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Betrieb für Abfallwirtschaft des Kreises schneidet im Vergleich betrieblicher Kennzahlen der kommunalen Abfallwirtschaft in Hessen sehr gut ab - Im hessenweiten Vergleich die geringste Verwaltungskosten
(Pressemeldung 2/2005 vom 07.01.2005) Wie Landrat Robert Fischbach und der Betrieb für Abfallwirtschaft Marburg-Biedenkopf jetzt mitteilten, hat die Auswertung einer Untersuchung im letzten Jahr sehr gute Ergebnisse für den Eigenbetrieb des Landkreises erbracht. Erstmals wurde ein kennzahlenorientiertes Benchmarking für die kommunale Abfallwirtschaft in Hessen durchgeführt. Benchmarking ist ein Analyse- und Planungsinstrument, das einen Vergleich des eigenen Unternehmens mit dem "Klassenbesten" der Mitbewerber ermöglicht.

Auf Initiative des Hessischen Ministeriums für Umwelt, Ländlichen Raum und Verbraucherschutz wurde im Laufe des Jahres 2004 ein Pilotprojekt „Entwicklung und Erprobung eines Benchmarkings für kommunale Abfallwirtschaftsbetriebe“ durch die Forschungsgruppe Umweltwirtschaft der Fachhochschule Mainz in Kooperation mit dem Institut für Umweltökonomie, Münster und dem Ingenieurbüro COOPERATIVE – Infrastruktur und Umwelt gestartet. Die Basis für das anonymisierte Auswertungsverfahren bildete dabei das Wirtschaftsjahr 2001.

„Wir brauchen dringend diese Art der Vergleiche, um unsere Leistungen richtig einschätzen zu können“, sagte Landrat Fischbach. Ihn freut die gute Platzierung auch deshalb besonders, weil der Kreis inzwischen auf dem Weg zu einem modernen Dienstleistungsunternehmen ein großes Stück vorangekommen ist. Das belege dieser Vergleich, aber auch Untersuchungen in anderen Vergleichsringen (etwa Kraftfahrzeug-Zulassung).

Demnach hat der Betrieb für Abfallwirtschaft Marburg-Biedenkopf die geringsten Verwaltungskosten in Hessen! Landrat Robert Fischbach und die Betriebsleitung sehen diesen Erfolg vor allem darin begründet, dass man sich bereits vor einigen Jahren um zusätzliche Aufgabenübertragungen wie etwa im Bereich der Geschäftsführung, Buchhaltung und Abrechnung für andere Institutionen (AVW-GmbH, Deponiezweckverband Schwalm-Eder-Kreis und Landkreis Marburg-Biedenkopf, Regionaler Nahverkehr) bemühte, die sich nun wirtschaftlich positiv auswirken und den Gemeinkostenanteil bei den Verwaltungsaufwendungen beachtlich senken konnten.

Insgesamt beteiligten sich an diesem Vergleich neun hessische Städte und elf Landkreise. Sie nehmen die Müllentsorgung für insgesamt rund 3,24 Millionen Einwohner wahr, was circa 50 Prozent der hessischen Bevölkerung bedeutet. Folgende Kreise beteiligten sich in Hessen: Rheingau-Taunus-Kreis, Limburg-Weilburg, Wetterau, Fulda, Kassel, Waldeck-Frankenberg, Bergstraße, Darmstadt-Dieburg, Odenwald und Lahn-Dill-Kreis.

Mit dem kennzahlenorientierten Benchmarking lassen sich Leistungsstandards und Kosten-Nutzen-Relationen dokumentieren und weiterentwickeln. Besonderes Augenmerk liegt dabei auf der zentralen Frage der Vergleichbarkeit der betrachteten Betriebe bzw. ihrer Leistungen. Unterschiede bestehen insbesondere in der Entsorgungsqualität bzw. Serviceumfang, regionalen strukturellen Besonderheiten und dem Vorhalten und Betrieb von Anlagen. Aus Gründen der Praktikabilität konnten nicht alle Unterschiede berücksichtigt werden. Bei der Untersuchung wurden die wesentlichen Leistungsbereiche der kommunalen Abfallwirtschaft unter die Lupe genommen, wobei man sich ausschließlich auf die Kosten konzentrierte. Die erhobenen Gebühren wurden nicht in die Untersuchung aufgenommen. Aufgrund des zeitlichen Bezugs - Berichtsjahr 2001 - erfolgte die Erfassung und Auswertung noch in DM.

