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Hinterlandmuseum Schloss Biedenkopf zeigt als Exponat des Monats September sieben Gesangbücher – Ausstellungsstücke geben Einblicke in das Kirchenleben anfangs des 20. Jahrhunderts
(Pressemitteilung Nr. 352/2012 vom 11.09.2012)
Marburg-Biedenkopf – Seit 8. September bis zum 3. Oktober 2012 ist im Hinterlandmuseum Schloss Biedenkopf die Sonderausstellung „Unser Gesangbuch“ zu sehen. Aus diesem Anlass hat Rolf Klinkler aus Frankfurt-Zeilsheim eine größere Sammlung an Gesangbüchern und religiösen Büchern dem Hinterlandmuseum gestiftet. Hieraus wurden sieben evangelische Gesangbücher als Exponate des Monats September ausgewählt, die auch als Ergänzung zur Sonderausstellung dienen.

Bücher mit liturgischen Gesängen gibt es bereits seit dem Mittelalter. Durch die Erfindung des Buchdrucks konnten bezahlbare Bücher in großer Zahl gedruckt werden. Das Gesangbuch erlangte im 16. Jahrhundert durch die Reformation vor allem für die evangelische Konfession große Bedeutung. Im Laufe des 17. Jahrhunderts erschienen für die einzelnen Staaten erste Regional-Gesangbücher, die von den Landesherren oder der Landeskirche für ihr Gebiet herausgegeben wurden. Seit dem 19. Jahrhundert gab es auf evangelischer Seite Bestrebungen, überregionale Gesangbücher erscheinen zu lassen. Aber erst im 20. Jahrhundert konnten solche Gesangbücher realisiert werden, die über einen gemeinsamen Grundteil verfügten und um einen landeskirchlichen Regionalteil ergänzt wurden.

Alle sieben der als Exponat des Monats präsentierten Gesangbücher sind noch Regional- oder Provinzialgesangbücher. Davon gehören vier zur nassauischen Landeskirche. Es handelt sich um verschiedene Ausgaben des Gesangbuches, das 1894 von der Bezirkssynode Wiesbaden für den Konsistorialbezirk Wiesbaden herausgegeben wurde. Dieser umfasste das ehemalige Herzogtum Nassau, aber auch das ehemals großherzoglich-hessische Hinterland. Die vier Ausgaben sind zwar nicht datiert, es lassen sich aber zwei in die Zeit um 1910, eine um 1920 und eine um 1928 einordnen. Die drei älteren Ausgaben erschienen unter dem Titel „Evangelisches Gesangbuch“, die jüngste ist bezeichnet mit „Gesangbuch für die evangelische Kirche in Nassau“. Alle Ausgaben enthalten neben den Liedern – allesamt ohne Noten – auch Gebete, die wichtigsten Bibelsprüche, die Gottesdienstordnung sowie kurze biografische Angaben zu den Liederdichtern.

Das fünfte Exponat ist ein „Gesangbuch für die evangelische Kirche im Großherzogtum Hessen“, das erstmals 1880 herausgegeben wurde. Die vorliegende Ausgabe erschien 1911 in Darmstadt. Dieses Gesangbuch enthält außer den Liedtexten ohne Noten lediglich Gebete zur häuslichen Andacht.

Das sechste Exponat ist ein Gesangbuch der evangelisch-lutherischen Landeskirche Sachsens. Es handelt sich im ersten Teil um einen unveränderten Nachdruck von 1938 eines im Jahre 1883 von dem evangelisch-lutherischen Landeskonsistorium in Dresden herausgegeben Werkes. Es enthält im Anhang unter anderem den kleinen Katechismus Martin Luthers, eine Gottesdienstordnung sowie Sprüche für den Eingang und Schluss des Gottesdienstes. Ein kleiner Teil, der unter dem Bereich „Deutsche Kirchenlieder zur Erneuerung des Gemeindegesanges“ zusammengefasst ist, ergänzt die Ausgabe von 1938. Die hier enthaltenen Lieder wurden mit Noten versehen.

Das „Neue Braunschweigische Gesangbuch“ unterscheidet sich nicht nur durch sein etwas größeres Format von den anderen Büchern. Dieses im Jahre 1866 in Braunschweig erschienene Buch enthält neben Liedtexten und Gebeten unter anderem eine Ordnung des Hauptgottesdienstes an Sonn- und Festtagen mit Noten sowie einen Bereich über die Glaubenslehren.

Das braunschweigische als das älteste der Gesangbücher hat einen geprägten Schmuckeinband mit der Darstellung eines Kreuzes auf dem vorderen und eines Abendmahlskelches auf dem hinteren Einband. Alle jüngeren Gesangbücher besitzen eine ähnliche äußere Gestaltung mit einem braunen oder meist schwarzen Ledereinband mit goldfarbenen Eindrucken.
 

Eine der Exponate des Monats zeigt ein Gesangbuch aus dem Jahr 1911. Foto: Hinterlandmuseum
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Eine der Exponate des Monats zeigt ein Gesangbuch aus dem Jahr 1911.
Foto: Hinterlandmuseum

 

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