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Vortrag über „Patenschaft und Verwandtschaft im Hinterland“ im Hinterlandmuseum Schloss Biedenkopf – Veranstaltung im Rahmen der Herbstabende – Referentin ist Dr. Kerstin Werner

(Pressemitteilung 359/2014 vom 01.10.2014)

Marburg-Biedenkopf – Am Freitag, 10. Oktober 2014, beginnt um 19:00 Uhr der erste Vortrag im Rahmen der Herbstabende im Hinterlandmuseum Schloss Biedenkopf. Dr. Kerstin Werner spricht über „‘Gotekorb und Zimmetwecke – mir haale Freundschaft.‘ Patenschaft und Verwandtschaft im Hessischen Hinterland: Ihre Funktion innerhalb der dörflichen Ordnung im 19. Jahrhundert.“

Der Zimtwecken war ein Marktstück, ein Geschenk, das ein Patenkind seinem Taufpaten vom Konfirmandenmarkt mitbrachte. Dieses Gebäck und der Geschenkekorb der Patin zur Hochzeit, der ‚Gotekorb‘ waren Gaben, welche die jungen Menschen und ihre Paten zu den Ehrentagen des Patenkindes austauschten. Sie waren Zeichen für die enge Beziehung zwischen beiden. Obwohl heute weder „Zimmetwecke“ noch „Gotekorb“ verschenkt werden, gibt es auch im 21. Jahrhundert die Einrichtung der Patenschaft und Patengeschenke zu bedeutsamen jahreszeitlichen und lebenszyklischen Ereignissen.

Aber welche Rolle spielten Verwandtschaft und Patenschaft im 19. Jahrhundert in Hinterländer Dörfern? Im Vortrag geht Dr. Kerstin Werner dieser Frage nach und befasst sich mit Verwandtschaftsnetzen, besonders mit der durch die Taufe gestifteten persönlichen Verbindung zwischen Taufpaten und Täufling. Die Referentin verdeutlicht anhand verschiedener Beispiele die Aufgaben, die eine Patenschaft erfüllte: Sie wirkte im Haus zwischen den Generationen und im Dorf zwischen den Haushalten jeweils als Bindeglied. Über die Beziehung zwischen jeweils zwei Individuen – dem Täufling und seiner „Gote“ und dem Täufling und seinem „Petter“ – nutzen die Menschen die Patenschaft als eine Einrichtung, die Nähe und Vertrautheit stiftete und auf die sie in Notsituationen zurückgriffen. Andererseits wirkten sie mit der Patenschaft Interessensgegensätzen oder Auseinandersetzungen zwischen einzelnen Menschen oder Haushalten entgegen.

Grundlage der Erkenntnisse von Dr. Kerstin Werner sind vor allem Gespräche mit Frauen aus dem Hinterland, die vor oder während des Ersten Weltkriegs geboren wurden, und Untersuchungen Dautpher Geburtsregister.

Die Referentin ist in Hommertshausen geboren und nach einem abgeschlossenen Lehramtsstudium mit einer Arbeit bei Professor Dr. Heide Wunder in Kassel promoviert worden. In ihrer Doktorarbeit befasste sie sich mit dem Strukturwandel im hessischen Hinterland in der Zeit der Industrialisierung. Zuletzt hat sie einen Aufsatz über die Eingliederung von „Flüchtlingsmädchen“ nach dem Zweiten Weltkrieg in die dörfliche Gesellschaft veröffentlicht. Sie ist verheiratet, Mutter zweier erwachsener Töchter und arbeitet als Studiendirektorin an einem Wiesbadener Gymnasium.

Der Vortrag wird in Zusammenarbeit mit dem Hinterländer Geschichtsverein veranstaltet, der Eintritt ist frei. Weitere Informationen unter der Telefonnummer 06461 924651 oder per E-Mail: hinterlandmuseum@marburg-biedenkopf.de

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