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Sehr gute Überlebenschancen beim Herzstillstand: Marburg-Biedenkopf nimmt Spitzenposition ein – Vom Ersthelfer bis zur Klinik: Retter im Kreis sind gut organisiert und vernetzt

(Pressemitteilung 383/2015 vom 09.10.2015)

Marburg-Biedenkopf – Wer im Landkreis Marburg-Biedenkopf einen plötzlichen Herzstillstand erleidet, hat bessere Chancen zu überleben als an einem anderen Ort. Das ist das Ergebnis einer Untersuchung, die der Kreis und das Zentrum für Notfallmedizin des Marburger Universitätsklinikums vorgestellt haben. Grund für die auch im internationalen Vergleich besseren Überlebenschancen sind die sehr gute medizinische Versorgung durch Rettungsdienst und Krankenhaus sowie die gute Vernetzung der Lebensretter.

„Das Ergebnis dieser Untersuchung macht uns stolz und unterstreicht bereits vorhandene Erkenntnisse aus den Vorjahren“, betonte Landrätin Kirsten Fründt bei der Vorstellung der Zahlen. Zudem zeige die Studie, dass die Organisation eines leistungsfähigen Rettungssystems im Landkreis Marburg-Biedenkopf erfolgreich sei.

Im Kreis Marburg-Biedenkopf erleiden pro Jahr rund 200 Menschen einen plötzlichen Herzstillstand, der ohne schnelle Hilfe den sicheren Tod bedeutet. „Diese Zahlen decken sich mit Daten aus den Industrienationen. Danach treten dort 50 bis 100 Fälle von plötzlichem Herztod pro 100.000 Einwohner und Jahr auf“, erläuterte PD Dr. Clemens Kill, Leiter des Zentrums für Notfallmedizin am Universitätsklinikum Gießen und Marburg (UKGM), Standort Marburg.

Weltweit liegt die Zahl der Überlebenden zwischen zwei und zwölf pro 100.000 Einwohner und Jahr. „Dem gegenüber weist die Statistik für das Jahr 2014 eine Überlebensrate von nahezu 14 Patienten pro 100.000 Einwohner im Landkreis Marburg-Biedenkopf auf. Im bundesweiten Vergleich sind es hingegen rund sieben Überlebende pro 100.000 Einwohner“, erklärte Dr. Erich Wranze-Bielefeld, der Ärztliche Leiter des Rettungsdienstes beim Landkreis Marburg-Biedenkopf. Bei rund 241.000 Einwohnern bedeutet dies für Marburg-Biedenkopf nahezu 34 Überlebende.

Wie Dr. Kill und Dr. Wranze-Bielefeld erläuterten, stützen die aktuellen Zahlen die Daten, die in den Jahren 2008 bis 2012 erhoben wurden. Bereits in dieser Zeit nahm Marburg-Biedenkopf mit rund elf Überlebenden pro 100.000 Einwohner eine Spitzenposition ein. Zum Vergleich: In Nordamerika lag die Zahl der Überlebenden statistisch bei rund vier Menschen, in der Stadt Wien bei knapp fünf. Große internationale Untersuchungen beziffern bei vergleichbarer Häufigkeit rettungsdienstlicher Reanimationsversuche Überlebensraten von 3 Prozent in Japan, 6 Prozent in den USA, 10 Prozent in Europa und 11 Prozent in Australien. Die mehr als 15 Prozent nach Reanimation entlassenen Patienten in Marburg-Biedenkopf stellen nach Meinung aller Verantwortlichen somit ein exzellentes Ergebnis dar.

„Die Versorgung von Patienten mit plötzlichem Kreislaufstillstand stellt einer der größten Herausforderungen an die Medizin dar. Aufgrund der Dringlichkeit der Situation kann nur bei einer optimalen Verzahnung aller notwendiger Formen medizinischer Hilfe ein Überleben für möglichst viele Betroffen mit bestmöglichem Ergebnis erzielt werden“, unterstrich Dr. Kill.

