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Interkommunale Zusammenarbeit erleichtert Planungen und fördert Schutz der Natur - Projekt ist neuartig in Hessen und bundesweit bislang sehr selten
(Pressemeldung 23/2004 vom 29.01.2004) Durch interkommunale Zusammenarbeit wollen der Landkreis und eine Reihe von Städten und Gemeinden Planungen erleichtern und Konflikte mit dem Naturschutz vermeiden. Mit der Gründung der Agentur Naturentwicklung wird, so der Erste Kreisbeigeordnete Dr. Karsten McGovern, zugleich auch die Idee der Schaffung von größeren zusammenhängenden Entwicklungsgebieten für die Natur gefördert. Die Kommunen können damit verstärkt die neuen Instrumente von sogenannten „Flächenpools“ und „Ökokonten“ nutzen. Das ist nach Aussage des Ersten Kreisbeigeordneten in dieser Form in Hessen neuartig und selbst bundesweit nur sehr selten in ähnlicher Form zu finden.
Mit der Unterzeichnung einer Rahmenvereinbarung zur Gründung der Agentur Naturentwicklung Marburg-Biedenkopf geben die ersten sechs Kommunen Angelburg, Breidenbach, Dautphetal, Gladenbach, Lohra, Münchhausen, vertreten durch die Bürgermeister Mai, Reitz, Hauswirth, Knierim, Brand und Funk sowie Dr. Karsten McGovern als Vertreter des Kreisausschusses und Dezernent für Naturschutz, den Startschuss für diese ungewöhnliche Zusammenarbeit.
Die Idee zur Gründung einer Agentur Naturentwicklung Marburg-Biedenkopf geht zurück auf eine Initiative des Kreisausschusses des Landkreises, der eine solche Agentur angeregt hatte und fiel, wie der Sprecher der Bürgermeister im Landkreis Hermann Brand ausführt, zusammen mit ähnlich gelagerten Überlegungen in einer Reihe von Städten und Gemeinden. Die Agentur, die als außerbehördliche Beratungs- und Dienstleistungsorganisation tätig sein wird – und nicht in Konkurrenz mit Planungsbüros tritt -, soll sich um die Umsetzung und Betreuung von kreiseigenen und kommunalen Naturschutzprojekten kümmern, aber auch die Kommunen bei der Erfüllung ihrer gesetzlicher Aufgaben im Naturschutz unterstützen. Auch Privatpersonen, die Fragen zu Natur und Landschaft haben oder selbst einen Eingriff oder ein Projekt im Rahmen eines Ökokontos planen, können Hilfe bei der Agentur finden.
Die Initiatoren sehen insbesondere Vorteile durch die Einrichtung eines Flächenpools, mit dessen Hilfe der derzeitige Flickenteppich an kommunalen und kreiseigenen Naturschutzflächen durch größere Verbundprojekte effizienter gestaltet werden kann. Grundlage hierfür ist jedoch ein kreisweites Konzept, das sich an dem naturschutzfachlichen Potential unserer heimischen Landschaft orientiert und auch von den beteiligten Kommunen und anderen Fachbehörden mitgetragen wird. Interkommunale Zusammenarbeit heißt hierzu das Schlagwort. Durch solche Naturschutzprojekte, die auch als ´Schadensersatz´ durch Eingriffe in Natur und Landschaft verstanden werden können, lässt sich nicht nur etwas für unsere heimischen Tiere und Pflanzen, sondern auch für uns Menschen tun: der Sonntagsspaziergang wird erlebnisreicher, die Landschaft lädt zum Entdecken und Verweilen ein.
Als Beispiel nennen die Initiatoren die Umsetzung der vorliegenden Planung zur Renaturierung des Salzböde-Einzugsgebietes. Durch Zusammenarbeit der Kommunen Lohra und Gladenbach sowie der Unteren Naturschutzbehörde und anderer Fachbehörden könnte dieses Großprojekt mit Hilfe der Moderation durch die Agentur verwirklicht werden. Gezieltes Flächenmanagement, Berücksichtigung bereits vorhandener wertvoller Strukturen, Auswahl geeigneter Maßnahmen und vor allem die Beteiligung der Betroffenen im Rahmen von Runden Tischen sind das Handwerkszeug für ein erfolgreiches Naturschutzprojekt.

Die Initiative zur Etablierung einer solchen Agentur findet bei den meisten Kommunen und Behörden des Landkreises ein positives Echo. Dies ist das Ergebnis einer Bedarfsermittlung, die im vergangenen Jahr durchgeführt wurde. Auch die Überlegungen zur Organisationsform der Agentur sind bereits recht weit gediehen. Wunsch aller Beteiligten ist, keinen ´behördlichen Wasserkopf´ zu schaffen, sondern die Aufgaben ziel- und leistungsorientiert zu erbringen. Dies setzt nicht nur eine geeignete Organisationsform, sondern auch ein angepasstes und weitgehend EDV-gestütztes Management der Arbeitsabläufe voraus. Auch hier wird mit der Agentur Neuland betreten.

Hermann Brand, Bürgermeister der Gemeinde Lohra, verwies darauf, dass die beteiligten Kommunen darauf hoffen, Fachwissen gemeinschaftlich verwenden zu können. Außerdem könne der Naturschutz dadurch vielleicht so geregelt werden, dass die Leute Interesse daran fänden. Auch Bürgermeister Norbert Mai aus Angelburg begrüßte diese Initiative. Hier könne reale Naturentwicklung vorangetrieben werden. „Kleine Kommunen können die Pflege und Verträge nicht mehr realisieren. Man kann froh sein, dass die Agentur Naturentwicklung Marburg-Biedenkopf existiert und dass der ganze Nachholbedarf bezüglich der Ausgleichsflächen durch die Agentur aufgearbeitet werden kann“, erklärte Bürgermeister Peter Funk aus Münchhausen.

In den nächsten zwei Jahren sollen nun die Voraussetzungen für die Etablierung einer eigenständigen Organisation geschaffen werden. Hierzu hat der Kreisausschuss eine externe Gutachterin beauftragt. Dr. Karsten McGovern hofft, dass sich weitere Kommunen entweder durch Abschluss einer Rahmenvereinbarung oder durch die Nutzung des Angebots der Agentur an dieser für Hessen beispielhaften Zusammenarbeit beteiligen.
Die Agentur wird in Kürze mit einer eigenen E-Mail-Adresse und einer Homepage im Internet vertreten sein. Für diejenigen, die schon heute Kontakt aufnehmen und weitere Informationen zur Arbeit der Agentur einholen möchten, steht Dr. Ursula Mothes-Wagner, Tel.: 06453/911-678 oder mobil 0160/8438729 zur Verfügung.
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