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Voraushelfer erweitern die Rettungskette im Landkreis Marburg-Biedenkopf – Wenn beim Herzstillstand jede Minute zählt, erweitern sie das Zeitfenster für Notarzt und Rettungsdienst

(Pressemitteilung Nr. 361/2013 vom 27.09.2013)

Marburg-Biedenkopf – Bei einem Herzstillstand zählt jede Minute, um das Leben der Betroffenen zu retten. Die wichtigste Rolle dabei spielen Ersthelfer, die die Zeit bis zum Eintreffen des Notarztes und des Rettungsdienstes mit wichtigen Erstmaßnahmen überbrücken. Im Landkreis Marburg-Biedenkopf gibt es nun ein weiteres Glied in dieser Rettungskette und einen weiteren Baustein zur Optimierung der medizinischen Versorgung: Die Voraushelfer.

Die ersten Voraushelfer im Landkreis Marburg-Biedenkopf haben nun ihre Abzeichen zur Kenntlichmachung ausgehändigt bekommen, womit auch offiziell der Startschuss für das System gegeben wurde. Etwa 100 dieser Helfer gibt es bis jetzt in rund 70 Orten im Landkreis Marburg-Biedenkopf. Das System ist so etwas wie eine organisierte Nachbarschaftshilfe. Immer dann, wenn in der Rettungsleitstelle erkennbar wird, dass ein Herzstillstand der Grund eines Notrufes ist, wird nicht nur der Rettungsdienst alarmiert. Parallel dazu informiert die Leitstelle nach Verfügbarkeit auch mindestens einen Voraushelfer, der sich vermutlich in der Nähe des Notfallorts aufhält. Ebenfalls parallel zur Alarmierung von Notarzt und Rettungswagen leiten die Einsatzbearbeiter in der Leitstelle die Anrufer bereits zu Wiederbelebungsmaßnahmen an.

„Ziel ist es nicht, irgendein System zu ersetzen oder den Rettungsdienst auszudünnen. Fakt ist aber, dass der Rettungswagen bis zu zehn Minuten brauchen kann, bis er eintrifft. Diese Zeitspanne gilt es bei einem Kreislaufstillstand zu überbrücken“, erläuterte Dr. Erich-Wranze-Bielefeld, der Ärztliche Leiter des Rettungsdienstes beim Landkreis Marburg-Biedenkopf.

Das System basiert auf einem gemeinsamen Konzept, das der Landkreis Marburg-Biedenkopf, das DRK, der Malteser Hilfsdienst und die Johanniter-Unfallhilfe auf den Weg gebracht haben. Getragen wird es von freiwilligen Helferinnen und Helfern, zumeist Mitarbeiter bei diesen Institutionen, die sich bereit erklärt haben, als Voraushelfer zu arbeiten.

„Das System macht nur Sinn, wenn die Wege kurz sind, die Voraushelfer also einen echten zeitlichen Vorsprung erzielen und ein paar Minuten vor dem Rettungsdienst vor Ort sein können“, erläutert Maik Klein, Leiter der Zentralen Leitstelle beim Landkreis Marburg-Biedenkopf. Es gehe also um echte Nachbarschaftshilfe, wenn im gleichen Ort oder in der gleichen Straße, in der ein Voraushelfer wohnt oder arbeitet, ein Notfall eintritt. Informiert werden die Voraushelfer per Kurzmitteilung (SMS) über das Mobiltelefon. Die offiziellen Voraushelfer haben sich bei der Leitstelle registrieren lassen und angegeben, wo sie wohnen oder arbeiten. So können den Voraushelfern Einsatzbezirke zugeordnet werden.

„Wir können aber nicht garantieren, dass bei jedem entsprechenden Notfall ein Voraushelfer frühzeitig vor Ort ist, schließlich wissen wir nicht genau, wo sich die Voraushelfer gerade aufhalten. Wir gehen davon aus, dass sie entweder zu Hause oder an ihrer Arbeitsstelle sind und informieren sie per Kurzmitteilung“, sagte Maik Klein. Ziel sei es, die Dichte an Voraushelfern zu erhöhen. Damit steige auch die Wahrscheinlichkeit, dass ein Voraushelfer frühzeitig vor Ort sein kann.

„Die Voraushelfer greifen nur dann ein, wenn sie vor Ort sind. Sie setzen sich also nicht ins Auto und fahren in den nächsten Ort. Damit hätten wir keinen zeitlichen Vorteil mehr. Ziel ist es, bei einem Herzstillstand so früh wie möglich mit einer Herzmassage zu beginnen. Dadurch wird das enge Zeitfenster, das Notarzt und Rettungsdienst haben um mit erweiterten Maßnahmen einzugreifen, ein Stück erweitert“, so Dr. Erich Wranze-Bielefeld.

„Der schnellste Voraushelfer ist natürlich immer der Anrufer, der den Notfall meldet. Mit einer klar strukturierten Notrufabfrage versuchen die Einsatzbearbeiter in der Leitstelle so früh wie möglich die Situation zu erfassen und den Anrufer dann, wenn ein Herzstillstand wahrscheinlich ist, telefonisch gezielt zu Erstmaßnahmen anzuleiten“, ergänzte Maik Klein.

Das Voraushelfer-System steht jedem offen. Wer sich engagieren möchte, muss mindestens 18 Jahre alt sein, einen acht Doppelstunden umfassenden Erste-Hilfe-Lehrgang und eine spezielle vierstündige Schulung für Voraushelfer absolviert haben. Ausgestattet werden sie mit einen grauen Weste als Kennzeichnung, einer einfachen Beatmungshilfe und Schutzhandschuhen. „Mehr brauchen sie auch nicht, denn ihre Aufgabe besteht nur darin, Erstmaßnahmen mit Herzdruckmassage und Atemspende zu ergreifen“, verdeutlichte der Ärztliche Leiter.

Weitere Informationen unter der Telefonnummer 06421 405-1830 oder auf der Homepage „www.h-e-r-z.org“

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