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Sozialarbeiter machen sexualisierte Gewalt an Schulen zum Thema – Studie: Schulen sind wichtiger Ort für Präventionsarbeit

(Pressemitteilung 428/2017 vom 19.12.2017)


Marburg-Biedenkopf – Der Arbeitskreis Schulsozialarbeit hat sich mit den Ergebnissen der SPEAK-Studie zum Thema „Sexualisierte Gewalt in der Erfahrung Jugendlicher“ beschäftigt. Die Studie kommt zu dem Fazit, dass die Schule ein bedeutsamer Ort für die Präventionsarbeit sein kann, da sie von Jugendlichen als ein Ort angegeben wurde, wo sie „nicht-körperliche sexualisierte Gewalt“ erlebt haben.

„Die Schulen im Landkreis sind für das Thema sensibilisiert. Wir wollen die Schulen mit unserer Schulsozialarbeit dabei unterstützen, dass diese als Schutz- und Präventionsorte weiter gestärkt werden, weil eine Mehrheit der Jugendlichen hier erreicht werden kann“, sagte Landrätin Kirsten Fründt.

Im Austausch mit den Fachkräften der Schulsozialarbeit wurde deutlich, dass diese auch jetzt schon durch Präventionsangebote beispielsweise sexualisierten Beschimpfungen und Cybermobbing entgegenwirken und durch Angebote der Medienkompetenz einen reflektierten Umgang mit Medien fördern.

„Das Hauptrisiko für sexualisierte Gewalt sind andere Jugendliche, das heißt Gleichaltrige“, fasst die Erziehungswissenschaftlerin Professor Dr. Sabine Maschke von der Marburger Philipps-Universität ein zentrales Ergebnis der Studie zusammen. Immerhin geben demnach 41 Prozent der Mädchen und 26 Prozent der Jungen an, bereits mindestens einmal „nicht-körperliche sexualisierte Gewalt“ erlebt zu haben, in dem über sie sexuelle Kommentare, Beleidigungen und Witze gemacht wurden. Nach eigenen Angaben der Befragten wurden 33 Prozent der Mädchen und 9 Prozent der Jungen bereits einmal im Internet sexuell belästigt.

In diesem Zusammenhang sagt Dr. Maschke: „Ein aus unserer Sicht ernst zu nehmender Befund ist der hohe Pornografie-Konsum männlicher Jugendlicher. 42 Prozent der 14- bis 16-Jährigen schauen mindestens einmal in der Woche Pornos, für die in den meisten Fällen eine Altersbeschränkung von 18 Jahren gilt“. Laut Studie soll sich das Bild auf Sexualität bei den Dauernutzern verändert haben. Die Bilder der Pornoindustrie scheinen die realen Körperbilder zumindest bei den Dauernutzerinnen und Dauernutzern zu prägen. Pornografie berge demnach ein gewisses Risiko, vor allem dann, wenn der Konsum nicht mit der Fähigkeit einhergeht, das Gesehene kritisch reflektieren zu können.

Maschke berichtete, dass 30 Prozent der Mädchen im Alter von 14 bis 16/17 Jahren „sexualisierte Gewalt mit direktem Körperkontakt“ zum Beispiel „Antatschen“ an Po oder Brust erlebt haben. Fünf Prozent der Jungen hätten über solch eine Erfahrung berichtet. Etwas mehr als ein Viertel der befragten Jugendlichen (36 Prozent der Jungen und 21 Prozent der Mädchen) gibt an, schon einmal etwas getan zu haben, was mit sexueller Gewalt zu tun hatte. Dabei handelt es sich am häufigsten um verbale und/oder schriftliche sexualisierte Gewalt.

Uwe Pöppler, Leiter des Fachbereichs Familie, Jugend und Soziales, betonte, dass der Landkreis mit seinen frühzeitigen Angeboten der Prävention und Intervention ein gutes und gewaltfreies Aufwachsen der Kinder ermöglich will. „Schon seit längerem hat die Jugendhilfe mit den regionalen Fachberatungsstellen Vereinbarungen darüber getroffen, wie bei der Vermutung von sexualisierter Gewalt an Mädchen und Jungen ein abgestimmtes Handeln erfolgen soll“, so Uwe Pöppler.

Ein Kurzbericht der Studie steht als Download auf der Homepage der Uni zur Verfügung.

Link: www.uni-marburg.de/fb21/aew/forschung/sexuellegewalt/kurzbereichtnachpresse

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