„Hier spielten die vernetzten Strukturen im Landkreis Marburg-Biedenkopf eine wichtige Rolle“, ergänzte Dr. Wranze-Bielefeld. Mit dem 2013 ins Leben gerufenen Aktionsbündnis „H-E-R-Z“ (die Abkürzung steht für „Helfen wollen – Einsatz zeigen – Retten können – Zukunft sichern“) zum Beispiel habe der Kreis gemeinsam mit den Hilfsorganisationen, der Ärzteschaft und dem UKGM verstärkt für die Erste-Hilfe-Ausbildung geworben. „Ersthelfer sind eine der wichtigsten Säulen bei der Wiederbelebung“, betonten Dr. Kill und Dr. Erich Wranze-Bielefeld. Durch einen frühen Notruf und eine schnellstmöglich einsetzende Wiederbelebung durch Ersthelfer bekämen die professionellen Helfer der Rettungsdienste und Kliniken die Chance, ihre Trümpfe mit weitergehenden Versorgungsmaßnahmen auszuspielen.

Eine wichtige Rolle spielt die Zentrale Rettungsleitstelle Kreises: „Die speziell ausgebildeten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind in Lage, durch eine strukturierte Notrufabfrage eine lebensbedrohliche Situation zu erkennen und die Anrufer dann gezielt per Telefon zu einer Wiederbeldung anzuleiten, wodurch lebenswichtige Zeit gewonnen werden kann“, erläuterte Lars Schäfer, Leiter des Fachbereichs Gefahrenabwehr beim Kreis.

„Ein weiterer Baustein ist die konsequente und nachhaltige Schulung der Rettungsteams, bestehend aus Notfallsanitätern, Rettungsassistenten und Notärzten. Die Abläufe der Wiederbelebung werden immer wieder intensiv trainiert“, erläuterte Dr. Wranze-Bielefeld. Zudem werte der Rettungsdienst seit 2008 alle Wiederbelebungen aus, um Schwachstellen zu in den Abläufen zu entdecken. Auch dies diene der Sicherung und Steigerung der Qualität.

„Es sind alle medizinischen Bereiche inhaltlich und organisatorisch eingebunden, so dass bei der zeitkritischen Notfallversorgung Verzögerungen minimiert und Abläufe optimiert werden können“, ergänzte Dr. Kill. Auch werde innerhalb der Rettungsteams regelmäßig die Einhaltung spezieller Leitlinien für die Wiederbelebung überprüft und gemeinsam von UKGM und DRK Rettungsdienst Mittelhessen wissenschaftlich begleitet. Hinzu kommt eine moderne technische Ausstattung, etwa mit Geräten, die eine unterbrechungsfreie Herzdruckmassage mit gleichbleibender Stärke ermöglichen

Auch das Marburger Universitätsklinikum hat die internen Abläufe der notfall- und intensivmedizinischen Versorgung optimiert, um das Zusammenwirken der beteiligten Fachabteilungen im Klinikum bestmöglich zu organisieren. So könne eine schnelle und wirksame Versorgung ohne Reibungsverluste zu jeder Zeit gewährleistet werden, stellte Prof. Dr. Bernhard Schieffer, Direktor der Klinik für Kardiologie am UKGM fest. Das Ergebnis ist das Marburg Cardiac Arrest Center (MCAC).

„Es wäre aber falsch, sich auf den Ergebnissen auszuruhen. Wir versuchen, die Zahl der Menschen, die einen plötzlichen Herzstillstand überleben, zu steigern“, sagte Dr. Erich Wranze-Bielefeld. Der Landkreis Marburg-Biedenkopf baue daher gemeinsam mit den Partnern ein koordiniertes Netz von Voraushelfern auf, die die Zeit zwischen Notruf und Eintreffen des Rettungsdienstes durch einfache Maßnahmen zu Wiederbelebung überbrücken.

„Damit erhöhen wir die Chancen, dass die professionellen Rettungsteams noch helfen können – denn beim Herzstillstrand zählt wirklich jede Minute. „Die Voraushelfer werden durch die Rettungsleitstelle parallel zum Rettungsdienst alarmiert und sind im Idealfall ein paar Minuten schneller vor Ort und können wirksame Hilfe einleiten. Es ist das Prinzip der gelebten Nachbarschaftshilfe: Voraushelfer wohnen oder arbeiten im gleichen Ort. Unser Ziel ist es, sie per GPS und Smartphones zu orten und dann den nächstgelegenen Voraushelfer an den Notfallort zu schicken“, so Dr. Wranze-Bielefeld. Die Kosten für ein solches System belaufen sich auf rund 50.000 Euro, die auch durch eine Spendenaktion aufgebracht werden sollen.


