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Integration statt Isolation – Ehrenamtliche und Dorfgemeinschaft unterstützen geflüchtete Frauen in Hommertshausen

(Pressemitteilung 319/2016 vom 05.08.16)

Marburg-Biedenkopf – Der Landkreis Marburg-Biedenkopf hat in Hommertshausen vor einiger Zeit ein Haus für geflüchtete Frauen eingerichtet. Bei einem Treffen mit den ehrenamtlichen Helferinnen und Helfern, Vertretern der Kreisverwaltung und den geflüchteten Frauen, lobte Erster Kreisbeigeordneter Marian Zachow die Beispiel gebende Arbeit der Ehrenamtlichen in Hommertshausen: „Trotz der anfänglichen Bedenken wegen der Abgeschiedenheit des Ortes, hat sich dieser Standort als Glücksgriff herausgestellt, da hier die dörfliche Gemeinschaft sehr gut funktioniert!“

Sechs Frauen und ein Baby leben in Hommertshausen unter einem Dach eines kreiseigenen Gebäudes. Sie kommen aus Eritrea, Somalia, Syrien, China, dem Irak und Iran. Sie verstehen sich trotz Sprachbarrieren gut und dank eines Teams von elf Ehrenamtlichen und der engagierten Dorfgemeinschaft können sie ihr Leben in dem 712-Seelenort meistern. Bisher lebten dort insgesamt bereits 18 Frauen. Trotz einer starken Fluktuation von Bewohnerinnen in den letzten 20 Monaten, haben sich mittlerweile zwei Frauen dazu entschieden, im Dorf zu bleiben. Eine von ihnen arbeitet als Stationshelferin im DRK-Krankenhaus in Biedenkopf.

Die Gruppe der elf ehrenamtlichen Helfer, allen voran Marianne Schreiber-Einloft und ihr Mann Reinhold Einloft, ist gut durchorganisiert und koordiniert die Hilfestellung für die Frauen. Beginnend mit Fahrdiensten zu Ärzten über dem Hinzuziehen von Dolmetschern oder der Kontaktaufnahme zu Behörden.

Die Frauen in der Wohngemeinschaft werden von einer Sozialarbeiterin des Kreises betreut, die auch bei Problemen zur Verfügung steht. Die ehrenamtlichen Helfer melden einen Neuankömmling bei der Gemeinde an und eröffnen mit ihnen ein eigenes Konto bei der Bank. Anfangs werden sie nach Biedenkopf zur „Tafel“ begleitet und danach zur Kleiderkammer der Diakonie. Nach kurzer Zeit wissen die Frauen, welchen Bus sie nehmen müssen, um ihre Lebensmittel selbst einzukaufen.

Marianne Schreiber-Einloft und eine weitere Helferin bieten den Frauen mehrmals in der Woche freiwilligen Deutschunterricht, bis sie die offiziellen Angebote in Anspruch nehmen können. Ein virtuelles Lernprogramm sowie spezielle Wörterbücher wurden vom Landkreis zur Hälfte finanziert. Die Sprachbarriere ist besonders bei Arztbesuchen noch problematisch. Termine mit den passenden Medizinern werden von den Ehrenamtlichen organsiert, doch die genauen Beschwerden der teilweise stark traumatisierten Frauen sind manchmal schwer herauszufinden. Medizinischer Bedarf war auch bei zwei Geburten erforderlich.

Viele Einwohner von Hommertshausen helfen nicht nur mit Spenden in Form von Elektrogeräten, Kleidern und Unterhaltungsmedien, sondern integrieren die Frauen auch sozial in das Dorfleben. So halfen diese beim Kochen von Marmelade bei der Beerenernte, nehmen an Gymnastikstunden oder Gottesdiensten Teil. Manche folgen auch Einladungen zu Festen in Dautphe und Biedenkopf. Im Gegenzug geben die Frauen Einblicke in ihre Kultur. Höhepunkte waren dabei eine Kaffeezeremonie von Frauen aus Eritrea sowie die Taufen der geborenen Babys aus diesem Land. Die Feierlichkeiten wurden mit vielen Gästen aus Hommerthausen und ganz Deutschland in der orthodoxen Kirche in Gießen gefeiert. „Das war eine logistische Meisterleistung“, lobt Schreiber-Einloft die Helfer. Sie bedauert, dass Hommertshausen für viele Frauen nur eine Station ist. „Nach ihrer Anerkennung müssen sie sich eine eigene Wohnung suchen und diese suchen sie sich meist in Städten, da die Frauen sich dort eventuell mehr Chancen auf dem Arbeitsmarkt erhoffen.“

„Am Beispiel Hommertshausen ist zu sehen, welche Chancen für Integration ehrenamtliches Engagement und eine lebendige Dorfgemeinschaft im ländlichen Raum bieten. Hier wird beispielhaft sichtbar, was wir mit ‚Miteinanderkultur‘ in Marburg-Biedenkopf meinen“, betonte Marian Zachow abschließend und bedankte sich auch bei allen ehrenamtlich und hauptamtlich Tätigen in den Städten und Gemeinden des Kreises, die diese Arbeit unterstützen.

Gut aufgehoben in Hommertshausen (v.l.): Kafiya aus Somalia, Sakina aus Syrien, Sara aus Eritrea, der Erste Kreisbeigeordnete Marian Zachow, die für die Koordination in Hommertshausen zuständige Marianne Schreiber-Einloft, Letekidan und Yordanos aus Eritrea sowie Zeng Yong Chin aus China (vorne). Letekidan und Yordanos leben mittlerweile nicht mehr in diesem Haus, sondern zusammen in einer Wohngemeinschaft in Hommertshausen.  Foto: Landkreis

Gut aufgehoben in Hommertshausen (v.l.): Kafiya aus Somalia, Sakina aus Syrien, Sara aus Eritrea, der Erste Kreisbeigeordnete Marian Zachow, die für die Koordination in Hommertshausen zuständige Marianne Schreiber-Einloft, Letekidan und Yordanos aus Eritrea sowie Zeng Yong Chin aus China (vorne). Letekidan und Yordanos leben mittlerweile nicht mehr in diesem Haus, sondern zusammen in einer Wohngemeinschaft in Hommertshausen. 

Foto: Landkreis

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