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Gemeinsame Pressemitteilung der Landkreise Marburg-Biedenkopf, Gießen und des Lahn-Dillkreises: Weimar-Niederwalgern und Kirchhain-Großseelheim sind die Siegerorte des Wettbewerbs „Unser Dorf hat Zukunft“ 2014 der Region West I – Dillenburg-Oberscheld erzielt den Preis für „Jugend im Dorf“

(Pressemitteilung 366/2014 vom 06.10.2014)

Auch in diesem Jahr haben sich die mitwirkenden Orte im Wettbewerb „Unser Dorf hat Zukunft“ wieder mit viel Engagement auf den Termin zur jeweiligen Dorfpräsentation für die Bewertungskommission vorbereitet. Dabei wurde fast einheitlich von allen Dörfern festgestellt, dass man allein durch die strukturierte und intensive Beschäftigung mit dem eigenen Dorf, viel Neues angegangen oder Vorhandenes entdeckt hat, Dinge in neuen Zusammenhängen sieht und sich neue Kontakte im Dorf ergeben haben. Bei allem Ehrgeiz, den jeder Wettbewerb weckt, hat die Dorfgemeinschaft insgesamt gewonnen. Überwiegend wurde auch erklärt, dass man sich zu Themen neu zusammengefunden, die gemeinsame Arbeit erst begonnen habe und Konzepte und begonnene Projekte fortführe.

Landrätin Kirstin Fründt (Marburg-Biedenkopf), Landrätin Anita Schneider (Landkreis Gießen) und Landrat Wolfgang Schuster (Lahn-Dill-Kreis) gratulierten gemeinsam allen teilnehmenden Dörfern und hoben die große Vielfalt unterschiedlichster gemeinsamer Aktivitäten in den Orten hervor. Die Mitwirkung an dem Wettbewerb sei immer eine Herausforderung, aber auch stets ein Gewinn für alle. Sie beglückwünschten besonders die diesjährigen Gewinner des Wettbewerbs.

Zehn Dörfer aus Marburg-Biedenkopf, zwei aus dem Landkreis Gießen und fünf aus dem Lahn-Dill-Kreis haben teilgenommen. Traditionsgemäß beteiligen sich in Hessen die Dörfer der nördlicheren Landkreise stärker am Wettbewerb. Dies hat sich auch in der Region West I gezeigt.

Die Ergebnisse der Gruppe A – Förderschwerpunkte der Dorferneuerung:

Platz: Weimar-Niederwalgern
Platz: Neustadt-Speckswinkel
Platz: Wettenberg-Launsbach

Sonderurkunden erhalten in alphabetischer Reihe aufgeführt:

Amöneburg-Erfurtshausen für „Innovative Nahwärme- und Breitbandversorgung bis ins Haus als Genossenschaftsprojekt“, Breidenbach-Oberdieten für „Jährliche Hilfsgüterfahrten in den Kosovo und nach Albanien im Wert von circa 100.000 Euro in Zusammenarbeit der Dorfgemeinschaft“, Lahntal-Sterzhausen für „Interkommunale Zusammenarbeit im Bereich der bürgerschaftlichen Seniorenarbeit“, Wetter-Mellnau für „Bewussten Umgang mit der dörflichen Kultur - Burg, Schmiede, Viehwaage, Backhaus“. 

Die Ergebnisse der Gruppe B – Dörfer ohne Dorferneuerung:

Platz: Kirchhain-Großseelheim
Platz: Sinn-Edingen
Platz: Marburg-Ginseldorf

Sonderurkunden erhalten in alphabetischer Reihe aufgeführt:

Braunfels-Neukirchen für „Aktive Einbindung der Flüchtlinge in die Dorfgemeinschaft“, Dillenburg-Manderbach für „Engagierte und langjährige Arbeit der aktiven Waldjugend“, Kirchhain-Kleinseelheim für „Besondere Auseinandersetzung und Selbstbewertung der örtlichen Situation“, Marburg-Bauerbach für „Erfolgreichen Wiederaufbau der Feuerwehr mit Jugendfeuerwehr“, Rabenau-Allertshausen für „ausdrucksstarke und generationenübergreifende Videoperformance der Hip-Hop Gruppe als Symbol des Wir-Gefühls“, Sinn-Fleisbach für „Ehrenamtliche Aktivitäten der Rentnerband für die Dorfgemeinschaft“.

Sonderpreis in 2014 für Jugend im Dorf

Dillenburg-Oberscheld erzielt den erstmalig ausgelobten Sonderpreis für „Jugend-Arbeitskreis-Oberscheld e.V. - JAKOB“. Die Richtungsweisende und professionelle Aufarbeitung der eigenen Vergangenheit gemeinsam mit der älteren Generation im Rahmen des Bundesprogramms TOLERANZ FÖRDERN – KOMPETENZ STÄRKEN hat das Dorf gestärkt. Die Ergebnisse der Betrachtung des dörflichen Lebens in den Jahren 1933 bis 1945 wurden als Broschüre und Ausstellung erarbeitet und veröffentlicht. Eine weitere Verankerung erfährt die Aufarbeitung durch den im Dorf geplanten „Pfad gegen das Vergessen“.

