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^Erhöhte PCB-Werte in zwei Funktionsräumen der Hinterlandschule – Standort Biedenkopf: Kreis nutzt Ferien zur intensiven Reinigung der Räume / Weitere Messungen geplant

(Pressemitteilung 282/2015 vom 22.07.2015)

Marburg-Biedenkopf – Im Rahmen der Kontrolluntersuchungen, die der Landkreis Marburg-Biedenkopf an seinen Schulen in Auftrag gegeben hat, sind jetzt in einem Gebäude der Hinterlandschule – Standort Biedenkopf (ehemalige Stadtschule) erhöhte Werte von Polychlorierten Biphenylen (PCB) festgestellt worden. Betroffen hiervon sind insbesondere ein Werkraum und ein Computerraum. Der Kreis nutzt die bevorstehenden Sommerferien, um die betroffenen Räume intensiv zu reinigen und auch für weitere Messungen.

Die Werte in den beiden Räumen liegen über dem Wert von 3.000 Nanogramm (ng) pro Kubikmeter (m3) Luft (ein Nanogramm ist 1 Milliardstel Gramm): Die PCB-Konzentration in dem Computer-Raum lagen bei der Messung bei 3.085 ng/m3 und in dem Werkraum bei 6957 ng/m3. In diesem Fall sieht die PCB-Richtlinie des Landes Hessen unmittelbaren Handlungsbedarf. „Wir haben diese Räume jetzt gesperrt und nutzen die unterrichtsfreie Zeit in den Sommerferien, um durch intensive Reinigung und Lüftung die Werte zu senken. Außerdem haben wir weitere Messungen, auch in den anderen Räumen der Schule veranlasst“, teilte der Erste Kreisbeigeordnete und Schuldezernent Marian Zachow mit. Damit solle überprüft werden, ob auch in anderen Räumen der Schule erhöhte PCB-Werte nachgewiesen werden können.

Die jetzt vorliegenden Messwerte sind das Ergebnis einer Kontrollmessung unter anderen Rahmenbedingungen. Eine erste Messung hatte an der Schule bereits im Winter stattgefunden. Allerdings waren die Erkenntnisse wegen der niedrigen Temperaturen nur zum Teil aussagekräftig. Nach der ersten Messung waren an der Schule bereits die Reinigungs- und Lüftungsintervalle erhöht worden, da in einigen Räumen leicht erhöhte Werte von mehr als 300 Nanogramm pro Kubikmeter Raumluft festgestellt wurden. In Räumen mit Messergebnissen in diesem Bereich (PCB-Konzentration 300 bis 3000 ng/m3) fordert das Land eine intensive Suche nach der Quelle der Belastung sowie regelmäßige gründliche Reinigung und verstärktes Lüften der Räume. Wenn die Quelle der Belastung erkannt ist, solle auch hier eine Sanierung erfolgen.

„In den Räumen mit leicht erhöhten Werten suchen wir natürlich die Ursache, werden diese beheben und die Räume bei Bedarf sanieren“, so Marian Zachow. „Es ist nach Aussage des Gutachters auch denkbar, dass die aktuellen hohen Temperaturen zu den deutlich erhöhten Messwerten in den beiden Funktionsräumen beigetragen haben. Es ist zudem möglich, dass sich das PCB im Staub des Werkraumes gesammelt hat und wir dort deshalb deutlich erhöhte Werte haben“, erläuterte der Erste Kreisbeigeordnete. Da in Werkräumen handwerklich gearbeitet, gesägt, gebohrt und geschliffen werde, sei es nicht ungewöhnlich, dass es dort trotz aller Reinigung zu Staubablagerungen kommen könne. Der Werkraum wird jetzt nochmals intensiv gereinigt werden. Der vom Kreis beauftragte Experte, der die Messungen vorgenommen hat, gehe zudem davon aus, dass die in dem Werkraum verbauten Deckenplatten die Quelle für die Belastung sind.

Eine unmittelbare Gesundheitsgefährdung durch die erhöhten PCB-Werte in den beiden Funktionsräumen sieht das Gesundheitsamt des Kreises nicht, da beide Räume immer nur kurzzeitig von verschiedenen Gruppen genutzt wurden. Das Gesundheitsamt stützt seine Einschätzung auch auf die Ergebnisse der Blutuntersuchungen bei Schülern und Lehrern nach dem PCB-Fund an der Mittelpunktschule in Breidenbach: Dort waren bei deutlich höheren PCB-Konzentrationen in der Raumluft keine Auffälligkeiten aufgetreten.

Stichwort PCB:

Die polychlorierten Biphenyle (PCB) gehören chemisch zur Gruppe der chlorierten aromatischen Kohlenwasserstoffe. Ausgangsverbindung ist das Biphenyl, also zwei miteinander verbundene Phenylringe, an denen wiederum bis zu zehn Chloratome angeordnet sein können. Je nach Anzahl der Chloratome, die mit den Phenylringen verbunden sind, können mehr als 200 verschiedene Verbindungen entstehen. Die PCB wurden ab Mitte der 1950er Jahre in einer Vielzahl von Produkten in geschlossenen und offenen Anwendungen eingesetzt. Zu den geschlossen Anwendungen etwa gehört der Einsatz als Kühl- und Isolierflüssigkeit in Transformatoren und Kondensatoren oder als Hydrauliköl.

In offenen Anwendungen fanden PCB Verwendung als Weichmacher in Kunststoffen und als Flammschutzmittel, beispielsweise in Fugendichtmassen, Anstrichen und Beschichtungen, Klebstoffen, Deckenplatten oder Kabelummantelungen. Seit 1983 werden PCB in Deutschland nicht mehr hergestellt.

Stichwort PCB-Richtlinie:

Die PCB-Richtlinie des Landes Hessen sieht vor, dass für stark belastete Bereiche („Interventionswert“: mehr als 3.000 ng/m3) neben den Sofortmaßnahmen wie Belüftung und Reinigung ein Sanierungsplan erstellt und die Sanierung baldmöglichst durchgeführt werden muss. Außerdem sind weitere Kontrollanalysen erforderlich. Wenn sich durch die Sofortmaßnahmen die Messwerte nicht innerhalb von drei Monaten auf unter 3.000 ng/m3 senken lassen, sollten die betroffenen Räume geschlossen werden.

In Räumen mit einer problematischen Belastung (PCB-Konzentration 300 bis 3000 ng/m3) fordert das Land eine intensive Suche nach der Quelle der Belastung sowie regelmäßige gründliche Reinigung und verstärktes Lüften der Räume. Wenn die Quelle der Belastung erkannt ist, soll auch hier eine Sanierung erfolgen. Wenn die PCB-Konzentration im tolerablen Bereich liegt („Vorsorgewert“ – weniger als 300 ng/m3), sind nach der Richtlinie das regelmäßige Aufnehmen von Staub, an den sich die Substanz bindet, sowie regelmäßiges Lüften ausreichend.

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