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„Multiresistente Erreger (MRE) im Keim ersticken“ – Sechs Klinken im Landkreis Marburg-Biedenkopf beantragen das MRE-Siegel

(Pressemitteilung 307/2016 vom 20.07.2016)

Marburg-Biedenkopf – Die Kliniken im Landkreis Marburg-Biedenkopf haben schon lange den multiresistenten Erregern (MRE) den Kampf angesagt. Jetzt wollen sie es schwarz auf weiß sehen, wie gut sie im Bereich der Bekämpfung multiresistenter Erreger sind.

Geschäftsführer und Direktoren des Universitätsklinikums Gießen-Marburg (UKGM) – Standort Marburg, des Diakonie-Krankenhauses in Wehrda, der Vitos-Kliniken Gießen-Marburg – Standort Cappel, des DRK-Krankenhauses in Biedenkopf, der Hessischen Berglandklinik sowie des Rheumazentrums Mittelhessen in Bad Endbach reichten ihren Antrag zur Erteilung des MRE-Siegels beim Gesundheitsamt des Landkreises Marburg-Biedenkopf ein. Landrätin Kirsten Fründt nahm als Behördenleiterin zusammen mit Dr. Birgit Wollenberg, der Leiterin des Gesundheitsamtes, die Anträge entgegen.

Das MRE-Siegel wurde von der Landesarbeitsgemeinschaft der Netzwerkkoordinatoren Hessen erarbeitet. Es soll an Einrichtungen verliehen werden, die über mindestens zwei Jahre die Siegelkriterien erfüllen. Neben der gesetzlich vorgeschriebenen Aufstellung eines Hygieneplans und der Meldepflicht von MRE-Daten werden auch gezielte Untersuchungen zur Auffindung von MRE (Screenings), Maßnahmen zur Verbesserung des Händedesinfektionsmittelgebrauchs sowie regelmäßige MRE-bezogene Fortbildungen des Personals verlangt. Außerdem werden die Informationen über MRE für Patienten verbessert.

Landrätin Kirsten Fründt wies auf die gute Zusammenarbeit der Kliniken in dem Arbeitskreis „Interhospitale Konferenz“, beim Gesundheitsamt des Landkreises hin. „Es ist eine große Chance, wenn unsere Klinken sich nicht als Konkurrenten begreifen, sondern unter Ausnutzung der verschiedenen Kompetenzen Hand in Hand arbeiten. Ich gehe davon aus, dass durch verbesserte Kommunikation auch im Umgang mit MRE eine noch wirksamere Bekämpfung der Verbreitung der multiresistenten Erreger für unsere Bevölkerung erreicht werden kann“, so die Landrätin weiter.

Der hessische Gesundheitsminister Stefan Grüttner begrüßte die gemeinsame MRE-Offensive der heimischen Kliniken. Diese füge sich in die vom Hessischen Ministerium für Soziales und Gesundheit gestartete „Initiative Patientensicherheit und Qualität Hessen" ein. „Dass sich so viele Kliniken in einer Region gleichzeitig für die Erlangung eines MRE-Siegels anmelden, ist ein Zeichen für besonderes Engagement. Es zeigt, dass die Patientinnen und Patienten im Mittelpunkt stehen. Das ist auch die Leitlinie der Hessischen Landesregierung. Wir setzen uns für Qualität, Transparenz und Sicherheit der Patienten ein. Zuletzt bei der Krankenhausreform des Bundes, die auch für Hessen viele positive Effekte für die Patienten bringen wird“, erklärte der Minister.

Dr. Martin Just, der Vorsitzende des MRE-Netzes Mittelhessen und Fachdienstleiter für Gesundheitsaufsicht und Infektionsschutz beim Gesundheitsamt Marburg-Biedenkopf, erwartet durch das MRE-Siegel einen zusätzlichen Schub für den gemeinsamen Kampf gegen multiresistente Erreger. Von dem Erfahrungsschatz der Kliniken habe das MRE-Netzwerk schon bisher sehr profitiert.

Prof. Reinier Mutters, der Leiter der Krankenhaushygiene am Universitätsklinikum in Marburg, wies darauf hin, dass im UKGM derzeit eine Screening-Studie mit der Fragestellung durchgeführt wird, ob die bisher üblichen Screening-Maßnahmen zur Erkennung von MRE ausreichend sind oder ausgeweitet werden müssen. Mit Ergebnissen sei bald zu rechnen.

