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Landkreis Marburg-Biedenkopf unterstützt Verein für Selbstbestimmung und Betreuung – 5.000 Euro für Marburger S.u.B. e.V. für Projekt zur interkulturellen Öffnung des Betreuungswesens

(Pressemitteilung 324/2016 vom 11.08.2016)

Marburg-Biedenkopf – Der Landkreis Marburg-Biedenkopf fördert mit 5.000 Euro ein Projekt des Vereins zur Selbstbestimmung und Betreuung e.V. (S.u.B.). Diese Förderung soll zur interkulturellen Öffnung des Betreuungswesens beitragen. Mit Bürgersprechstunden und Informationsveranstaltungen will der Verein Migrantinnen und Migranten zum Thema Betreuung und Vorsorge aufklären.

„Für den Landkreis Marburg-Biedenkopf ist es von großer Bedeutung, Menschen mit Migrationshintergrund in alle sozialen Belange einzubinden“, betonte Landrätin Kirsten Fründt. „Das Wissen um rechtliche Vorsorge und Betreuung ist unerlässlich, will man seine Selbstbestimmung für den Fall sichern, dass man seine Angelegenheiten nicht mehr ohne Unterstützung erledigen kann“, unterstrich Dr. Anna Stach, Leiterin der Marburger Beratungs-und Geschäftsstelle von S.u.B.

Der Verein S.u.B. kümmert sich um Informationen und Unterstützung im Bereich der rechtlichen Vertretung und Betreuung sowie der persönlichen Vorsorge. Eine gesetzliche Betreuung wird dann eingerichtet, wenn ein volljähriger Mensch seine Angelegenheiten zum Beispiel wegen einer Krankheit oder Behinderung nicht selbst erledigen kann und keine Vorsorge getroffen hat. In diesem Fall bestimmt das Amtsgericht einen gesetzlichen Vertreter und richtet eine ehrenamtliche Betreuung ein. Im Bereich der persönlichen Vorsorge geht es um das Thema der Vorsorgevollmacht. Diese gibt anderen Menschen die Chance, rechtskräftigen Angelegenheiten eines Betroffenen in seinem Namen zu erledigen, wenn er es selbst nicht mehr tun kann.

Das durch den Landkreis für ein Jahr geförderte Projekt des Betreuungsvereins soll Menschen mit Migrationshintergrund in die Angebote des Betreuungsvereins einbinden. Lokaler Schwerpunkt der Umsetzung ist der Ostkreis. Der Verein S.u.B. wird hier Bürgersprechstunden und Informationsveranstaltungen zur rechtlichen Vorsorge und Betreuung mit Übersetzung anbieten. Unterstützt wird S.u.B. durch das Büro für Integration des Landkreises Marburg-Biedenkopf und die Beratungsstelle LOK Stadtallendorf.

„Die Erfahrung zeigt, dass Menschen mit Migrationshintergrund selten in die Sprechstunden kommen und Vorsorge treffen, aber dennoch ein großes Interesse an der Selbstorganisation der rechtlichen Vertretung haben“, sind sich Landrätin Fründt und S.u.B. einig.

Der S.u.B. zielt im Zuge des Projekts auch darauf, Barrieren gegenüber den Institutionen des Betreuungswesens, also Betreuungsbehörde oder Betreuungsgericht abzubauen und auf die Angebote aller Betreuungsvereine im Landkreis Marburg-Biedenkopf aufmerksam zu machen.

Der Verein bietet regelmäßig Vorträge zu Fragen der Vorsorge und Betreuung an und wird von sozialen Institutionen, Bürgerhilfen und interessierten Gruppen eingeladen. In neun Städten und Gemeinden des Landkreises Marburg-Biedenkopf bietet der Verein Bürgersprechstunden an. Der Verein S.u.B. möchte Migrantinnen und Migranten auch zur Möglichkeit des Engagements als ehrenamtliche Betreuer informieren und wird jetzt verstärkt den Kontakt zu Migrantenselbstorganisationen und Ausländerbeiräten suchen.

Ein erster, konkreter Schritt des geförderten Projekts ist eine Schulungsreihe zum Betreuungsrecht im September in Stadtallendorf. Ein wichtiger Schritt der Inklusion ist dabei die Teilnahme einer Übersetzerin für türkische Sprache. Am Montag, 26. September 2016, beginnt diese Schulungsreihe, die sich an ehrenamtliche Betreuer, Bevollmächtigte und interessierte Bürger wendet. Die Reihe führt an acht Abenden mit Fachbeiträgen in die Aufgabengebiete und Themenfelder der ehrenamtlichen gesetzlichen Betreuung und Bevollmächtigung ein. Zehra Demir wird als Übersetzerin tätig werden.

Nähere Informationen zur Schulungsreihe im Internet unter www.sub-mr.de oder per E-Mail: info@sub-mr.de.

Stichwort S.u.B. & Betreuungsrecht

Der S.u.B. ist ein nach § 1908 Bürgerliches Gesetzbuch (BGB) anerkannter Betreuungsverein mit dem Auftrag, ehrenamtliche gesetzliche Betreuer/innen zu gewinnen, sie zu unterstützen und zu schulen. Auch gehört die Information zur rechtlichen Vorsorge durch Vorsorgevollmacht oder Betreuungsverfügung zu seinen Aufgaben.

Eine gesetzliche Betreuung wird dann eingerichtet, wenn ein volljähriger Mensch seine Angelegenheiten aufgrund einer psychischen Krankheit oder einer körperlichen, geistigen oder seelischen Behinderung teilweise oder umfänglich nicht selbst erledigen kann und keine rechtliche Vorsorge getroffen hat (§ 1896 Abs. 1 BGB). Familienmitglieder dürfen nicht automatisch die rechtsgeschäftlichen Angelegenheiten eines Angehörigen übernehmen. Sie dürfen ohne Vorsorgevollmacht z.B. nicht mit Ärzten im Krankenhaus über die Situation des angehörigen Kranken sprechen oder Behördengänge erledigen. Die Vorsorgevollmacht muss in Zeiten der Geschäftsfähigkeit unterschrieben worden sein. Wenn diese nicht vorliegt, wird im Bedarfsfall eine geeignete Person zum gesetzlichen Betreuer bestellt. Die Betreuerbestellung erfolgt nach dem Prinzip Ehrenamt vor Berufsbetreuung.

Zehra Demir (Dolmetscherin und Projektmanagerin), Dr. Anna Stach (Geschäftsführerin S.u.B.), Landrätin Kirsten Fründt, Almuth Schauer (Vorsitzende S.u.B.) und Dr. Birgit Wollenberg (Leiterin des Gesundheitsamtes – dort ist die Betreuungsbehörde angesiedelt) möchten Menschen mit Migrationshintergrund in alle sozialen Belange einbinden. (Foto: Werner Becker)

Zehra Demir (Dolmetscherin und Projektmanagerin), Dr. Anna Stach (Geschäftsführerin S.u.B.), Landrätin Kirsten Fründt, Almuth Schauer (Vorsitzende S.u.B.) und Dr. Birgit Wollenberg (Leiterin des Gesundheitsamtes – dort ist die Betreuungsbehörde angesiedelt) möchten Menschen mit Migrationshintergrund in alle sozialen Belange einbinden. 

(Foto: Werner Becker)

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