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Ausbildungspakt in Mittelhessen - Erklärung der Paktpartner zum Ausbildungsmarkt - Bilanz 2008
(Pressemeldung 33/2009 vom 23.01.2009)

♦ Industrie- und Handelskammer Lahn-Dill
♦ Kreishandwerkerschaft Lahn-Dill
♦ Kreishandwerkerschaft Biedenkopf
♦ Vereinigung der hessischen Unternehmerverbände, Geschäftsstelle Mittelhessen
♦ Agentur für Arbeit Wetzlar
♦ KreisJobCenter Marburg-Biedenkopf
♦ Lahn-Dill-Arbeit GmbH (ARGE)

►Rekordjahr 2008 - Gute Wirtschaftslage begünstigte Ausbildungsmarkt

► Insbesondere gewerblich-technische Unternehmen haben zunehmend Mühe, geeignete Bewerber zu finden

► Hohe Ausbildungsbereitschaft der heimischen Betriebe durch schlechte Wirtschaftsprognosen nicht beeinträchtigt – Unternehmen engagieren sich weiter in dualer Ausbildung.

Die Partner im Pakt für Ausbildung haben gemeinsam das Ausbildungsjahr 2008 bilanziert und einen Ausblick auf die kommende Ausbildungsperiode gegeben.

Um es vorweg zu sagen: 2008 war ein Rekordjahr! Die Betriebe meldeten deutlich mehr freie Ausbildungsstellen als in den vergangenen Jahren. Auch die Zahl der eingetragenen Ausbildungsverträge erreichte einen Höchststand. Die Zahl der Bewerber ist erstmals wieder gesunken. Die Schere zwischen Angebot und Nachfrage wurde deutlich kleiner.

Die Paktpartner machen mehrere Faktoren für diese Entwicklung verantwortlich: Der positive wirtschaftliche Verlauf der letzten Jahre hätte noch günstiger ausfallen können, wenn in allen Branchen ausreichend qualifizierte Fachkräfte zur Verfügung gestanden hätten. Insbesondere in den letzten beiden Jahren konnte der hohe Fachkräftebedarf nicht immer zeitnah gedeckt werden. Gleichzeitig zeigt der demographische Wandel erste Auswirkungen; die Zahl der Schulabgänger hat sich reduziert. Die Unternehmen reagierten mit einer Ausweitung ihrer Ausbildungskapazitäten, um ihre Wettbewerbsfähigkeit mittel- und langfristig zu sichern. Dabei stellte sich heraus, dass eine beträchtliche Zahl gewerblich-technisch ausgerichteter Unternehmen bereits zunehmend Mühe hatte, geeignete Bewerber zu finden. Einige Ausbildungsplätze konnten nicht besetzt werden. Da speziell der technologische Wandel immer höhere Anforderungen an die Mitarbeiter stellt, wird der wirtschaftliche Erfolg eines Unternehmens zunehmend vom Qualifikationsspektrum der Belegschaft abhängig sein.

Aber Rekorde gab es nicht nur bei den Ausbildungsplätzen zu vermelden, auch auf der Bewerberseite entwickelte sich der Ausbildungsmarkt positiv. So konnte die Zahl der am 30. September noch unversorgten jungen Menschen gegenüber dem Vorjahr halbiert werden. Lediglich 96 Bewerber waren zum Stichtag ohne Ausbildung oder Alternative. Durch gemeinsame Nachvermittlungsaktionen und intensive Vermittlungsbemühungen konnte diese Zahl bis zum Jahresende 2008 nochmals um 61 auf 35 Unversorgte reduziert werden. Dabei gelang es, acht Jugendliche noch während des angelaufenen Ausbildungsjahres in eine Lehre zu vermitteln. 29 weitere nahmen alternative Angebote wie Einstiegsqualifizierungen, Bildungsmaßnahmen oder schulische Angebote wahr. 24 Bewerber entzogen sich den Bemühungen und machten auch nach Rückfrage keine Angaben zum weiteren verbleib.

