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Gemeinsame Pressemitteilung von Industrie und Handelskammer Lahn-Dill, Kreishandwerkerschaft Lahn-Dill, Kreishandwerkerschaft Biedenkopf, Vereinigung der hessischen Unternehmerverbände - Geschäftsstelle Mittelhessen, Agentur für Arbeit Wetzlar, KreisJobCenter Marburg-Biedenkopf, Lahn-Dill-Arbeit GmbH (ARGE) * Erklärung der Paktpartner zum Ausbildungsmarkt 2010
(Pressemeldung 24/2010 vom 28.01.2010)

- Ausbildungspakt wird 2010 fortgesetzt – Schwerpunkte haben sich verändert

- Sinkende Schulabgängerzahlen und absehbares Ausscheiden der geburtenstarken Jahrgänge aus dem Erwerbsleben verschärfen zukünftig Fachkräftemangel

- Paktpartner mahnen Verbesserung schulischer Leistungen, intensivere Berufsorientierung der Jugendlichen sowie sorgfältige Berufswegplanung Studienwilliger an

- Berufsorientierung ist Pakt-Schwerpunkt 2010

- Paktpartner stellen gemeinsame Aktionsplan 2010 vor

Der 2004 auf Bundesebene geschlossene und 2007 zum ersten Mal verlängerte Pakt für Ausbildung läuft in diesem Jahr aus. Die erzielten Erfolge haben die Paktpartner bereits in vorangegangenen Erklärungen ausführlich kommentiert.

Die Partner streben auch weiterhin eine intensive und konzertierte Zusammenarbeit an. Sowohl auf Bundes-, Landes- und auch regionaler Ebene soll der Pakt für Ausbildung fortgesetzt werden - dies allerdings mit veränderten Schwerpunkten. Angelika Berbuir, Vorsitzende der Wetzlarer Arbeitsagentur, erklärt: „Galt unsere Sorge in den letzten Jahren vor allem der Ausweitung des Ausbildungsstellenangebotes, wird es zunehmend schwieriger, die angebotenen Lehrstellen adäquat zu besetzen. Immer weniger junge Menschen streben eine betriebliche Ausbildung an. Allein seit 2007 nahm die Anzahl der Lehrstellensuchenden um 30 Prozent ab“. Aufgrund der guten Wirtschaftslage sei es vor der Krise gelungen die Zahl der Altbewerber um das gleiche Maß zu reduzieren. Berbuir warnt davor, dass den Betrieben auf absehbare Zeit die Lehrlinge ausgehen: Die Schulabgängerzahlen würden bereits in den nächsten fünf Jahren wesentlich nachlassen und das veränderte Ausbildungsverhalten - immer mehr Jugendliche streben akademische Abschlüsse an - verringere das Potenzial ausbildungsbereiter junger Menschen zusätzlich. Wenn dann in 10 bis 15 Jahren die geburtenstarken Jahrgänge aus dem Erwerbsleben ausscheiden, werde der Fachkräftemangel weiter verschärft.

Dass den Unternehmen an Lahn und Dill nicht nur in quantitativer Hinsicht eine Fachkräfteklemme drohe, machen die Vertreter der Wirtschaft deutlich. IHK, Handwerkskammer und die Vereinigung der hessischen Unternehmerverbände beklagen, dass auch die mangelnde Qualität der Lehrstellenbewerber die heimischen Betriebe zunehmend vor Probleme stelle. Etliche Ausbildungsstellen blieben trotz vorliegender Bewerbungen unbesetzt, da beispielsweise die nachgewiesenen schulischen Leistungen einen Ausbildungserfolg von vornherein ausschlossen.

