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Tagung rückte das Thema „Gesellschaftliche Teilhabe verwirklichen – Menschen in der Sozialhilfe aktivieren“ in den Blickpunkt – Fachleute diskutierten über wichtiges gesellschaftliches Thema

(Pressemitteilung Nr. 356/2013 vom 23.09.2013)

Marburg-Biedenkopf – Das Thema „Gesellschaftliche Teilhabe verwirklichen – Menschen in der Sozialhilfe (SGB XII) aktivieren“ stand im Mittelpunkt einer Fachtagung, zu der der Landkreis Marburg-Biedenkopf gemeinsam mit der Beschäftigungs- und Qualifizierungsgesellschaft INTEGRAL nach Marburg eingeladen hat. Verschiedene Fachvorträge und der Austausch der rund 70 Teilnehmerinnen Teilnehmer untereinander eröffnete interessante Perspektiven zu diesem wichtigen Thema.

Die Referenten beleuchteten das Thema von seiner grundsätzlichen Seite her und stellten dar, dass sich der finanzielle Mitteleinsatz zur Aktivierung von Leistungsberechtigten in der Sozialhilfe mit dem Ziel ihrer sozialen und beruflichen Teilhabe auch finanziell für die Gesellschaft auszahlt. Die Veranstaltung traf auch auf überregionales Interesse: Außer den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern verschiedener Fachbereiche der Kreisverwaltung und denen freier Träger aus dem Bereich Arbeit, Soziales und Gesundheit im Landkreis Marburg-Biedenkopf haben auch Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus dem Sozialbereich anderer Städte und Landkreise in Hessen sowie überörtlicher Organisationen an der Fachtagung teilgenommen.

„Die aus dem Landkreis Marburg-Biedenkopf, dem Landkreis Gießen und der Stadt Marburg vorgestellten Beispiele zeigen, dass wir mit der Aktivierung von Menschen in der Sozialhilfe auf dem richtigen Weg sind“, stellte der Erste Kreisbeigeordnete und Sozialdezernent des Kreises, Dr. Karsten McGovern, fest. Die Erfolge, dass Menschen wieder den Weg in eine Erwerbstätigkeit zurückfinden und sich ihre allgemeine Lebenssituation verbessert, seien meistens nicht kurzfristig zu erreichen und alle Beteiligten benötigten einen langen Atem zum Erreichen der Ziele. „Mit dieser Fachtagung haben wir Mut gemacht, sich diesen Herausforderungen zu stellen“, sagte Dr. McGovern.

„Ich bin froh, dass wir im Landkreis Marburg-Biedenkopf seit 2010 mit dem gemeinsamen Projekt ,Lichtblick: Teilhabe ermöglichen – Chancen ergreifen’ mit unserem Fachbereich Familie, Jugend und Soziales und mit INTEGRAL diesen Weg gehen. Mit dieser Neuausrichtung verändert sich auch das Aufgabenfeld der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von einer primären Leistungsgewährung hin zum Fallmanagement“, ergänzte Uwe Pöppler, Leiter des Fachbereichs Familie, Jugend und Soziales.

Wie Heiner Brülle, Jugendhilfe- und Sozialplaner im Amt für Soziale Arbeit der Landeshauptstadt Wiesbaden, sagte, sei es eine wesentliche Aufgabe der Sozialhilfe nach dem Sozialgesetzbuch die Führung eines Lebens zu ermöglichen, das der Würde des Menschen entspricht. Damit Leistungsberechtigte dazu in die Lage versetzt werden, möglichst unabhängig von Sozialleistungen leben zu können, müssten diese oftmals erst dazu befähigt werden. „Zusätzlich zu materiellen Hilfen tragen freiwillig in Anspruch genommene Unterstützungsangebote wesentlich dazu bei, dass sie ihr Leben eigenverantwortlich in die Hand nehmen können. Um dieses Ziel, mit einem ganzheitlichen Arbeitsansatz zu erreichen, ist die Einrichtung eines Fallmanagements in der Sozialverwaltung von zentraler Bedeutung. Dies erfordert auch eine Stärkung der Professionalität der Fachkräfte“, erläuterte der Fachmann aus Wiesbaden.

Die Familienwissenschaftlerin Professor Dr. Uta Meier-Gräwe von der Justus-Liebig-Universität Gießen erklärte, dass eine innovative und engagierte Sozialpolitik nicht im Widerspruch zu fiskalischen Interessen stehe. Durch zahlreiche Studien habe mittlerweile belegt werden können, dass je früher Risiken erkannt und Benachteiligungen aufgefangen werden, auch Gefährdungen und deren Folgen sowie dadurch entstehende gesellschaftliche Folgekosten eher vermindert werden könnten. „Die Kosten-Nutzen-Relation bezüglich des Einsatzes einer frühen Unterstützung zu den anfallenden Kosten einer lebenslangen Abhängigkeit staatlicher Transferleistungen kann bis 1:34 betragen. Von daher zahlt es sich auf jeden Fall aus, rechtzeitig Menschen Hilfen anzubieten, damit ihnen eine gesellschaftliche Teilhabe ermöglicht wird“, so Professor Meier-Gräwe.

Bereits seit längerer Zeit fordert die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD), deren Mitglied auch die Bundesrepublik Deutschland ist, die „Aktivierung“ von arbeitslosen Menschen als eine Aufgabe staatlicher Sozialpolitik. Ziel dieser sozialpolitischen Ausrichtung ist die Bekämpfung von Armut und die Vermeidung von sozialer Ausgrenzung. Auch der Landkreis Marburg-Biedenkopf hat sich dem Ziel verpflichtet, die gesellschaftliche Teilhabe für seine Bewohnerinnen und Bewohner zu ermöglichen. Eine kundenorientierte und auf Aktivierung ausgerichtete Sozialpolitik ist dabei eine wesentliche Säule zum Gelingen dieses Anliegens.

Der Fachbereich Familie, Jugend und Soziales des Landkreises Marburg-Biedenkopf hat hierzu bereits 2010 gemeinsam mit INTEGRAL für diese Zielgruppe ein Projekt für mehr Teilhabe, Stabilisierung und Integration in Gemeinschaft und Arbeitsleben entwickelt, das erfolgreich durchgeführt wird. Leistungsberechtigte sollen für eine nachhaltige Verbesserung ihrer Lebenssituation durch zielgerichtete und individuell zugeschnittene Unterstützung in die Lage versetzt werden, ihre oftmals bestehende Isolation zu durchbrechen und ihren Anspruch auf gesellschaftliche Teilhabe zu verwirklichen.

Organisatoren und Referenten waren mit den Erkenntnissen der Fachtagung in Marburg zufrieden. Rund 70 Teilnehmerinnen und Teilnehmer diskutierten dabei über das Thema gesellschaftliche Teilhabe von Sozialhilfeempfängern.  (Foto: Landkreis Marburg-Biedenkopf)
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Organisatoren und Referenten waren mit den Erkenntnissen der Fachtagung in Marburg zufrieden. Rund 70 Teilnehmerinnen und Teilnehmer diskutierten dabei über das Thema gesellschaftliche Teilhabe von Sozialhilfeempfängern. 

(Foto: Landkreis Marburg-Biedenkopf)

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