Zuwachs an gemeldeten Ausbildungsstellen
Die Zahl der von den heimischen Betrieben und Verwaltungen gemeldeten Ausbildungsstellen nahm deutlich zu. 1.696 bei Arbeitsagentur und Lahn-Dill-Arbeit GmbH gemeldete Ausbildungsstellen bedeuten im Vorjahresvergleich eine Steigerung von 8,4 Prozent. Dabei entwickelte sich das Angebot an offenen Stellen unterschiedlich. In Wetzlar ging die Zahl der gemeldeten Stellen um 5,6 Prozent zurück. In Dillenburg konnte die Zahl der betrieblichen Lehrstellen um 29,0 und in Biedenkopf um 32,4 Prozent erhöht werden. Für Jugendliche, die aufgrund individueller Handicaps für eine betriebliche Lehre nicht in Frage kamen, stellte die Arbeitsagentur noch 232 zusätzliche außerbetriebliche Ausbildungsstellen zur Verfügung. Das KreisJobCenter Biedenkopf (KJC) akquirierte im laufenden Ausbildungsjahr insgesamt 76 Ausbildungsstellen.

Bewerberrückgang
Seit Oktober 2007 suchten 3.115 Bewerberinnen und Bewerber über die Berufsberatung der Agentur für Arbeit Wetzlar und die Lahn-Dill-Arbeit GmbH einen Ausbildungsplatz. Dies sind 17,4 Prozent weniger Ausbildungsstellensuchende als im Vorjahr. Auch hier gab es die deutlichsten Veränderungen im Hinterland. In der Region Biedenkopf ging die Zahl der bei der Agentur gemeldeten Bewerber um 27,1 Prozent zurück. Beim KJC meldeten sich 108 Bewerber. Hier ging die Nachfrage um 24,5 Prozent zurück. Bis zum Jahresende konnten erfreulicherweise alle Biedenkopfer Bewerber des KJC „versorgt“ werden.

Die Gründe für diesen Rückgang sind nach Angaben der Experten vielfältig. Der demographische Aspekt ist nur ein Teil der Erklärung. In manchen Schulen gab es in diesem Jahr weniger Schulabgänger als noch vor Jahresfrist. Ein verändertes Bildungsverhalten veranlasst aber auch zunehmend mehr Schüler, vor der Ausbildung höherwertige Schulabschlüsse zu erlangen. Zudem ist es der Arbeitsagentur, Lahn-Dill-Arbeit GmbH und dem KJC gelungen, die Zahl der Altbewerber im letzten Jahr deutlich abzubauen. Aber auch die Suchwege der Jugendlichen haben sich verändert. Nicht mehr jeder Schulabgänger meldet sich. Ausbildungssuchende, die sich online nach Ausbildungsplätzen umschauen, werden ebenso wenig registriert, wie Jugendliche, deren Ausbildungsverhältnis nach einem Schulpraktikum zustande kommt.

Ausbildungsverhältnisse
Die Entwicklung der Bewerberzahlen bereitete manchem Betrieb in der Region bereits Sorge. Der Wirtschaftsraum Lahn-Dill-Biedenkopf weist die höchste Industrialisierungsquote in Hessen auf. Die Unternehmen der Region sind auf hochqualifizierte Fachkräfte im gewerblich-technischen Bereich angewiesen. Die rückläufigen Bewerberzahlen führen bereits heute dazu, dass insbesondere anspruchsvollere Ausbildungsplätze oft nur schwer oder gar nicht besetzt werden können. Zugleich melden die Kammern erneut Ausbildungsrekorde.

Bei der IHK Lahn-Dill wurden 1.613 Ausbildungsverträge neu eingetragen. Im Vergleich zum Vorjahr entspricht dies einer Steigerung von knapp einem Prozent. "Damit wurde der höchste Stand seit 20 Jahren erreicht", erklärte Uwe Hainbach, Präsident der IHK Lahn-Dill. Im Bezirk der Kreishandwerkerschaft Lahn-Dill konnte die im Jahr 2007 erzielte Steigerungsquote von 17,6 % nicht erreicht werden. Mit insgesamt 505 neu abgeschlossenen Lehrverträgen hat das heimische Handwerk allerdings sein großes Ausbildungsengagement unter Beweis gestellt und seinen Beitrag zum Ausbildungspakt geleistet. In diesem Zusammenhang betont Kreishandwerksmeister Ralf Jeschke von der Kreishandwerkerschaft Lahn-Dill, dass das Handwerk mit einer Ausbildungsquote von ca. 9 % zu seiner Verantwortung gegenüber der jungen Generation steht und seine gesellschaftliche Aufgabe mehr als erfüllt. Die Handwerksbetriebe bilden verstärkt aus, um auch dem in der Zukunft zu erwartenden erhöhten Fachkräftebedarf zu begegnen.