Als Geldpreise sind je Gruppe im Regionalentscheid für den 1. Platz 3.000 Euro, für den 2. Platz 2.000 Euro und für den 3. Platz 1.000 Euro vom Land Hessen ausgelobt. Der Sonderpreis in Höhe von 1.000 Euro kann einmal pro Region vergeben werden. Eine gemeinsame Abschlussveranstaltung mit Übergabe der Preise und Urkunden wird noch für diesen Herbst geplant.

„Die Erfahrungen im Wettbewerb zeigen, dass viel Engagement und Potenzial in der Bevölkerung vorhanden ist. Dies gilt es zusammenzubringen und Ziel führend für die Zukunft der Dörfer zu nutzen. Nur in Zusammenarbeit und gegenseitigen Unterstützung aller, der Dorfbewohnerinnen und -bewohner und der kommunalen Entscheidungsträgerinnen und -träger sowie der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Verwaltungen, lassen sich unsere Dörfer lebenswert und zukunftsfähig erhalten und gestalten. Der Wettbewerb ‚Unser Dorf hat Zukunft’ bietet eine sehr gute Unterstützung dafür“, fasste Margot Schneider als Kommissionsleiterin die Eindrücke des Bewertungsteams zusammen.


Hintergrundinformationen der Kommission zu den einzelnen Gewinnerorten:

Die Ergebnisse der Gruppe A – Förderschwerpunkte der Dorferneuerung:

Weimar-Niederwalgern präsentiert sich mit vielfältigen bürgerschaftlichen Aktivitäten z.B.  „Bürger helfen Bürgern“, Aktionen zur Heranführung der Flüchtlinge an die Dorfgemeinschaft und Entwicklung einer Willkommenskultur, der intensiven Zusammenarbeit mit der Gesamtschule und den Vereinen. Ein breiter Bogen beeindruckt, gespannt vom Blick in die Geschichte bis heute, von gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Aktivitäten bis zu naturpädagogischen Aktionen und mit Projekten, die generationsübergreifend und fundiert mit fachlichem Wissen umgesetzt wurden. Vielfältige ökologische Projekte unter Beachtung des europäischen Naturschutzgedankens sind generationsübergreifend bearbeitet. Zur Umsetzung zahlreicher in Eigenleistung umgesetzter Maßnahmen werden Sponsorengelder eingeworben, die Kommune damit nicht belastet. Das Bewusstsein zur historischen Bausubstanz und dörflichen Vergangenheit sowie die Offenheit für fachliche Anregungen bestechen. Niederwalgern gestaltet seine Zukunft und bewahrt die Vergangenheit.

Neustadt-Speckswinkel beeindruckte durch eine sehr engagierte Dorfgemeinschaft, die sich durch die innerhalb weniger Monate weggefallenen Kindergarten, Lebensmittelladen und Grundschule nicht entmutigen ließ. Vielmehr war dies Impuls, sich verstärkt über Arbeitsgruppen mit dem Geschehen im Dorf zu beschäftigen. Ein Dorfplatz wurde in Eigenleistung geschaffen, ein fahrender Lebensmittelladen organisiert, ein Dorfnaturlehrpfad und die Homepage entwickelt, ein Gartencafe entstand. Ein intensives Zusammengehörigkeitsgefühl wird dadurch deutlich, die Dorfgemeinschaft engagiert sich auch für andere und unterstützt seit fünf Jahren ein Kinderhaus in Tansania. Mit historischen Baustoffen wird bewusst umgegangen, die ökologische Wertigkeit gesehen, Ruderalflächen im Dorfbereich akzeptiert. Basaltpflaster ist in viele Hofflächen und Straßen zu finden und wird als haltbarer und ökologisch wertvoller Straßenbelag geschätzt.

Wettenberg-Launsbach zeigt sich sehr engagiert in bürgerschaftlichen Aktivitäten und setzt sich bewusst auseinander mit seinem Lebensraum und der umgebenden Landschaft. Kindergarten, Grundschule und Förderverein, Betreuungsverein, Seniorenwerkstatt, örtliche Firmen und die Kommune arbeiten intensiv zusammen, vielfältige Angebote, auch in der Ferienzeit werden entwickelt. Das Gelände von Grundschule und Kindergarten wird um einen Mehrgenerationenplatz ergänzt und damit das Zusammenwirken noch weiter gestärkt. Auch im umweltpädagogischen Bereich besteht eine gute Vernetzung. Naturschutzbund, Angelverein, Hundesportfreunde, Landschaftspflegegemeinschaft arbeiten nachhaltig zusammen. Die Uni ist eingebunden, unterstützt fachlich. Die Kommune begleitet aktiv alle Projekte. Ein Beirat aus Handwerkern und Energieversorger unterstützt die Kommune zu Energiethemen.