Stellten in Marburg die Ergebnisse einer Studie zu Überlebensraten nach plötzlichem Herzstillstand vor: (v.li.) Marco Schulte Lünzum, (Johanniter-Unfallhilfe), Prof. Dr. Bernhard Schieffer (Klinik für Kardiologie am UKGM), Markus Müller (DRK Rettungsdienst Mittelessen), Dr. Erich Wranze-Bielefeld (Ärztlicher Leiter des Rettungsdienstes beim Landkreis Marburg-Biedenkopf), Landrätin Kirsten Fründt, PD Dr. Clemens Kill (Zentrum für Notfallmedizin am UKGM), Christian Sudek (Malteser Hilfsdienst), Maik Klein (Leiter der Zentralen Rettungsleitstelle) und Kreisbrandinspektor Lars Schäfer.

Stellten in Marburg die Ergebnisse einer Studie zu Überlebensraten nach plötzlichem Herzstillstand vor: (v.li.) Marco Schulte Lünzum, (Johanniter-Unfallhilfe), Prof. Dr. Bernhard Schieffer (Klinik für Kardiologie am UKGM), Markus Müller (DRK Rettungsdienst Mittelessen), Dr. Erich Wranze-Bielefeld (Ärztlicher Leiter des Rettungsdienstes beim Landkreis Marburg-Biedenkopf), Landrätin Kirsten Fründt, PD Dr. Clemens Kill (Zentrum für Notfallmedizin am UKGM), Christian Sudek (Malteser Hilfsdienst), Maik Klein (Leiter der Zentralen Rettungsleitstelle) und Kreisbrandinspektor Lars Schäfer.

(V. li.) Prof. Dr. Bernhard Schieffer, Markus Müller, Dr. Erich Wranze-Bielefeld und Dr. Clemens Kill erläutern Landrätin Kirsten Fründt ein Gerät (hier an einer Übungspuppe), das eine automatische Herzdruckmassage durchführen kann.

(v. li.) Prof. Dr. Bernhard Schieffer, Markus Müller, Dr. Erich Wranze-Bielefeld und Dr. Clemens Kill erläutern Landrätin Kirsten Fründt ein Gerät (hier an einer Übungspuppe), das eine automatische Herzdruckmassage durchführen kann.

Die wichtigste Nummer beim plötzlichen Herzstillstand: Notruf 112, um so schnell wie möglich den Rettungsdienst zu alarmieren.

Die wichtigste Nummer beim plötzlichen Herzstillstand: Notruf 112, um so schnell wie möglich den Rettungsdienst zu alarmieren.

Stellten in Marburg die Ergebnisse einer Studie zu Überlebensraten nach plötzlichem Herzstillstand vor: (v.li.) Marco Schulte Lünzum, (Johanniter-Unfallhilfe), Prof. Dr. Bernhard Schieffer (Klinik für Kardiologie am UKGM), Landrätin Kirsten Fründt, Kreisbrandinspektor Lars Schäfer, Dr. Erich Wranze-Bielefeld (Ärztlicher Leiter des Rettungsdienstes beim Landkreis Marburg-Biedenkopf), PD Dr. Clemens Kill (Zentrum für Notfallmedizin am UKGM), Markus Müller (DRK Rettungsdienst Mittelessen), und Christian Sudek (Malteser Hilfsdienst).

Stellten in Marburg die Ergebnisse einer Studie zu Überlebensraten nach plötzlichem Herzstillstand vor: (v.li.) Marco Schulte Lünzum, (Johanniter-Unfallhilfe), Prof. Dr. Bernhard Schieffer (Klinik für Kardiologie am UKGM), Landrätin Kirsten Fründt, Kreisbrandinspektor Lars Schäfer, Dr. Erich Wranze-Bielefeld (Ärztlicher Leiter des Rettungsdienstes beim Landkreis Marburg-Biedenkopf), PD Dr. Clemens Kill (Zentrum für Notfallmedizin am UKGM), Markus Müller (DRK Rettungsdienst Mittelessen), und Christian Sudek (Malteser Hilfsdienst).

Fotos: Landkreis Marburg-Biedenkopf

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