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Ein strahlendes Kinderlächeln als Dankeschön für schnelle Hilfe im Notfall – Telefon-Tipps der Rettungsleitstelle haben geholfen, dem kleinen Linus das Leben zu retten

(Pressemitteilung Nr. 314/2013 vom 29.08.2013)

Marburg-Biedenkopf – Als an diesem Sonntagmorgen im März gegen 8:00 Uhr in der Zentralen Leitstelle des Landkreises Marburg-Biedenkopf das Notruftelefon klingelt, ahnt Einsatzbearbeiter Andreas Sohn noch nicht, dass am anderen Ende der Leitung in Rauschenberg-Ernsthausen eine Welt zu zerbrechen droht. Die Welt von Elisa Böttner, Fabian Nau und ihrem zu diesem Zeitpunkt vier Monate alten Sohn Linus. Heute, ein knappes halbes Jahr später sitzt Linus quietschfidel und munter auf dem Schoß seiner Mutter, brabbelt, gluckst, strahlt und lacht vor sich hin und spielt mit einem kleinen blauen Gummi-Seehund.

Rückblende: Sekunden, bevor Elisa Böttner die Notrufnummer 112 wählt, hat sie ihren Sohn Linus leblos und blau angelaufen im Bett gefunden. Die Angst ist groß, dass der kleine Linus dem „plötzlichen Kindstod“ zum Opfer gefallen ist. Die Mutter ist sehr aufgeregt – verständlich in dieser Situation. Deshalb übernimmt der Vater von Linus, Fabian Nau, das Gespräch mit der Rettungsleitstelle. Gezielt und konsequent fragt Andreas Sohn die Eckdaten ab: Wo genau ist der Notfallort und was ist passiert? Er erkennt sofort die akute Notfallsituation und dass die Zeit drängt. Vermutlich hat Linus einen Herz-Kreislauf-Stillstand. Das Leben des Kindes ist in akuter Gefahr. Andreas Sohn tippt die Informationen in den Einsatzleitrechner und leitet den Vater dabei ruhig aber bestimmt telefonisch zur Wiederbelebung an. Parallel dazu alarmiert der zweite Einsatzbearbeiter, der in der Leitstelle Dienst hat, Notarzt und Rettungswagen – ein immer wieder trainierter Ablauf, der wie am Schnürchen klappt – denn in einer solchen Situation geht es um Sekunden.

Wenige Minuten später trifft der Rettungsdienst ein und versorgt das bewusstlose Baby, das zum Glück nun schon wieder atmet und transportiert es schließlich in die Uni-Klinik.

Jetzt waren Linus und seine Eltern in der Zentralen Leitstelle, um sich bei Andreas Sohn und seinen Kollegen zu bedanken. „Der Mann am Telefon hat mich beruhigt, Schritt für Schritt angeleitet und mich so wieder geerdet. Er war in dieser Situation eine große Hilfe für uns“, erzählt Fabian Nau. „Uns war es ein Bedürfnis, für diese Hilfe Danke zu sagen“, bekräftigen Elisa Böttner und Fabian Nau – was Sohn Linus lautstark unterstreicht.

Einsatzbearbeiter Andreas Sohn erläutert, dass es sehr wichtig sei, telefonisch Ruhe in eine solche Situation zu bringen. Dazu seien die Einsatzbearbeiter geschult. Auch darin, die Gesprächsführung zu übernehmen. „Für Außenstehende mag sich das recht forsch anhören, wenn wir klare Anweisungen geben und keine Zeit mit Floskeln verbringen. Aber wir müssen zu dem Anrufer, der sich in der Regel in einer absoluten Ausnahmesituation befindet, durchdringen und ihn zum Handeln bringen“, erzählt Andreas Sohn. Deshalb beginnen die Einsatzbearbeiter in der Leitstelle jede Entgegennahme eines Notrufs mit einer klaren Frage: „Notruf Feuerwehr und Rettungsdienst – Wo genau ist der Notfallort?“.

„Es ist nicht alltäglich, dass sich jemand bei uns bedankt. Ein solches Dankeschön tut dann aber richtig gut“, berichtet Maik Klein, der Leiter der Zentralen Leitstelle beim Landkreis Marburg-Biedenkopf. Notfälle mit Kindern seien immer eine belastende Situation und die Anleitung zu einer Wiederbelebung bei Kindern nicht alltäglich, auch wenn in der Zentralen Leitstelle des Landkreises Marburg-Biedenkopf pro Jahr rund 180 Telefon-Reanimationen, so heißt die Anleitung zur Wiederbelebung in Fachsprache, durchgeführt werden. Das Konzept der Leitstelle mit klar strukturierten Abläufen bei der Notrufabfrage und der Anleitung zur Wiederbelebung per Telefon habe sich auch in diesem Fall bewährt. „Es ist auch mal schön zu sehen, dass unsere Maßnahmen mit dazu beigetragen haben, dass es einem Menschen wieder gut geht“, sagt Maik Klein.

Bei einer Telefon-Reanimation leiten die Einsatzbearbeiter der Leitstelle die Anrufer gezielt dazu an, mit Wiederbelebungsmaßnahmen zu beginnen und damit die Zeit bis zum Eintreffen von Notarzt und Rettungsassistenten zu überbrücken. „Bei einem Herzstillstand ist es wichtig, durch die Herzudruckmassage insbesondere das Gehirn mit Blut und somit mit Sauerstoff zu versorgen. Dabei kann man nichts falsch machen. Falsch wäre es nur, gar nichts zu unternehmen“, betont Maik Klein. Daher sei es wichtig, so schnell wie möglich über den Notruf 112 Hilfe zu holen und Erste Hilfe zu leisten. „Unsere Einsatzbearbeiter sind genau für solche Fälle ausgebildet. Sie nehmen den Anrufern die Angst und erklären jeden Schritt, der zu tun ist“, so Maik Klein.

Freuen sich, dass es dem kleinen Linus wieder gut geht: Mutter Elisa Böttner und Vater Fabian Nau (re.) sowie (v. li.) Leitstellenleiter Maik Klein, Einsatzbearbeiter Andreas Sohn und Lars Schäfer, Leiter des Fachbereichs Gefahrenabwehr. Foto: Landkreis Marburg-Biedenkopf
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Freuen sich, dass es dem kleinen Linus wieder gut geht: Mutter Elisa Böttner und Vater Fabian Nau (re.) sowie (v. li.) Leitstellenleiter Maik Klein, Einsatzbearbeiter Andreas Sohn und Lars Schäfer, Leiter des Fachbereichs Gefahrenabwehr.

Foto: Landkreis Marburg-Biedenkopf



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