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Sieben Trachtenhauben in bemaltem Holzkästchen sind das Exponat des Monats November im Hinterlandmuseum Schloss Biedenkopf – Ausstellungsstücke stammen aus dem 19. Jahrhundert

Pressemitteilöung 401/2013 vom 29.10.2013

Marburg-Biedenkopf – Das Exponat des Monats November 2013 im Hinterlandmuseum Schloss Biedenkopf hatte Zimmermeister Thomas Cyriax bei Arbeiten am Dach des Hauses von Ruth Christ aus Biedenkopf entdeckt. Sie stiftete es später dem Hinterlandmuseum. Bei dem Exponat handelt sich um ein bemaltes Holzkästchen aus dem Jahre 1838 und dessen Inhalt: neben einem Paar Bindebänder und einem Fransentuch sind es sieben Frauenhauben.

Diese Hauben stammen aus dem Besitz von Ruth Christs Schwiegermutter, einer geborenen Cloos aus Wilsbach. In diesem Dorf war die Familie Cloos als Bauern spätestens seit der Mitte des 18. Jahrhunderts ansässig. Die Hauben gehören zur in Wilsbach getragenen „Niederweidbacher Tracht“, die bisher kaum erforscht wurde. Die Schriftstücke, die den Hauben beigefügt wurden, bestätigen durch verschiedene Familiennamen zusätzlich die Herkunft aus der Region Niederweidbach und legen eine Datierung um 1860 nahe.

Vier der Hauben haben eine weiße Grundfarbe und sind durch aufgedruckte und zum Teil mit Stickstichen hervorgehobene Blumenmuster verziert. Die Blumenverzierung zwei dieser Hauben ist braun, die anderen Hauben haben ein blaues Muster. Darüber hinaus wurde auf die Oberseite der Kopfbedeckungen eine zweireihige Musterfolge gestickt. Die papierverstärkte Innenseite der Hauben lässt erkennen, dass Papier damals ein rares Gut war und man selbst bereits beschriebene und bedruckte Papiere bei der Herstellung von Kopfbedeckungen verwendete. So klebt bei einer Haube mit braunem Blumenmuster auf der Innenseite ein Blatt eines Rechnungsbuches, auf dem sich unter anderem der Name „Georg Ströher“ zusammen mit Geldsummen in Talern und Gulden darmstädtischer Währung lesen lassen.

Bei der zweiten Haube mit braunem Blumenmuster – die Blumen wurden durch Stickstiche mit dunklem Garn betont – wurde Papier verwendet, auf dem in mehrfacher Wiederholung der Satz „Kein Mensch ist frei von Fehlern“ geschrieben steht. Vermutlich handelt es sich um die Strafarbeit eines Schülers.

Unter einer Haube mit einem blauen gedruckten und gestickten Blumenmuster wurden sowohl handschriftliche als auch gedruckte Papiere zur Verstärkung aufgebracht. Verwendet wurden hier eine von einem Herrn Werner unterzeichnete Seite der „Communalsteuer für das Jahr 1858“ für „Johannes Kloos III. Kinder“, eine Seite eines Schönschreibblattes sowie ein Brief aus dem Jahre 1855, der von einem „A. Herz“ unterzeichnet wurde. Der Nachname „Herz“ findet sich auch bei Mitgliedern der jüdischen Gemeinde von Niederweidbach. An das Häubchen wurden mit Stecknadeln schwarze, seidene Bindebänder geheftet.

Zur Herstellung der vierten Haube wurde ebenfalls ein weißer Stoff verwendet, der mit einem blauen Blumenmuster bedruckt wurde. Auch dieses Muster wurde noch einmal durch Stickstiche betont und ebenfalls mit einer untereinander angelegten zweireihigen Folge von Stickstichen verziert. Während es sich bei der oberen Reihe um eine Musterreihe handelt, sind in der unteren Reihe die Buchstaben „M.K.RI“ zu lesen. Auf die Innenseite wurde ein Schönschreibblatt mit großen und kleinen Buchstaben sowie Buchstabenfolgen geklebt.

Des Weiteren befanden sich zwei Kopfbedeckungen dunklerer Färbung in dem Kästchen: Zum einen eine Haube aus braunem Stoff mit einem weißen Blumenmuster, zum anderen eine schwarze Haube mit einem stilisierten gestickten Blumenmuster. Auffallend ist, dass der Stoff nicht schwarz gefärbt wurde, sondern die schwarze Farbe aufgemalt wurde. Beide Innenverstärkungen sind aus unbeschriebenem Packpapier. Die unteren Ränder der sechs Kopfbedeckungen umfasst ein schwarzes, breites Stoffband.

Eine weitere Kopfbedeckung unterscheidet sich von den bisher beschriebenen. Es handelt sich um eine weiße, mit schwarzem Garn bestickte Haube. Ein linienartig verlaufender Zierstich teilt die Kopfbedeckung in einen längs über den Kopf verlaufenden Mittelteil und zwei Seitenteile. Die sich daraus ergebenden Felder wurden mit Blumen bestickt. Auf der Oberseite der Haube wurden die Buchstaben „A N L“ gestickt, dem eventuell noch ein fragmentarisch erhaltenes „I“ folgt. An die Kopfbedeckung wurden mit Stecknadeln schwarze, seidene Bindebänder geheftet. Im Gegensatz zu den anderen wurde diese Haube nicht mit Papier verstärkt. Auf der Unterseite sind die Stickstiche zu erkennen.

Ruth Christ aus Biedenkopf stiftete die Ausstellungsstücke dem Hinterlandmuseum.

Ruth Christ aus Biedenkopf stiftete die Ausstellungsstücke dem Hinterlandmuseum.

Bei dem Exponat handelt sich um ein bemaltes Holzkästchen aus dem Jahre 1838 und dessen Inhalt: neben einem Paar Bindebänder und einem Fransentuch sind es sieben Frauenhauben.

Bei dem Exponat handelt sich um ein bemaltes Holzkästchen aus dem Jahre 1838 und dessen Inhalt: neben einem Paar Bindebänder und einem Fransentuch sind es sieben Frauenhauben.

Fotos: Landkreis Marburg-Biedenkopf

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