Dr. Dietrich Heine, Vorsitzender des Regionalbeirates der Vereinigung der hessischen Unternehmerverbände (VhU), bringt es auf den Punkt: „Besonders in der Metall- und Elektrobranche ist der Fachkräftemangel nicht mehr wegzudiskutieren. Um die Nachwuchssorgen der Betriebe mit den Ausbildungswünschen der Schulabgänger und Altbewerber in Einklang zu bringen, bedarf es zweierlei: Erstens ist eine Qualifizierung jedes Bewerbers durch Schule oder zusätzliche Maßnahmen auf ein Grundniveau nötig. Verbunden mit einer optimierten Berufsvorbereitung in den Schulen werden so Voraussetzungen geschaffen, die eine bessere Eignung für eine Vielzahl von Ausbildungsplätzen ermöglichen.“ Zweitens müsse der Fokus auf den optimalen Eintritt in ein Ausbildungsverhältnis gelegt werden. Mit dem Wissen, später im Berufsleben jederzeit schulische Weiterqualifizierungen und Abschlüsse bis hin zum Studium nachholen zu können, empfiehlt er jungen Menschen mit Hochschulreife, einem angedachten Studium, eine Lehre vorzuschalten. Die Paktpartner sind sich einig, dass Studienabsolventen mit fundierten betrieblichen Erfahrungen wesentlich bessere Arbeitsmarktchancen haben, als solche ohne entsprechende Vorkenntnisse. Zudem würden immer mehr Arbeitgeber die Weiterbildung ihrer Mitarbeiter durch finanzielle Hilfen oder das Freihalten der Arbeitsstelle goutieren.

Uwe Hainbach, Präsident der IHK Lahn-Dill, bestätigt die Schwierigkeit der Unternehmen. Dabei weist er darauf hin, dass es sich nicht um ein Problem der Bestenauslese handele, vielen Betrieben fehle es allein schon an mittelmäßig geeigneten Bewerbern, denen zukünftig ein Hauptaugenmerk der Paktpartner gelte. Die gemeinsamen Schwerpunkte der Regionalpartner beschreibt Hainbach wie folgt: „Wir werden gezielt an der bislang fehlenden oder zu spät einsetzenden beruflichen Orientierung der Abgänger aus den allgemeinbildenden Schulen arbeiten. Es gilt aber auch, unüberlegte Studientendenzen im Bereich der Sekundarstufe II aufzuarbeiten. Unzureichende Berufsorientierung und falsche Vorstellungen über einen Studiengang sind die häufigsten Gründe für einen Ausbildungs- oder Studienabbruch.“ Weder die Jugendlichen, noch die Betriebe könnten sich dies leisten, heißt es in der Stellungnahme weiter. Natürlich bleibe das Kernziel des neuen Paktes weiterhin, jedem ausbildungswilligen und -fähigen Jugendlichen eine Ausbildungsstelle oder Einstiegsqualifizierung zur Verfügung zu stellen. Die „Versorgung“ von unvermittelten Bewerbern mit einer zahlenmäßig ausreichenden Anzahl an Lehrstellen trete aber mittelfristig in den Hintergrund. Wenn sich die Qualität der Ausbildungsanwärter in schulischer und berufsorientierter Hinsicht nachhaltig bessere, werde sich die Situation bislang unversorgter Bewerber angesichts der demographischen Entwicklung und des kontinuierlich steigenden Fachkräftebedarfs wesentlich entspannen. So sieht es auch Jens Schermuly, Teamleiter für den Bereich Ausbildung der Lahn-Dill-Arbeit GmbH: „Die Grundlage für den beruflichen Erfolg ist das Engagement in der Schule und frühzeitige Orientierung am Arbeits- und Ausbildungsmarkt. Die Angebote und ihre Qualität haben sich verändert und deutlich verbessert, es liegt nun an den Jugendlichen und den Eltern diese Chancen zu nutzen. Es gilt mehr denn je, Ausbildung und Engagement ist eine Garant für eine gute berufliche Zukunft!“

Der Erste Kreisbeigeordnete des Landkreises Marburg-Biedenkopf, Dr. Karsten McGovern, weist in einem Grußwort für das KreisJobCenter Biedenkopf darauf hin, dass es in den nächsten Jahren darauf ankomme, auch schulisch schwächere Jugendliche zu fördern, damit ausreichend Bewerber für die Betriebe vorhanden sind. Dies könne nur gelingen, wenn der Ausbildungspakt, wie in der Vergangenheit schon geschehen, nicht nur auf die Zurverfügungstellung von Lehrplätzen und Vermittlung von Jugendlichen ausgerichtet ist, sondern sich auf das gesamte Feld des Übergangs von Schule in den Beruf bezieht.