Die Ergebnisse der Gruppe B – Dörfer ohne Dorferneuerung:

Kirchhain-Großseelheim zeigt sich dörflich geprägt und zukunftsorientiert ausgerichtet. Das Dorf überzeugte mit vielfältigen bürgerschaftlichen Aktivitäten, der Zusammenarbeit der ortsansässigen Firmen mit der Dorfgemeinschaft, den zahlreichen fachgerecht sanierten oder umgenutzten Hofreiten und Fachwerkgebäuden im Ortskern. Historische Pflasterflächen oder Hoftore sind vielfach erhalten. Herkunft und Tradition sind im Dorf ablesbar, zeitgemäße Nutzungen gut eingepasst. Auch der Trachtenverein und das Dorfmuseum spiegeln dieses wider. Kinder und Jugendliche sind aktiv eingebunden, auf ihre Interessen wird eingegangen. Besonders hervorzuheben sind auch die vielfältigen wirtschaftlichen Aktivitäten, deren Vernetzung und Wirkungen im und über das Dorf hinaus. Die Vollversorgung im Dorf ist gut abgedeckt. Der innovative Firmenverbund „Werkhof“ ist an ökologischem Bauen und nachhaltigem Wirtschaften ausgerichtet, gut im Dorf integriert. Landwirtschaftliche Betriebe sind in der Ortsmitte noch eine Selbstverständlichkeit. Beim jährlichen, weit über die Region bekannten Adventsmarkt sind die Höfe eingebunden. Die Nahwärmegenossenschaft versorgt öffentliche Gebäude, Firmen und zusammen mit einer Solarthermieanlage eine überregionale Gasdruckregelanlage. Vielfältige Wertschöpfungsketten im Dorf sind aufgebaut. Alte Streuobstwiesen wurden in Pflege genommen. Mit Artenschutz im und ums Dorf beschäftigt man sich verstärkt und ist sich dieser Werte bewusst.

Sinn-Edingen zeigt eine vielfältige generationenübergreifende Vereinsarbeit und eine starke Verbundenheit zu kirchlichen Traditionen. Bürger helfen Bürgern und die Nachbarschaftshilfe im Dorf ist aufgebaut, Kurse zur Begleitung Demenzerkrankter und zur Entlastung der pflegenden Angehörigen werden durchgeführt. Die Aussage „ein Dorf lernt Demenz“ verdeutlicht die Einstellung dazu. Ein starkes Bewusstsein für gegenseitige Unterstützung und Förderung in sozialen Belangen besteht. Die Kindertagesstätte fördert bereits bei den Kleinsten Eigenständigkeit und Selbstverantwortung in besonderem Maße. Der Freitagstreff organisiert den Mittagstisch für Ältere und Kinder, sowie Hausaufgabenbetreuung. Die Kirchengemeinde hat über ihre Musikschule Bands für Kinder, Jungendliche und „ü 40“ aufgebaut und betreibt eine intensive Jugendarbeit. Der ökologisch ausgerichtete Birkenhof ist ins Dorfgeschehen eingebunden, in Zusammenarbeit mit Einrichtungen der Lebenshilfe wurden betreute Arbeitsplätze u.a. in der Landschaftspflege geschaffen. Für Artenschutz und umweltpädagogische Projekte setzt man sich sehr stark ein. Bereits 1957 wurde der Vogelschutzverein gegründet, die Dokumentation der Schwalbenbestände, Schleiereulen, Wasseramseln usw. frühzeitig begonnen. Eine Ausweitung und Vernetzung der Aktionen in die Region erfolgte früh.

Marburg-Ginseldorf engagiert sich für den Dorfladen mit Bücherecke, Dorftreff, Stehcafe in Bürgerhand. Verschiedenste Events, angefangen von Themenwochen, Autorenlesungen, Beteiligung am Mittelhessischen Kultursommer, Grillen oder Nikolausfeiern beleben den Dorftreff, unterstützen den Laden und fördern die Dorfgemeinschaft. Ferienspiele werden von den Vereinen organisiert, der Kindergarten – in Kooperation mit den Fleckenbühlern – führt schon früh an naturpädagogische Projekte heran. Internationale Kontakte werden über den Trachtenverein gepflegt. Erste Konzepte zur Situation älterer Menschen in den Baugebieten der 60er und 70er Jahre sind in der Diskussion.

Viele, gut erhaltene Fachwerkgebäude, Basaltpflaster in Höfen und Bürgersteigen, heimische Laubbäume in den Höfen sowie Hausgärten prägen den Ortskern. Die alten Haus- und Hofnamen werden bewahrt. Ein historischer Ortsrundgang auch in die gut begrünte Landschaft mit QR-Code wird vorbereitet. Biotopvernetzungen, auch über den Bachlauf, bestehen in der Landschaft.

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