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Ganzheitliche Gewaltprävention an Bildungseinrichtungen in Wetter – Sinnvolle Zusammenarbeit zwischen Landkreis, Philipps-Universität und Stadt Wetter
(Pressemitteilung Nr. 307/2012 vom 15.08.2012)
Marburg-Biedenkopf – Aggressives und gewalttätiges Verhalten von Kindern und Jugendlichen ist in den letzten Jahren immer stärker in den Fokus der Öffentlichkeit gerückt. Sowohl für die Betroffenen, als auch für die Gesellschaft hat aggressives Verhalten Einzelner negative Auswirkungen. Das primäre Problem sind nicht schwere Gewaltakte, die in der Öffentlichkeit besonders wahrgenommenen werden, sondern systematisches „Mobbing“, also die wiederholte Ausgrenzung, körperliche Drangsalierung oder verbale Beschimpfung einzelner Kinder. Das sind die häufigeren Erscheinungsformen von Gewalt.

Für weiterführende Schulen wurden bereits zahlreiche Präventionsprogramme entwickelt, die Kindern und Jugendlichen dabei helfen, konstruktiv mit Konflikten umzugehen und für ihre eigenen Interessen einzustehen. „Jedoch spielen gerade frühkindliche Lernprozesse eine zentrale Rolle bei der Entstehung von gewalttätigen Verhalten. Daher sollte Prävention schon dort ansetzen, wo die Bildungslaufbahn der Kinder beginnt, nämlich in Kindertagesstätten und Grundschulen“, erläuterte der Erste Kreisbeigeordnete Dr. Karsten McGovern.

Mitarbeiterinnen der Philipps-Universität Marburg (Arbeitsgruppe Sozialpsychologie unter Prof. Dr. Ulrich Wagner) haben in Kooperation mit dem Landkreis Marburg-Biedenkopf (Fachbereich Familie, Jugend und Soziales) ein solches Programm entwickelt, das „PiKS“ genannt wird und für „Prävention in Kindergarten und Schule“ steht. „Durch verschiedene Bausteine werden hier auf mehreren Ebenen Maßnahmen zur Prävention umgesetzt: Die Kinder erhalten ein Jahr lang ein wöchentliches Training zum Lösen von Konflikten (Faustlos), die Lehrkräfte und Erzieherinnen werden zu spezifischen Themen zur Gewaltprävention fortgebildet und die Einrichtungen als Ganze verständigen sich auf ein einheitliches Vorgehen bei aggressivem Verhalten der Kinder. Außerdem werden Eltern und außerschulische Einrichtungen, wie z.B. Sportvereine, einbezogen“, verdeutlichte Prof. Wagner den Ansatz des Programms.

Im Jahr 2010 wurde eine Pilotversion des Projektes bereits erfolgreich an den Kindertagesstätten und der Grundschule der Stadt Neustadt umgesetzt. Gewaltprävention und die Förderung sozialer Kompetenzen sind in den beteiligten Einrichtungen zu einem wesentlichen Bestandteil des pädagogischen Konzeptes geworden. Im Verhalten der Kinder zeigen sich nach nur einem Jahr bereits erfreuliche Effekte.

Der Landkreis Marburg-Biedenkopf unterstützt das Programm ab dem neuen Schuljahr auch für die Kindertagesstätten und Grundschulen der Stadt Wetter. Da die Wollenbergschule Wetter als weiterführende Schule bereits seit einigen Jahren ein Gewaltpräventionsprogramm hat, wird somit eine Lücke geschlossen: „Vom ersten Kindergartenjahr an bis hin zum Schulabschluss können die Kinder und Jugendlichen in Wetter nun ihre sozialen Kompetenzen stärken und Alternativen zu aggressivem Verhalten lernen“, erklärte Bürgermeister Kai-Uwe Spanka.