Bei der Betrachtung der Kostenstrukturen von öffentlichen Leistungen stehen die Verwaltungskosten im besonderen öffentlichen Blickpunkt. Dabei nimmt der Betrieb für Abfallwirtschaft des Landkreises Marburg-Biedenkopf einen unangefochtenen Spitzenplatz ein (s. Abbildung 1). Pro Einwohner unseres Kreises waren im Betrachtungszeitraum 2001 lediglich 4,31 DM (2,20 Euro) für Verwaltungskosten aufzuwenden. Dieser Wert liegt in den Nachbarkreisen mit einem Mittelwert von circa 14,00 DM (7,15 Euro) deutlich höher. Bei den untersuchten Städten steigen die Verwaltungskosten im Einzelfall sogar auf über 30 DM (15,33 Euro) pro Einwohner. Beim Vergleich der spezifischen Verwaltungskosten wurden alle Verwaltungsleistungen zusammengefasst, die für die Entsorgung von Siedlungsabfällen notwendig sind. Dabei beträgt der Anteil an den durchschnittlichen Gesamtkosten eines Abfallwirtschaftsbetriebes ungefähr 9 Prozent. Sie umfassen insbesondere die Personal- und Sachkosten.

Ein weiteres Untersuchungsgebiet waren die Gesamtkosten der Einsammlung und Beseitigung der Hausabfallentsorgung. Dabei wurden fünf verschiedene Verfahren angewendet. Die thermische Behandlung (Verbrennung), eine mechanisch-biologische Behandlung mit Lagerung auf eigenen oder fremden Deponien, oder eine Abfallablagerung ohne Vorbehandlung auf eigenen oder fremden Deponien. Dabei liegen die spezifischen Kosten aller Teilnehmer in einer Spanne von 140 bis 450 DM je Tonne (bzw. 71,58 bis 230,08 Euro/t). Die Angabe eines Teilnehmers bleibt mit einem nicht plausiblen Wert von 25 DM/t unberücksichtigt. Eine sachliche Begründung für die erheblichen Kostenunterschiede sind nur teilweise erkennbar. Tendenziell sind jedoch die spezifischen Kosten der Deponierung (ohne Vorbehandlung) geringer als die Kosten der Entsorgung mit mechanisch-biologischer Vorbehandlung oder mit einer thermischen Behandlung. Dabei haben die Betriebe, die die Abfälle auf fremden Deponien ablagern die geringsten Kosten. Der Haus- und Sperrabfall aus dem Landkreis Marburg-Biedenkopf wird ohne Vorbehandlung auf der Deponie in Wabern im Schwalm-Eder-Kreis abgelagert. Die spezifischen Kosten hierfür betragen 162 DM (82,83 Euro) pro Tonne und bedeuten in der Rangliste einen ausgezeichneten vierten Rang, wobei zu den vorderen Plätzen lediglich ein Unterschied von 10 bis 25 DM (5,11 bis 12,78 Euro) pro Tonne besteht. (s. Abbildung 2.)

In das Pilotprojekt wurde eine weitere Datenerhebung des Wirtschaftsjahres 2003 für den fortgesetzten Benchmarking-Vergleich aufgenommen, die zwischenzeitlich abgeschlossen ist. Gespannt blickt der Betrieb für Abfallwirtschaft auf das erneute Abschneiden bei der zweiten Erhebung. Die Bekanntgabe dieser Ergebnisse ist bereits für das Frühjahr 2005 angekündigt.
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