medizin. Anfängliche Hoffnungen, dass sie geeignet seien, Infektionskrankheiten zu besiegen, haben sich indes nicht bestätigt. Vielmehr offenbart sich in den letzten Jahren zunehmend, dass der breite und oft unkritische Einsatz der Antibiotika erhebliche Probleme nach sich zieht: Krankheitserreger werden gegenüber den eingesetzten Antibiotika resistent, also unempfindlich“, erläutert Dr. Martin Just vom Fachdienst Gesundheitsaufsicht und Infektionsschutz des Fachbereichs Gesundheit. Eine Multi-Resistenz liegt vor, wenn Keime gegen mehrere Antibiotika resistent sind. Beispiele dieser multiresistenten Erreger sind „MRSA“, „VRE“ und „ESBL“. Das sind Bakterien, die gegen spezielle Antibiotika unempfindlich sind oder die wegen besonderer Eigenschaften in der Lage sind, Antibiotika zu spalten und damit unwirksam zu machen. (s. „Hintergrund“)

Nach Einschätzung der Europäischen Gesundheitsbehörde (ECDC) stellen MRE die bedeutendste Krankheitsbedrohung in Europa dar. Von der Problematik sind insbesondere Krankenhäuser betroffen. Die Rate der Infektionen mit MRE ist hoch und hat in den letzten Jahren teilweise rasant zugenommen. Jährlich erwerben rund drei Millionen Menschen in Europa eine Krankenhausinfektion, dabei kommt es zu etwa 50.000 Todesfällen.

„Wir möchten alle Akteure des Gesundheits- und Pflegewesens für die Mitwirkung im MRE-Netz Mittelhessen gewinnen“, sagt Amtsarzt Dr. Ingo Werner. „Unter Koordination des öffentlichen Gesundheitsdienstes sollen dabei einheitliche und verbindliche Verfahrensweisen im Umgang mit MRE unter der Zielsetzung der optimalen Nutzung vorhandener und erforderlichen Maßnahmen zur Erkennung, Behandlung und Bekämpfung multiresistenter Erreger erarbeitet und durchgesetzt werden“, erklärt Dr. Werner.

Daher wurden alle Krankenhäuser, Arzt- und Zahnarztpraxen, Dialyseeinrichtungen, Einrichtungen für ambulantes Operieren, Hebammen und Entbindungseinrichtungen, Alten- und Pflegeheime, Ambulante Pflegedienste, Rettungs- und Krankentransport-Dienste, Podologie- und Fußpflegepraxen sowie Medizinische Rehabilitationseinrichtungen vom Fachbereich Gesundheit angeschrieben und gebeten, Mitglied im MRE-Netz Mittelhessen zu werden und am 21. März 2012 ab 14:00 Uhr an der Auftaktveranstaltung in der Kongresshalle Gießen teilzunehmen. Allein aus dem Landkreis Marburg Biedenkopf haben zwischenzeitlich mehr als 50 Teilnehmer zugesagt.

Unabhängig davon ruft der Landkreis Marburg-Biedenkopf alle Akteure und Einrichtungen des Gesundheits- und Pflegewesens auf, Mitglied im MRE-Netz Mittelhessen zu werden und sich aktiv in dessen Arbeit einzubringen. „Der Erfolg des MRE-Netz Mittelhessen wird wesentlich von der Mitarbeit und dem Engagement der beteiligten Akteure abhängen“, betont Dr. Martin Just.

Informationen im Internet: www.mre-netz-mittelhessen.de

Kontakt:
www.mre-netz-mittelhessen.de
Landkreis Marburg-Biedenkopf
Fachbereich Gesundheit
Dr. M. Just
Telefon: 06421 405-4129
Fax: 06421 405-4165
E-Mail: justM@Marburg-Biedenkopf.de

Für die Organisation
Herr I. Isikci
Telefon: 0641 9390-1611
Fax: 0641 9390-1605
E-Mail: iskender.isikci@lkgi.de


Hintergrund:

Die Abkürzung „MRSA“ steht für „Methicillin-resistenter Staphylococcus aureus“, also ein Bakterium aus der Gattung der Staphylokokken, die unter dem Mikroskop betrachtet häufig wie Trauben angeordnet sind. Diese Bakterien sind resistent, also unempfindlich gegen methicillinhaltige Antibiotika (zum Beispiel Penicillin) und weisen häufig zudem Resistenzen gegen weitere Antibiotika auf, weshalb der Keim auch als „Multi-resistenter Staphylococcus aureus“ bezeichnet wird.

Die Abkürzung „VRE“ steht für „Vancomycin-resistente Enterokokken“, also Bakterien aus der Familie der Enterokokken, die gegen vancomycinhaltige Antibiotika resistent sind. Enterokokken sind Teil der natürlichen Mikroflora, kommen zum Beispiel im Verdauungssystem des Menschen vor und sind dort nützlich. Bei einer Schwächung des Immunsystems jedoch können diese Bakterien jedoch Infektionen hervorrufen.

Die Abkürzung „ESBL“ steht für „Extended Spectrum β-Lactamasen“ und bezeichnet Bakterien, die in der Lage sind, ein besonderes Enzym zu bilden. Dieses Enzym kann eine bestimmte chemische Struktur in Antibiotika spalten und macht das Medikament so wirkungslos. Diese Enzyme werden β-Lactamasen (sprich: Beta-Lactamasen) genannt; die entsprechenden Bakterien haben ein erweitertes Spektrum an Antibiotika („Extended Spectrum“), gegen die sie resistent, also unempfindlich sind.
 

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