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Ergebnisse der Blutuntersuchung in Breidenbach liegen vor: Experten schließen akute Gesundheitsgefährdung durch PCB aus

(Pressemitteilung 436/2014 vom 28.11.2014)

Marburg-Biedenkopf – Die Ergebnisse der Blutuntersuchungen von 260 Schülerinnen und Schülern, Lehrkräften und Mitarbeitern der Mittelpunkt- und Grundschule in Breidenbach nach dem Fund von Polychlorierten Biphenylen (PCB) in der Raumluft liegen jetzt vor. Demnach ist nach Auffassung der unabhängigen Experten vom Institut für Arbeits- und Sozialmedizin des Universitätsklinikums Aachen, wo die Proben untersucht wurden, eine akute Gesundheitsgefährdung durch PCB auszuschließen.

Obwohl in 30 der 260 untersuchten Blutproben leicht erhöhte PCB-Werte nachgewiesen werden konnten, seien auf Basis der wissenschaftlichen Erkenntnisse bei den festgestellten Konzentrationsbreichen auch langfristige gesundheitliche Beeinträchtigungen nicht nachweisbar, so die Beurteilung der Fachleute.

An beiden Schulen in Breidenbach waren im Vorfeld von Bauarbeiten erhöhte Konzentrationen des Schadstoffes PCB (Polychlorierte Biphenyle) in der Luft festgestellt worden. Daraufhin hat der Landkreis Marburg-Biedenkopf als Schulträger eine umfangreiche Sanierung der betroffenen Schulgebäude veranlasst und eine Blutuntersuchung auf freiwilliger Basis angeboten.

„Alle Betroffenen werden im Moment über die Untersuchungsergebnisse informiert“; sagte der Erste Kreisbeigeordnete und Schuldezernent Marian Zachow. Er sei sehr erleichtert, dass die Fachleute des Aachener Universitätsklinikums eine akute Gesundheitsgefährdung ausschließen und auch feststellen, dass langfristige gesundheitliche Folgen kaum zu erwarten seien.

Unterdessen hat der Landkreis die Untersuchung von mehr als 70 verschiedenen Gebäuden an den 62 Schulstandorten sowie der Verwaltungsgebäude des Kreises auf PCB veranlasst. Die Untersuchungen laufen derzeit noch, einige Ergebnisse liegen bereits vor. An drei Schulstandorten wurden in einzelnen Räumen leicht erhöhte PCB-Werte festgestellt: Grundschule Gönnern, Grundschule Lixfeld und Grundschule Wolzhausen – dort wurden in den ersten Proben zwischen 300 und 800 Nanogramm PCB pro Kubikmeter Luft nachgewiesen. Der Schwellenwert für Sofortmaßnahmen liegt nach der PCB-Richtlinie des Landes Hessen bei 3.000 Nanogramm PCB pro Kubikmeter Luft.

In den Räumen mit erhöhten Werten werden jetzt weitere Untersuchungen stattfinden. „Die ersten Messergebnisse sind zwar erhöht, liegen aber noch deutlich unter den Grenzwerten, die ein akutes Handeln erforderlich machen“, erläuterte der Erste Kreisbeigeordnete. Die Messungen dort würden jetzt zur Sicherheit wiederholt, um eventuelle Messfehler oder Ungenauigkeiten auszuschließen oder die ersten Ergebnisse zu bestätigen. „Falls sich die erhöhten Messwerte bestätigen, beginnt die Suche nach der Ursache, die dann natürlich beseitigt werden muss“, betonte Zachow.

Stichwort PCB:

Die polychlorierten Biphenyle (PCB) gehören chemisch zur Gruppe der chlorierten aromatischen Kohlenwasserstoffe. Ausgangsverbindung ist das Biphenyl, also zwei miteinander verbundene Phenylringe, an denen wiederum bis zu zehn Chloratome angeordnet sein können. Je nach Anzahl der Chloratome, die mit den Phenylringen verbunden sind, können mehr als 200 verschiedene Verbindungen entstehen. Die PCB wurden ab Mitte der 1950er Jahre in einer Vielzahl von Produkten in geschlossenen und offenen Anwendungen eingesetzt. Zu den geschlossen Anwendungen etwa gehört der Einsatz als Kühl- und Isolierflüssigkeit in Transformatoren und Kondensatoren oder als Hydrauliköl.

In offenen Anwendungen fanden PCB Verwendung als Weichmacher in Kunststoffen und als Flammschutzmittel, beispielsweise in Fugendichtmassen, Anstrichen und Beschichtungen, Klebstoffen, Deckenplatten oder Kabelummantelungen. Seit 1983 werden PCB in Deutschland nicht mehr hergestellt.

Stichwort PCB-Richtlinie:

Die PCB-Richtlinie des Landes Hessen sieht vor, dass für stark belastete Bereiche („Interventionswert“: mehr als 3000 ng/m3) neben den Sofortmaßnahmen wie Belüftung und Reinigung ein Sanierungsplan erstellt und die Sanierung baldmöglichst durchgeführt werden muss. Außerdem sind weitere Kontrollanalysen erforderlich. Wenn sich durch die Sofortmaßnahmen die Messwerte nicht innerhalb von drei Monaten auf unter 3000 ng/m3 senken lassen, sollten die betroffenen Räume geschlossen werden.

In Räumen mit einer problematischen Belastung (PCB-Konzentration 300 bis 3000 ng/m3) fordert das Land eine intensive Suche nach der Quelle der Belastung sowie regelmäßige gründliche Reinigung und verstärktes Lüften der Räume. Wenn die Quelle der Belastung erkannt ist, soll auch hier eine Sanierung erfolgen. Wenn die PCB-Konzentration im tolerablen Bereich liegt („Vorsorgewert“ – weniger als 300 ng/m3), sind nach der Richtlinie das regelmäßige Aufnehmen von Staub, an den sich die Substanz bindet, sowie regelmäßiges Lüften ausreichend.

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