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Vortrag im Rahmen der Herbstabende im Hinterlandmuseum Schloss Biedenkopf beschäftigt sich mit „Altstraßen in Mittelhessen“ – Bei der Veranstaltung steht das Verkehrssystem vergangener Jahrhunderte im Mittelpunkt

(Pressemitteilung 392/2013 vom 14. Oktober 2013)

Marburg-Biedenkopf – „Altstraßen in Mittelhessen“ lautet der Titel des Vortrags, den Dr. Jochen Karl (Allendorf/Lumda) im Rahmen der Herbstabende im Hinterlandmuseum Schloss Biedenkopf hält. Der Vortrag findet am Freitag, 25. Oktober 2013, statt und beginnt um 19:00 Uhr.

Unter alten Straßen verstehen die meisten von uns mit Schlaglöchern übersäte Asphaltpisten. Doch verbirgt sich hinter dem Begriff der Altstraßen ein zu unrecht aus dem Bewusstsein verschwundenes Kapitel der Kulturgeschichte: Das Verkehrssystem vergangener Jahrhunderte, von dem erstaunlich viel in unserer Landschaft erhalten ist. Schon in vorgeschichtlicher Zeit genutzte Höhenwege, karolingische Heerstraßen und alte Furten fristen heute ein unbeachtetes, gleichsam wohl behütetes Dasein in unseren Wäldern oder als dicht bewachsene Hohlwege in der Ackerlandschaft.

Der Grund für diesen Dornröschenschlaf ist die Verlagerung des Straßensystems im Spätmittelalter: Waren bis dahin die trockenen und relativ gut befahrbaren Bergkämme bevorzugte Trassen der Händler und Boten, begann man mit dem Aufblühen der Städte am Rande der Auen, also in den Tälern wo die Städte lagen, neue Straßen anzulegen. Zunächst unbefestigt und mit zahllosen improvisierten Knüppeldämmen, zogen sie den Verkehr doch unaufhaltsam von den Höhen herab. Das in dieser Zeit entstandene Straßennetz prägt bis heute unsere mittelhessische Landschaft – trotz der Chausseen des 19. Jahrhunderts und trotz des in wenigen Jahrzehnten entstandenen Netzes von Autobahnen und Umgehungsstraßen.

Mancher Abschnitt überregionaler Altstraßen, wie Teile der Weinstraße zwischen Gießen und Marburg, wurde zwar noch bis in das 19. Jahrhundert genutzt, die vorgeschichtlichen Höhenwege waren da aber schon lange vergessen. Und spätestens mit der Modernisierung der Landwirtschaft in den 1960er- und 1970er-Jahren und den einhergehenden Flurbereinigungen verschwanden auch die letzten Reste einstiger Fernstraßen.

Der Vortrag zeigt erhaltene und zerstörte Reste des mittelalterlichen Straßensystems in Mittelhessen, erläutert die überregionalen Zusammenhänge der damaligen Verkehrsströme und gibt anhand einiger imposanter, bis heute erlebbarer Beispiele aus der Region einen Eindruck von der Mühsal des Reisens in früheren Zeiten.

Der Eintritt zu dem Vortrag ist frei. Informationen per E-Mail unter hinterlandmuseum@t-online.de oder telefonisch unter 06461 924651.

Der Innenhof des Biedenkopfer Schlosses. Foto: Landkreis

Der Innenhof des Biedenkopfer Schlosses.

Foto: Landkreis

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