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Exponate des Monats im Hinterlandmuseum: Zeichenstudien und Bauzeichnungen eines Schülers der Gewerbeschule Holzhausen – Bleistift- und Tuschezeichnungen sind rund 100 Jahre alt
(Pressemitteilung Nr. 390/2012 vom 04.10.2012)
Marburg-Biedenkopf – Bei den kürzlich an das Hinterlandmuseum gestifteten Exponaten des Monats handelt es sich um Zeichenstudien und Bauzeichnungen des Schülers Robert Schneider aus Holzhausen am Hünstein, die er bei seinem Besuch der dortigen Gewerbeschule von 1907 bis 1912 als Zwölf- bis Sechzehnjähriger anfertigte. Die mit Namen, Alter und Beruf des Schülers versehenen Zeichnungen liefern sowohl Informationen über den angestrebten Maurerberuf als auch die Unterrichtsanforderungen der Holzhäuser Gewerbeschule.


Alle Pläne wurden auf einem Zeichenkarton angefertigt, der eine etwas dickere Papierstärke aufweist. Der Zeichenkarton weist ein freies Feld mir einem Vordruck für Namens-, Alters-, und Berufseintragungen auf, auch der Schulname „Gewerbe=schule Holzhausen“ ist vorgedruckt.

Bei den Zeichnungen, die Schneider im Alter von zwölf und dreizehn Jahren fertigte, handelt es sich um einfache perspektivische Studien von Alltagsgegenständen (Stiftekasten, Blätter eines Baumes, Buch) sowie um die Darstellung geometrischer Figuren und ihrer perspektivisch richtigen Darstellung nach einer Drehung im Raum. Die Zeichnungen wurden sowohl mit Bleistift als auch mit schwarzer und roter Tusche angefertigt.


Im Alter von vierzehn bis sechzehn Jahren zeichnete Schneider maßstabsgetreue Gebäudegrund- und aufrisse mit detaillierten Maßangaben. Bemerkenswert ist ein Entwurf aus dem Jahre 1912: Er zeigt ein Wohnhaus aus Fachwerk mit einer Ansicht, zwei Schnitten und drei Grundrissen.

Das anlässlich der 750-Jahrfeier erschienene Dorfbuch über Holzhausen am Hünstein berichtet nur an zwei Stellen explizit von der Einrichtung einer Gewerbeschule. Über viele Jahre bestand der Unterricht in Holzhausen im Wesentlichen aus einfachen Schreib- und Rechenarbeiten. Nicht ausgebildete Lehrkräfte unterrichteten die Schüler in einem von der Gemeinde durch Mietzins unterhaltenen Raum im Privathaus der Lehrer. Die Besoldung bestand aus einem geringen finanziellen Entgelt und Naturalien. Neben ihrem Lehrauftrag arbeiteten die Lehrer daher oftmals zugleich als Kirchendiener, Glöckner oder als Landwirte.

Erst im Jahre 1837 kam mit Schulvikar Klein der erste seminaristisch ausgebildete Lehrer nach Holzhausen. Ein Lehrer, teilweise über 160 zu unterrichtende Schüler, zu kleine Schulräume und eine eher dürftige Lehrerbesoldung sorgten dafür, dass zwischen 1837 und 1887 neun Lehrer jeweils nur für kurze Zeit in Holzhausen arbeiteten. Die Einweihung eines Schulgebäudes für drei Klassen, zwei Klassenräumen und zwei Lehrerwohnungen am 30. November 1893 war eine längst fällige Maßnahme für das Unterrichtswesen in Holzhausen.

Lehrer Ferdinand Haas lobte in der Schulchronik aus dem Jahre 1902 den Gesinnungswandel bezüglich besserer Unterrichtsverhältnisse: „Auch die Einrichtung einer Gewerbeschule dürfte zeigen, dass das Interesse der hiesigen Bevölkerung für die Schulfragen bedeutend reger geworden ist.“ Vor Beginn des ersten Weltkrieges mietete die Gemeinde wieder einen Privatraum an und ergänzend zum Unterricht im Schulgebäude fand ein vierklassiger Unterricht mit drei Lehrern statt. Am 15. September 1914 konnte ein neues Schulgebäude bezogen werden.

Während die wechselvolle Geschichte der Holzhäuser Schule über die Entwicklung einer Grund- und Hauptschule zu einer Grundschule bis in die heutige Zeit andauert, wurde die Gewerbeschule aus finanziellen Gründen bereits am 1. November 1931 geschlossen.

Das Hinterlandmuseum ist täglich außer montags von 10:00 Uhr bis 18:00 Uhr geöffnet.
 

Bemerkenswert ist ein Entwurf aus dem Jahre 1912: Er zeigt ein Wohnhaus aus Fachwerk mit einer Ansicht, zwei Schnitten und drei Grundrissen. (Foto: Landkreis)

Bemerkenswert ist ein Entwurf aus dem Jahre 1912: Er zeigt ein Wohnhaus aus Fachwerk mit einer Ansicht, zwei Schnitten und drei Grundrissen.
(Foto: Landkreis)

 

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