Hainbach plädiert abschließend dafür, qualifizierte Ausbildungsabschlüsse endlich als eigenständige Zugangsberechtigung zum Studium anzuerkennen und Teilinhalte aus einer Berufsausbildung fachgebunden auf die Studiendauer anzurechnen. Eine vorgeschaltete betriebliche Berufsausbildung käme nicht nur dem akademischen Nachwuchs, sondern auch den Betrieben und Hochschulen zu gute.

Die Wetzlarer Arbeitsagentur verstärkt ihre Maßnahmen der Berufsorientierung. Neben der bislang flächendeckenden Berufsaufklärung in allen Vorabgangsklassen nutzten bereits im letzten Jahr über 500 Schüler Angebote der vertieften Berufsorientierung. Diese Orientierungshilfen setzten zum großen Teil schon ab der 5. Jahrgangsstufe ein. Jeder dieser jungen Teilnehmer hat sich im Laufe des Jahres 2009 außerhalb des Schulunterrichtes 160 Stunden mit Themen der Berufswahl beschäftigt. Die Agentur für Arbeit Wetzlar investierte in diese zusätzlichen Projekte insgesamt 200.000 Euro. Ferner bereitet die Berufsberatung nunmehr auch Lehrer und Eltern in Workshops intensiv auf deren wichtige Rolle im Berufswahlprozess der Kinder vor.

Alle Maßnahmen sollen dazu beitragen, dass zukünftig wieder mehr Ausbildungsverträge in der Region geschlossen werden. Für das Jahr 2009 vermeldeten die Kreishandwerkerschaften Lahn-Dill und Biedenkopf sowie die IHK-Lahn-Dill insgesamt 2.169 geschlossene Ausbildungsverhältnisse. Im Jahr zuvor waren es noch 272 mehr. Drei Gründe machen die Kammern für den Rückgang verantwortlich. Einerseits  sei aufgrund der Wirtschaftskrise ein geringfügiger Rückgang der Stellenmeldungen zu verzeichnen, andererseits konnte ein Teil der Stellen mangels geeigneter Bewerber nicht besetzt werden. Im Handwerk blieben Stellen zudem unbesetzt, für die es durchaus entsprechende Bewerber gegeben hätte. Frank Interthal, Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Biedenkopf: „Viele Jugendliche treffen ihre Berufsentscheidung nicht nur aus rationalen Gründen. Emotionale Aspekte spielen stets eine große Rolle. Eine forsa-Studie hat gezeigt, dass das Handwerk bieten kann, was viele Jugendliche von ihrer Ausbildung erwarten. Aber ausgerechnet im Handwerk vermuten sie das nicht. Jugendliche unterschätzen vor allem das Handwerk, was Innovation und Modernität betrifft. Und viele befürchten auch, dass sie mit einem Handwerksberuf bei ihren Freunden nicht die Anerkennung finden, die sie sich wünschen. Hier langfristig die Einstellungen zu ändern, ist das Ziel unserer aktuellen Imagekampagne, indem sie einerseits das Bewusstsein für die Bedeutung des Handwerks stärkt und anderseits über die Modernität des Handwerks informiert.“ Ralf Jeschke, Kreishandwerksmeister der Kreishandwerkerschaft Lahn-Dill, führt weiter aus: „Das Handwerk bietet moderne und abwechslungsreiche Berufe mit zukunftssicheren Perspektiven, denn unsere Betriebe sind zur Erfüllung individueller Dienstleistungen und Kundenwünsche auf gut ausbildete und qualifizierte Mitarbeiter angewiesen. Ein Hauptanliegen liegt künftig darin, die Berufsorientierung für die Schülerinnen und Schüler zu verstärken.“

Mit welchen weiteren Mitteln die Paktpartner 2010 die Berufsorientierung unterstützen wollen, stellen sie in einem gemeinsamen Veranstaltungskalender vor, in dessen Mittelpunkt eine Reihe berufsorientierender Veranstaltungen steht.

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