Multiresistente Keime existieren nicht nur in Kliniken. Sie sind fast überall anzutreffen. Ein Kontakt mit den Keimen führt nicht automatisch zu einer Ansteckung oder Erkrankung. Im medizinischen und pflegerischen Bereich ist die Einhaltung der Hygienestandards aber von großer Bedeutung, da damit die Gefahr einer Infektion für Menschen mit geschwächtem Immunsystem soweit wie möglich minimiert wird.

Dr. Just weist darauf hin, dass neben der Verbreitung von MRE auch die Entstehung von MRE im Focus bleiben muss. Im MRE-Netzwerk wurde deshalb die Kampagne zum angemessenen Einsatz von Antibiotika  „Weniger ist mehr“ entwickelt.

„Antibiotika sind sehr wirksame Mittel zu Bekämpfung von bakteriellen Erkrankungen. Aber die meisten Erkältungen oder grippalen Infekte entstehen durch Viren. Dann nützt ein Antibiotikum gar nichts, sondern erhöht nur die Gefahr der Entstehung von neuen resistenten Keimen.“ Ihm ist es wichtig, das Übel bei der Wurzel zu packen. Hier könne jeder Bürger etwas tun, meint der MRE-Experte. Dr. Just rät: „Nehmen Sie Antibiotika nicht vorschnell ein. Fragen Sie Ihren Arzt, ob eine Antibiotikaeinnahme wirklich nötig ist oder ob es Alternativen dazu gibt. Beachten Sie genau die Einhaltung der Einnahmedauer und Dosis gemäß ärztlicher Verordnung. Restbestände von Antibiotika sollten unbedingt entsorgt und keinesfalls auf eigene Faust eingenommen werden. So helfen Sie mit, die Entstehung von MRE zu verhindern.“

Weitere Informationen im Internet: www.mre-netzwerk-mittelhessen.de


Stichwort/Hintergrund: MRE

MRE steht als Abkürzung für multiresistente Erreger. Dabei handelt es sich um einen Sammelbegriff für eine Vielzahl unterschiedlicher Bakterien, denen gemeinsam ist, dass sie gegen viele oder auch alle üblicherweise wirksamen Antibiotika widerstandsfähig (resistent) geworden sind.

Multiresistente Erreger können vor allem auf Haut und Schleimhaut, in den oberen und tiefen Atemwegen, im Urin und dem Stuhl sowie in Wunden vorkommen.

Bakterien werden im Wesentlichen direkt über die Hände oder indirekt über das Anfassen MRE-belasteter Gegenstände (z.B. Türklinke, Handläufe, Fernbedienung) oder Oberflächen im direkten Umfeld der Betroffenen (z.B. Bett, Nachttisch) auf andere Menschen übertragen. Weitere mögliche Übertragungswege sind Niesen und Husten, wenn die betreffenden Bakterien im Nasen- und Rachenraum vorkommen.

Im Allgemeinen ist eine Besiedelung mit MRE unproblematisch. Gefährlich kann es werden, wenn multiresistente Bakterien die Haut– bzw. Schleimhautbarriere überwinden und in den Körper eindringen (über Wunden, Katheter etc.) bzw. in Körperbereiche vordringen, die normalerweise frei von Bakterien („steril“) sind und dann eine Infektion auslösen.

Die Behandlung einer Infektion mit MRE kann aufgrund der bestehenden Resistenz gegen mehrere üblicherweise wirksame Antibiotika schwierig sein.

Vertreter der Kliniken im Landkreis Marburg-Biedenkopf reichten ihren Antrag zur Erteilung des MRE-Siegels beim Gesundheitsamt des Landkreises Marburg-Biedenkopf ein. Landrätin Kirsten Fründt nahm als Behördenleiterin zusammen mit Dr. Birgit Wollenberg, der Leiterin des Gesundheitsamtes, die Anträge entgegen. (Foto: Landkreis Marburg-Biedenkopf)

Vertreter der Kliniken im Landkreis Marburg-Biedenkopf reichten ihren Antrag zur Erteilung des MRE-Siegels beim Gesundheitsamt des Landkreises Marburg-Biedenkopf ein. Landrätin Kirsten Fründt nahm als Behördenleiterin zusammen mit Dr. Birgit Wollenberg, der Leiterin des Gesundheitsamtes, die Anträge entgegen.

(Foto: Landkreis Marburg-Biedenkopf)

PDF: MRE-Siegel Beurteilungsverfahren

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