Link auf das Hauptmenü Link auf die Untermenüpunkte Link auf Inhaltsbereich
Wirksame Waffe gegen einen lautlosen Killer: Rauchmelder retten leben – Landkreis weist auf Einbaupflicht ab 1. Januar 2015 und die Regelungen für gehörlose Menschen hin

(Pressemitteilung 395/2014 vom 24.10.2014)

Marburg-Biedenkopf – Ab 1. Januar 2015 müssen alle Wohnungen in Hessen mit Rauchmeldern ausgestattet sein. Darauf weisen der Landkreis Marburg-Biedenkopf und der Kreisfeuerwehrverband Marburg-Biedenkopf hin. „Am 31. Dezember 2014 endet die Frist zu Ausstattung von bestehenden Wohnungen“, erläutert Kreisbrandinspektor Lars Schäfer. „Das ist jedoch keine lästige Pflicht. Vielmehr sind Rauchmelder echte Lebensretter“, ergänzt Landrätin Kirsten Fründt.

Rund 400 Menschen sterben jährlich in Deutschland durch Brände, die Mehrheit davon in Privathaushalten. Ursache für die etwa 200.000 Brände im Jahr ist aber im Gegensatz zur landläufigen Meinung nicht nur Fahrlässigkeit. Sehr oft lösen technische Defekte Brände aus.

„Die meisten Brandopfer, rund 70 Prozent, verunglücken nachts in den eigenen vier Wänden. Gefährlich ist dabei nicht so sehr das Feuer, sondern der Rauch! 95 Prozent der Brandtoten sind an den Folgen einer Rauchvergiftung gestorben“, erläutert der Kreisbrandinspektor. Tagsüber könne ein Brand meist schnell entdeckt und gelöscht werden. Nachts hingegen schlafe auch der Geruchssinn, so dass die Opfer im Schlaf überrascht würden, ohne die gefährlichen Brandgase zu bemerken. „Brandrauch ist ein lautloser Killer, der seine Opfer im Schlaf überrascht. Nur wenige Atemzüge genügen, die giftigen Bestanteile des Rauchs benebeln die Sinne und die Opfer verlieren innerhalb von Sekunden Orientierung und Bewusstsein“, warnt Schäfer.

Eine vergleichsweise günstige Lebensversicherung sind Rauchmelder. Sie retten Leben. Denn der lautstarke Alarm des Rauchmelders, auch Rauchwarnmelder, Brandmelder oder Feuermelder genannt, weckt die Bewohner, warnt sie rechtzeitig vor der tödlichen Gefahr und verschafft ihnen den nötigen Vorsprung, um sich und ihre Familie in Sicherheit bringen zu können und um Hilfe zu holen.

In Hessen gilt bereits seit 2005 für Neu- und Umbauten von Wohngebäuden die Einbaupflicht für Rauchmelder. Bestehende Wohnungen müssen nun bis 31. Dezember 2014 mit den Rauchmeldern ausgestattet sein. Die Einbaupflicht erstreckt sich auf Schlafräume, vorhandene Kinderzimmer, Flure und Treppenräume, die als Rettungsweg genutzt werden. Geregelt ist dies in der Hessischen Bauordnung. In Küchen oder Bädern empfiehlt es sich hingegen nicht, Rauchmelder zu installieren: Durch Wasserdampf oder Küchendunst kann es zu Fehlalarmen kommen.

„Verantwortlich für den Einbau ist der Eigentümer einer Wohnung, bei Mietwohnungen ist es der Vermieter. Für die Betriebsbereitschaft der Geräte ist der unmittelbare Nutzer, also der Bewohner oder Mieter der Wohnung zuständig. Es sei denn der Eigentümer übernimmt die Wartung. Dazu gehört die regelmäßige Kontrolle, ob der Rauchwarnmelder noch betriebsbereit ist und ob die Batterie noch genug Kapazität hat. Dazu ist an jedem Rauchwarnmelder ein Testknopf angebracht. Wird dieser Knopf gedrückt und der Rauchwarnmelder gibt einen kurzen Alarmton von sich, ist das Gerät noch betriebsbereit. Zudem sind die meisten Geräte mit einer kleinen Lampe ausgestattet. So lange diese Lampe in regelmäßigen Abständen kurz aufblinkt, ist alles in Ordnung. Auch zeigen Rauchmelder mit einem regelmäßigen kurzen Piepton an, wenn die Batterieleistung zur Neige geht.

