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Unterbringung von Flüchtlingen ist große Herausforderung für den Kreis – Vereinbarungen mit Kommunen werden der aktuellen Situation angepasst

(Pressemitteilung 405/2015 vom 16.10.2015)

Marburg-Biedenkopf – Die Zahl der Flüchtlinge, die nach Deutschland kommen, ist unverändert hoch. Auch im Landkreis Marburg-Biedenkopf stehen Politik, Verwaltung und Gesellschaft dabei vor großen Herausforderungen, um die Unterbringung der Menschen zu organisieren. „Wir müssen uns dabei parallel um drei große Aufgabenbereiche kümmern: die mögliche Erst- oder Notaufnahme von Flüchtlingen in provisorischen Unterkünften, die Bereitstellung von Wohnraum für Flüchtlinge mit einer Bleibeperspektive und die Unterbringung und Betreuung von unbegleiteten minderjährigen Ausländern“, teilte Landrätin Kirsten Fründt am Freitag in Marburg mit.

Der Landkreis hat die Aufgabe, die Menschen mit einer Bleibeperspektive, die dem Kreis zur Unterbringung zugewiesen wurden, möglichst fair auf die Städte und Gemeinden zu verteilen und dort unterzubringen. In Zielvereinbarungen hatten sich Kreis und die meisten Kommunen auf Zielgrößen und Obergrenzen verständigt.

„Wir sind jetzt an einem Punkt, dass diese Obergrenzen von der Realität eingeholt werden“, erklärte der Erste Kreisbeigeordnete Marian Zachow am Freitag in Marburg. Er sagte, dass der Landkreis im laufenden Jahr bis zum Anfang der Woche bereits 1.094 Menschen im Rahmen der regulären Zuweisung aufnehmen und unterbringen musste. Bis zum Ende des Jahres könnten es fast 2.000 werden. „Zum Vergleich: Im ganzen Jahr 2014 waren es nur 685 – das macht die Dimension der Herausforderung deutlich, die wir lösen müssen“, betonte Zachow. Er habe daher am Freitag die Bürgermeister der Städte und Gemeinden darüber informiert, dass der Landkreis jetzt kontinuierlich zusätzlichen Wohnraum in den Kommunen anmieten und auch belegen muss. „Wir werden auf einzelne Kommunen zugehen und gemeinsam weiteren Wohnraum suchen. Einige Angebote liegen uns aus verschiedenen Kommunen bereits vor und wir werden diese Angebote jetzt prüfen“, sagte der Erste Kreisbeigeordnete Marian Zachow. Konkret gehe es um 600 zusätzliche Unterbringungsplätze, die bis Jahresende gebraucht würden.

„Unser Ziel ist es, die Vereinbarung zu einer fairen Verteilung soweit es geht einzuhalten“, sagte Zachow. Er machte jedoch auch klar, dass die aktuelle Situation in Einzelfällen dazu führen könne, dass zeitweise mehr Flüchtlinge in einer Kommune untergebracht werden müssen als ursprünglich geplant. „Vor dem Hintergrund der großen Herausforderung wird dafür jedoch jeder Verständnis haben“, ist sich der Erste Kreisbeigeordnete sicher.

Zusätzlichen Wohnraum benötigt der Kreis zudem für unbegleitete minderjährige Ausländer. „Hier stehen wir auch vor einer sehr großen Aufgabe“, erklärte Landrätin Kirsten Fründt. Die Zahl der minderjährigen Flüchtlinge, die ohne Begleitung im Kreis ankommen, sei stark angestiegen. Waren es im dritten Quartal des Jahres noch 27, sollen im laufenden letzten Viertel des Jahres rund 170 kommen. Prognostiziert waren für diesen Zeitraum jedoch nur 74. Für das erste Quartal 2016 rechnet der Kreis nochmals mit rund 170 unbegleiteten minderjährigen Ausländern.

„Unser Ziel ist es, die Minderjährigen in Wohngruppen unterzubringen. Bis jedoch ausreichend Plätze in Wohngruppen geschaffen sind, müssen wir den Betroffenen zunächst in Gemeinschaftsunterkünften, zum Beispiel in Jugendherbergen ein Bett und ein Dach über dem Kopf anbieten“, erläuterte Uwe Pöppler, Leiter des zuständigen Fachbereichs Familie, Jugend und Soziales. Deshalb ist der Kreis auch hier auf der Suche nach geeignetem Wohnraum.

Bei den unbegleiteten minderjährigen Ausländern gehen die Aufgaben des Kreises weit über die reine Unterbringung hinaus. Vielmehr geht es um eine Vollversorgung rund um die Uhr. Hinzu kommt, dass der Kreis jetzt auch die Asylverfahren für die Kinder und Jugendliche begleiten muss. „Wir arbeiten sehr eng mit freien Trägern der Jugendhilfe und auch engagierten Ehrenamtlichen zusammen. Dennoch zeichnet sich ein deutlicher Personalbedarf ab“, sagte Landrätin Kirsten Fründt.

Angesichts der Zahl von bis zu 1.000 Flüchtlingen, die täglich im Rahmen der Erstaufnahme nach Hessen kommen, stellt sich für den Kreis derzeit auch nicht die Frage ob, sondern vielmehr wann nochmals kurzfristig eine Notunterkunft für mehrere Hundert Flüchtlinge im Kreis eingerichtet werden muss. „Die Verwaltung bereitet sich intensiv auf diesen Fall vor und hat bereits interne Strukturen geschaffen, um dann schnell und angemessen reagieren zu können“, sagte die Landrätin.

Ansprechpartner:

Wohnraum für Flüchtlinge:

Jochen Koenemann, Telefon: 06421 405-1612, E-Mail: koenemannj@marburg-biedenkopf.de

Wohnraum für unbegleitete minderjährige Ausländer:

Uwe Pöppler, Telefon: 06421 405-1344, E-Mail: poeppleru@marburg-biedenkopf.de oder Jürgen Rimbach, Telefon: 06421 405-1343, E-Mail: rimbachj@marburg-biedenkopf.de

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