Im Bezirk der Kreishandwerkerschaft Biedenkopf konnte das Vorjahresergebnis laut Geschäftsführer Frank Interthal nicht erreicht werden. Für das Jahr 2008 meldet das Hinterländer Handwerk den Abschluss von 93 neuen Ausbildungsverhältnissen.

Der Erste Kreisbeigeordnete des Landkreises Marburg-Biedenkopf, Dr. Karsten McGovern, betonte, dass sich hier die sehr gute Zusammenarbeit zwischen IHK, Agentur für Arbeit, Kreishandwerkerschaften, Vereinigung der hessischen Unternehmerverbände und den beiden Landkreisen als sehr positiv für die Ausbildungsplatzsuchenden erweise.

Ausblick
„Die hohe Ausbildungsbereitschaft der Betriebe trotzt den negativen Nachrichten von den Finanzmärkten“, weiß Angelika Berbuir, Vorsitzende der Geschäftsleitung der Wetzlarer Arbeitsagentur, zu berichten. Und weiter: „Arbeitgeber wissen, dass nach jeder wirtschaftlichen Flaute auch wieder ein Aufschwung folgt. Unser Arbeitgeberservice steht in engem Kontakt mit den Personalentscheidern in der Region. Diese signalisieren unisono, dass sie auch 2009 in gleicher Weise in Ausbildung investieren, wie im vergangen Jahr – Eine, wie ich meine, erfreuliche Botschaft in Zeiten schlechter Wirtschaftsnachrichten. Sie signalisiert zudem, dass viele Unternehmen ein großes Vertrauen in ihre eigene Wirtschaftskraft haben. Wir rechnen daher auch 2009 mit einem ähnlich guten Ausbildungsmarkt wie im zurückliegenden Jahr.“

Die Paktpartner
Das gute Ergebnis in diesem Ausbildungsjahr wurde auch durch die enge und vertrauensvolle Zusammenarbeit der Paktpartner ermöglicht. Auch wenn der Pakt erst 2004 geschmiedet wurde - Die Partner arbeiten bereits seit mehr als zehn Jahren verlässlich, konstruktiv und kreativ zusammen. Die Wirtschaftsregion Lahn-Dill-Biedenkopf profitiert von der engen Kooperation der Akteure. Die Partner im Pakt für Ausbildung werden zukünftig noch intensiver als bisher durch Prävention Einfluss auf das Ausbildungsmarktgeschehen nehmen und weiterhin dafür Sorge tragen, alle ausbildungswilligen und -fähigen jungen Laute die Chance zum Einstieg in eine Berufsausbildung erhalten, damit der Nachwuchs an Fach- und Führungskräften für die Wirtschaft unserer Region langfristig gesichert wird.

Alexander Trier, Vorstandsvorsitzender des Metallarbeitgeberverbandes Mittelhessen, dazu abschließend: „Was wir gemeinsam als Paktpartner Positives erreicht haben, ist das Ergebnis kontinuierlicher, konstruktiver Zusammenarbeit. In Zukunft muss unsere Aufgabe noch gezielter im Bereich >Verbesserung der Ausbildungsfähigkeit< fortgesetzt werden. Unter der Zielgabe >Übergänge gestalten – Vermittlung der Anforderungen der Wirtschaft in das Kompetenzspektrum der Jugendlichen<, muss es uns gelingen, die Schülerinnen und Schüler noch passgenauer für den Arbeitsmarkt von Morgen zu qualifizieren. Hier bietet das Bildungswerk der hessischen Wirtschaft maßgeschneiderte, aktuelle und erfolgreiche Angebote an und auch für die Schule-Wirtschaft-Arbeit in unserer Region ist dies das Top-Thema. Denn eines ist sicher: Der Mangel an qualifizierten Mitarbeitern wird unsere Unternehmen in den kommenden Jahren beschäftigen. Unsere Aufgabe ist es, sie bei den Lückenschließungen zu unterstützen.“

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