Auch für gehörlose Menschen gibt es eine Regelung: Nach einem Urteil des Bundessozialgerichts (BSG) in Kassel müssen die gesetzlichen Krankenkassen Gehörlosen für ihre Wohnung Rauchmelder mit Lichtsignalanlage bezahlen. Das BSG argumentiert, dass es sich bei den Rauchmeldern für Gehörlose um Hilfsmittel handelt, die dem mittelbaren Behinderungsausgleich dienen. Rauchmelder gehören laut BSG „als unverzichtbares Warnsystem zur Grundausstattung von Wohnräumen“. Für Gehörlose sind akustische Rauchmelder jedoch nicht ausreichend. Die Betroffenen sind auf Geräte mit optischen Signalen angewiesen, die bei einem Umzug mitgenommen werden können. Auch handele es sich bei den Rauchmeldern mit Lichtsignalanlage nicht um „allgemeine Gebrauchsgegenstände des täglichen Lebens“, so das BSG.

„Am besten werden Rauchmelder mittig an der Decke angebracht, da der Brandrauch nach oben steigt. Dazu werden sie mit kleinen Schrauben befestigt. Alternativ gibt es auch Lösungen mit kleinen magnetischen Platten, die an die Decke geklebt werden“, erklärte Lars Schäfer. „Die Batterie in einem Rauchmelder hält normalerweise mehrere Jahre“, so der Brandschutzfachmann. „Wir erleben es immer wieder, dass zwar Rauchmelder vorhanden sind, diese aber, teilweise noch in der Originalverpackung, in einer Schublade des Wohnzimmerschrankes liegen. So nützen die Geräte aber nichts“, betonte Schäfer.

„Wir geben im privaten Umfeld teilweise viel Geld für Versicherungen oder Sicherheitseinrichtungen in unseren Autos aus. Da sollten ein paar Euro für das eigene Leben und das Leben der Familie in den eigenen vier Wänden nicht zu viel sein“, so die Landrätin.

Rauchmelder können in Bau- und Elektronikmärkten oder auch bei Elektrofachhändlern erworben werden. Käufer sollten aber nicht nur auf den Preis sondern auf die Qualität der Geräte achten. Wichtig ist die CE-Kennzeichnung mit dem Hinweis auf die DIN EN 14604 oder das VdS-Prüfzeichen. Es ist auch möglich, Rauchmelder in verschiedenen Räumen per Funk miteinander zu verbinden. Wenn dann ein Rauchmelder Alarm schlägt, werden automatisch auch die anderen, angeschlossenen Rauchmelder aktiviert.

Hintergrund: Wie funktioniert ein Rauchmelder:

Rauchmelder arbeiten nach dem foto-elektronischen Prinzip. Eine Lichtquelle in dem Rauchmelder strahlt Licht aus, das nicht auf die eingebaute Fotozelle trifft. Erst durch eindringenden Brandrauch wird der Lichtstrahl gestreut und auf die Fotozelle gelenkt. Die Fotozelle schließt einen Stromkreis und der Alarm wird ausgelöst.

Informationen auch im Internet: www.rauchmelder-lebensretter.de

So wird's gemacht: Landrätin Kirsten Fründt und Kreisbrandinspektor Lars Schäfer zeigen, wo ein Rauchmelder hingehört: an die Zimmerdecke. Nur dort funktioniert er richtig und kann frühzeitig vor gefährlichem Brandrauch warnen. (Foto: Landkreis Marburg-Biedenkopf)

So wird's gemacht: Landrätin Kirsten Fründt und Kreisbrandinspektor Lars Schäfer zeigen, wo ein Rauchmelder hingehört: an die Zimmerdecke. Nur dort funktioniert er richtig und kann frühzeitig vor gefährlichem Brandrauch warnen.

(Foto: Landkreis Marburg-Biedenkopf)

[ schliessen ]