Das Bildungstandem Wetter startet im Schuljahr 2012/13 mit „PiKS“. Beteiligt sind die kommunalen Kindertagesstätten in Wetter, Treisbach, Mellnau, Oberrosphe und Unterrosphe, die ev. Kindertagestätte `Die Arche´ sowie die Burgwaldschule Wetter mit den Außenstellen Mellnau und Oberrosphe und die Grundschule Amönau. Allen Wetteraner Bildungseinrichtungen gemeinsam ist ein Selbstverständnis von Null-Toleranz gegen Gewalt. Mit dem neuen Programm wollen die Einrichtungen bei Kindern im Kindergarten- und Grundschulalter die Entwicklung sozialer Kompetenzen fördern, konstruktives Konfliktverhalten anbahnen und so der Entstehung von Gewalt vorbeugen.

Ein wichtiger Aspekt ist hierbei die Abstimmung der Fördermaßnahmen zwischen den einzelnen Einrichtungen und die aufeinander aufbauende gemeinsame Vorgehensweise. Darauf wiesen die Vertreterinnen des Bildungstandems, der Schulen und der Kindertagesstätten, Doris Wabnegg (Stadt Wetter), Andrea Morbitzer (Die Arche), Helke Bender (Grundschule Amönau) und Petra Steuber (Burgwaldschule Wetter) hin. Hierzu ist eine stärkere Vernetzung der Mitarbeiter der Kindertagesstätten und der Grundschulen auf allen Ebenen notwendig. Durch gemeinsame Fortbildungen und Reflexionsphasen sollen die Voraussetzungen für die Zusammenarbeit geschaffen werden. „Das ist etwas ganz Konkretes; etwas, was uns weiterhilft“, sagte Helke Bender, die damit auch die große Bereitschaft der Schulen zur Mitwirkung verdeutlichte.

Wichtig ist allen Beteiligten des Bildungstandems die Nachhaltigkeit eines gemeinsamen Projekts, das in allen Altersgruppen ein gemeinsames Ziel verfolgt und die Kompetenzen der Kinder kontinuierlich weiterentwickelt.

Die Erzieherinnen und Lehrkräfte der Einrichtungen führen das Programm mit externer Unterstützung durch Dipl.-Psych. Steffi Pohl von der Philipps-Universität Marburg durch. Anhand einer begleitenden Evaluation wird zudem die Wirksamkeit des Programms weiter überprüft.
  An der Kindertagesstätte Zwergenland in Wetter trafen sich Vertreter der Bildungseinrichtungen der Stadt Wetter, der Philipps-Universität Marburg, des Landkreises Marburg-Biedenkopf sowie der Erste Kreisbeigeordnete des Landkreises und Wetters Bürgermeister, um das Programm "Pravention in Kindergarten und Schule" (PIKS) vorzustellen. Während Betreuungskind Alexander den Besuchern schon einmal die Schnelligkeit der Rutsche demonstriert, warten Laura und Hannah noch auf Ihren Einsatz. (Erwachsene v.l.n.r.): Andrea Morbitzer, Birgitta Opdenhövel, Jürgen Rimbach, Helke Bender, Bürgermeister Kai-Uwe Spanka, Prof. Dr. Ulrich Wagner, Steffi Pohl, Petra Steuber, Erster Kreisbeigeordneter Dr. Karsten McGovern und Doris Wabnegg. Foto: Landkreis
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An der Kindertagesstätte Zwergenland in Wetter trafen sich Vertreter der Bildungseinrichtungen der Stadt Wetter, der Philipps-Universität Marburg, des Landkreises Marburg-Biedenkopf sowie der Erste Kreisbeigeordnete des Landkreises und Wetters Bürgermeister, um das Programm "Pravention in Kindergarten und Schule" (PIKS) vorzustellen. Während Betreuungskind Alexander den Besuchern schon einmal die Schnelligkeit der Rutsche demonstriert, warten Laura und Hannah noch auf Ihren Einsatz. (Erwachsene v.l.n.r.): Andrea Morbitzer, Birgitta Opdenhövel, Jürgen Rimbach, Helke Bender, Bürgermeister Kai-Uwe Spanka, Prof. Dr. Ulrich Wagner, Steffi Pohl, Petra Steuber, Erster Kreisbeigeordneter Dr. Karsten McGovern und Doris Wabnegg.
Foto: Landkreis

 

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